Neun Gesangsgruppen an drei Tagen Chor-Wochenende in Osnabrück: „Warum treten wir da nicht auf?“

Sorgen für Stimmung: Der Osnabrücker Frauenchor "Stimmt so" beim Mundart-Festival. Foto: Thomas OsterfeldSorgen für Stimmung: Der Osnabrücker Frauenchor "Stimmt so" beim Mundart-Festival. Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Osterfeld

Osnabrück. Osnabrück hat ein wahrhaftiges Chorwochenende hinter sich: Marienkantorei und Vokalvielharmonie gaben jeweils eigene Konzerte, beim Konzert der Sängerkreisgruppe Osnabrück sangen am Sonntag in der Osnabrückhalle sieben, beim Mundart Chorfestival am Piesberg waren am Freitag und Samstag insgesamt neun Chöre zu hören.

„Das Mundart Festival ist entstanden, weil die freien Chöre wenig Auftrittsmöglichkeiten hatten“, erzählt Imke Wedemeyer vom Piesberger Gesellschaftshaus. Es richtet sich an freie Chöre, die sich keinem Verband angeschlossen haben. Zur Sängerkreisgruppe Osnabrück, zu der vor allem traditionellere und im Durchschnitt wohl auch ältere Chöre gehören, darunter viele klassische Männerchöre, bestünden bisher tatsächlich keinerlei Kontakte, so Imke Wedemeyer. Sie sagt aber: „Vielleicht ist es als Perspektive gar nicht so schlecht, alles mehr zu durchmischen.“

Erste Schritte sind gemacht: Am Freitag sang zum ersten Mal ein klassischer Männergesangverein bei Mundart, der MGV „Gemütlichkeit“ Hollage. Das ist der wohl traditionsreichste Chor im Osnabrücker Land überhaupt, denn er besteht seit 153 Jahren. Und er überrascht: Wird sonst durchaus das traditionelle Männerchor-Repertoire gepflegt, hat Chorleiter Jan Elster für das Mundart Festival ein modernes Programm zusammen gestellt, teils a-cappella, teils begleitet mit Bass und Klavier. Der selbstironische Titel „Männer mag man eben“ steht zum Beispiel auf dem Programm und das Spiritual „Sinner You Know“. Chorleiter Jan Elster: „Total unpassend eigentlich, aber es klingt einfach saugeil.“ Und die Altersstruktur im Chor? „Wir haben bei den jungen Kerls Zuwachs erhalten, etwa zehn Sänger sind unter 35, teilweise auch unter 25.“ Die alte Garde sei aber auch weiterhin dabei. Wie kam der MGV „Gemütlichkeit“ Hollage zu Mundart? Einer seiner jungen Sänger habe ihn gefragt: „Warum treten wir da nicht mal auf?“ so Jan Elster.

Jeder darf Vorschläge machen

Am Samstag singt zum Beispiel der Kleine Chor Hagen. Eine Sängerin ist krank, so ist die Truppe noch kleiner: Drei Frauen und zwei Männer. Einen Chorleiter braucht das Ensemble nicht, dass sich ursprünglich zusammengefunden hat, um auf der Hochzeit von Freunden zu singen. So erzählen es die Sängerinnen Beate Unnerstall und Anja Hanus. Jeder dürfe Vorschläge zum Repertoire machen, das Ergebnis ist eine ziemlich bunte Mischung. Es geht los mit einem Madrigal der Renaissance, dann singen die drei Frauen allein den witzigen Titel „Hefe“, es folgt „The Lion sleeps tonight“, dann ein Spiritual und schließlich „Rama Lam Ding Dong“ - eine ziemliche Bandbreite.

Doch man täusche sich nicht: Diesmal haben die „Traditionalisten“ der Sängerkreisgruppe in Puncto Abwechslung die Nase vorn. Ihr inzwischen 37. jährliches Konzert wird nämlich eröffnet durch den ADD Harmonie Chor: Der türkische Chor, tatsächlich Mitglied der Sängerkreisgruppe, singt türkische Volkslieder, begleitet von typischen Folklore-Instrumenten, und vier Mädchen tanzen dazu in bunten Trachten. Aber auch Leonard Cohens „Halleluja“ hat Ferda Sensoy drauf, die Vorsitzende des Chores. ADD stehe für den Atatürk Kulturverein, sagt Sängerin Hale Semtürk. Sie seien der Sängerkreisgruppe beigetreten, um zwischen all den deutschen Chören etwas außergewöhnliches zu sein. „Wir wollten aber auch gerne harmonisch mit ihnen singen, im Sinne der Verständigung.“

Lockerer und entspannter

Einer der klassischen Chöre der Sängerkreisgruppe ist der Männerchor Lechtingen, und der beginnt mit einem Volkslied. Sie singen allerdings, entgegen allen Erwartungen an Männerchöre, auf englisch, denn „The Sally Gardens“ stammt aus Irland. Auch ein anspruchsvolles zeitgenössisches Stück und ein Titel der „Münchener Freiheit“ gehören zum Programm. Andreas Thünker ist der Vorsitzende des Chores, zugleich gehört er neben zwei weiteren der Lechtinger Männer aber auch zu CHORios, einem gemischten Popchor aus Hollage, der am Samstag bei Mundart singt. Dort sei es „lockerer und entspannter“, so Andreas Thünker, doch das Konzert in der Stadthalle habe diesmal auch eine „geile Mischung“, beides habe sehr viel Spaß gemacht. Er wäre zwar nicht darauf gekommen, mit seinen Lechtinger Männern bei Mundart aufzutreten. „Aber Hollage hat es je vorgemacht, vielleicht ist das nächstes Jahre eine Option.“

Im Grunde sind die Unterschiede der beiden Formate gar nicht so groß. So hat zum Beispiel der Haster Frauenchor „Viva la musica“, Mitglied der Sängerkreisgruppe, kein Problem damit, bei Mundart aufzutreten. Die Damen machen das sogar bereits zum zweiten Mal.


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