Osnabrücker Jugendchor im Dauereinsatz Schlicht, zügig, transparent: Händels „Messias“ im Dom

Stimmgewaltig: Die Neue Hofkapelle und der Jugenddomchor führen den "Messiahs" auf. Foto: Thomas OsterfeldStimmgewaltig: Die Neue Hofkapelle und der Jugenddomchor führen den "Messiahs" auf. Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Osterfeld

Osnabrück. Wie schafft der Osnabrücker Jugendchor eigentlich dieses Arbeitspensum? Der vermutlich fleißigste Chor der Stadt ist gerade erst zurück von einer Asienreise mit Mozarts Requiem, wird im Dezember bei Bachs Weihnachtsoratorium I-III mitwirken – und hat mal eben noch Händels "Messias" dazwischen geschoben, ein Werk von zweieinhalb Stunden, das zum großen Teil vom Chor getragen wird.

 Zwar sind nicht alle Sänger wirklich jugendlich, aber doch zum guten Teil, viele werden die Werke also vermutlich zum ersten Mal gesungen und komplett neu gelernt haben.

Dieser Messias ist in weiten Teilen schön schlicht, was auch an den Solisten liegt. Tenor Georg Poplutz darf diesen Ton als erster vorgeben, und besonders Altistin Anne Bierwirth greift ihn später immer wieder auf. Sie verzichtet so gut wie vollständig auf Vibrato, und das kann sie sich auch deshalb leisten, weil ihre Stimme gut trägt. Besonders schön gelingt daher die Arie „He was despised“, in der das Orchester die Phrasen der Sängerin wunderbar zart und liebevoll aufgreift. Vollkommen anders klingt Meike Leluschko mit ihrem besonders in der Höhe hellen und schlanken Sopran, die gerne kleine Verzierungen einbaut. Über einen kraftvoll-kernigen Bass verfügt Thilo Dahlmann, genau der richtige Mann also für eine Arie wie „The trumpet shall sound“: Zum Ereignis wird sie durch seine Energie, die auch das Orchester mitzieht.

Dem Chor fehlt Dramatik zwar nicht ganz, etwa im Chor „Surely, he hath borne our griefs“. Die wirkt über deutliche Akzente, und der Kontrast zur sanft gesungenen Zeile „He was wounded“ kommt sehr klar zur Geltung. Doch mit überwiegend jungen Stimmen und dem mit 34 Sängern eher klein besetzten Chor klingt dieser Messias natürlich nicht so wuchtig wie bei manch anderer Aufführung, hinzu kommt noch die ebenfalls sehr klein besetzte Osnabrücker Hofkapelle. Chordirektor Clemens Breitschaft legt daher eine betont zügige, transparente Interpretation vor. Der erstaunliche Jugendchor reagiert stets wach, zeigt sich fast überall sicher und gestaltet besonders die Schlüsse der einzelnen Sätze immer wieder wunderschön – wie auch immer er das so schnell bewältigen konnte.


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