Gast beim ArtTalk im NOZ-Medienzentrum Aktionskünstler HA Schult: Ich bin fast ein Osnabrücker

Der Aktionskünstler HA Schult. Foto: Henning Kaiser/dpaDer Aktionskünstler HA Schult. Foto: Henning Kaiser/dpa

Osnabrück. Der weltbekannte Aktionskünstler HA Schult wird beim Osnabrücker ArtTalk mit Lars Biesenthal von der „Fridays for future“-Bewegung über das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz diskutieren.

Kaum ein Künstler hat sich so früh und so intensiv mit Umweltfragen beschäftigt wie HA Schult. Seit 1996 schickt er seine Trash People zu Orten auf der ganzen Welt, um auf die Müllproblematik aufmerksam zu machen, mit der wir heute virulenter denn je konfrontiert sind. Anlässlich des ArtTalk zum Thema „Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ wird der Aktionskünstler mit Lars Biesenthal zusammentreffen, einem Osnabrücker Vertreter der „Fridays for future“-Bewegung. Im Gespräch mit unserer Zeitung fragten wir HA Schult, ob er sich bereits zuvor mit diesen Umweltaktivisten auseinandergesetzt hat.

Lob für Klimastreik

„Nein, aber ich finde es ganz wichtig und toll, was die Kiddis da machen“, sagt er. Zwar habe er die Initiatorin der Bewegung, Greta Thunberg, noch nicht kennen gelernt, aber er freue sich darauf, mit einem Osnabrücker Vertreter zu diskutieren. Da HA Schult ein weltbekannter Künstler ist, der nicht zuletzt durch ein geradezu betoniertes Selbstbewusstsein zu Ruhm und Ehre kam, fügt er hinzu: „Wenn ich nicht vor 50 Jahren das Thema Umwelt in die Medien gebracht hätte, und das mit eine kleinen Handvoll anderer, befreundeter Künstler, dann gäbe es diese „Fridays for future“-Bewegung gar nicht. Es handelt sich um eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir vor langer Zeit schon formuliert haben.“

Schnell kommt Schult dann auf Osnabrück zu sprechen. „Eigentlich bin ich ja schon fast ein Osnabrücker. Als ich vor 25 Jahren zum ersten Mal meine Trash People auf die Reise schickte, war es die verdienstvolle Osnabrücker Spedition Hellmann, die die Skulpturen nach Paris transportierte. Später hat die Firma meine 1000 Trashis auf dem Roten Platz in Moskau abgeladen.“ Und dann erinnert er an seine spektakuläre Aktion, die ihn ebenfalls mit Osnabrück verbindet. 1998 verkleidete er ein Speichergebäude auf dem Firmengelände von Hellmann mit Kartons, auf denen das Wort „Frieden“ in vielen verschiedenen Sprachen der Welt zu lesen war. „Zehntausende Besucher pilgerten damals zum „Friedensspeicher“. Das ist bei vielen Osnabrücker Bürgern heute noch unvergessen“, so Schult.

Visionäre Ader

Dass er tatsächlich eine visionäre Ader hat, bewies der Aktionskünstler, der bereits zwei Mal an der Documenta in Kassel teilnahm, mit einer Aktion in Venedig. 1976 kippte er tonnenweise alte Zeitungen auf den Markusplatz, nannte die Aktion „Venezia vive“ und schuf so ein papierenes Meer. Heute ist der Markusplatz wegen eines Hochwassers, dem berüchtigten „Aqua alta“, in Rekordhöhe überschwemmt. „Ich komme wegen eines aktuellen Projekts gerade aus Italien. Die Italiener sind, was die Umwelt angeht, nicht besser oder schlechter als andere Völker. In New Yorker wird es irgendwann genauso aussehen wie heute in Venedig. Und die Holländer sind schon heute auf dem Weg ins Sauerland“, kommentiert er mit sarkastischem Unterton das Umweltbewusstsein der Menschen.

In Italien war er gerade, um eine neue „Trashi“-Delegation zu enthüllen: in Matera. Die dortige, historische Höhlensiedlung gilt als eine der ältesten Städte der Welt. Aus dem 9000 Jahre alten Tuffgestein, das dort vorherrscht, gestaltete HA Schult 20 neue Trash People. Und als nächstes hat der 80-Jährige das Thema Sklaverei ins Auge gefasst. „Zwischen 50 und 100 Schrottskulpturen werde ich auf der Insel Gorée vor der Küste Senegals aufstellen. Sie wird die Sklaveninsel genannt, weil von dort angeblich die Sklavenschiffe in Richtung Amerika gestartet sind. Eine weitere Abordnung positioniere ich in New York, auf der Insel Roosevelt Island zu Füßen des UNO-Gebäudes. So werden die Orte durch meine Aktion in einen Dialog versetzt.“

ArtTalk:

HA Schult, Galerist Dirk Geuer und Lars Biesenthal für „Fridays for future “ Osnabrück
 Thema: Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dienstag, 19. November, 19 Uhr, NOZ-Medienzentrum, Breiter Gang 10-16. Tickets in den Geschäftsstellen Ihrer Zeitung und online unter www.deinticket.de


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