„Ich will nicht, dass so was nochmal passiert“ Osnabrücker Schüler gestalten am Sonntag Gedenktag zur Pogromnacht

Foto: Jörn MartensFoto: Jörn Martens

Osnabrück. Schüler der Osnabrücker Thomas-Morus-Schule gestalten an diesem Sonntag in der Schlossaula eine Feierstunde zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938. Am Freitag fand die Generalprobe statt.

„Das hätte den Nazis so gepasst, dass sich niemand an dich erinnert.“ Zwei Schülerinnen der Thomas-Morus-Schule putzen in der Schlossaula einen großen, grauen Würfel, auf dem viele Namen geschrieben stehen. Es sind die Namen deportierter und ermordeter Juden. Darüber steht groß der erste Satz des ersten Artikels des bundesdeutschen Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Die Schülerinnen proben für ihren Auftritt beim Gedenktag an die Pogromnacht 1938, der am Sonntag um 11.30 Uhr in der Schlossaula beginnen wird. Die Präsentation der Schüler wird nach einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Gedenktag der Stadt Osnabrück eröffnen, danach geht es zu Kranzniederlegung und Gebeten am Mahnmal für die Alte Synagoge.

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Bereits im Oktober hatten alle 600 Schüler der Thomas-Morus-Schule die in der Stadt verlegten 150 Stolpersteine geputzt, die an ihrem jeweils letzten freiwilligen Wohnort an die Osnabrücker Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern – an die Juden und an die Menschen mit Behinderungen, an die Homosexuellen, die Sinti und Roma und die politischen Gegner des NS-Regimes, die allesamt willkürlich verschleppt und anschließend zumeist ermordet wurden. Oder die zwar überlebten, aber zeitlebens an ihren schlimmen Erfahrungen litten. 

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An der Gestaltung des Gedenktags selbst sind 17 Schüler beteiligt, sie machen das freiwillig. Die Sechstklässlerin Lina Braun beschreibt ihre Motivation so:

Es ist sehr viel Schlimmes passiert, und ich will nicht, dass so was nochmal passiert. Darauf sollten wir die Menschen aufmerksam machen.

Die Vorstellung der Schüler entstand in drei Projekttagen und ist sehr berührend. Auf der Bühne lesen Schüler die Namen und kurze Biographien einiger Osnabrücker Opfer vor, berichten etwa von einem behinderten Jungen, der im Alter von vier Jahren getötet wurde. Oder sie erzählen vom Schicksal eines Ehepaares mit zwei Kindern, deren Platz die Schüler auf der Bühne symbolisch einnehmen. Unterstützt wird die Präsentation durch ein musikalisches Schüler-Lehrer-Duo: Von der Seite spielen Niklas Burdick und Hendrik Wolters auf ihren Klarinetten.

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Im Vorfeld haben die Schüler nicht nur Stolpersteine geputzt, sondern unter dem Motto „Das Gedenken in die Stadt tragen“ auch mit Passanten gesprochen. Justus Raude aus Klasse 7 erklärt: „Wir haben den Leuten erzählt, was das für Personen waren, und von bestimmten haben wir dann zum Beispiel den Lebenslauf berichtet.“

Außerdem wurden einige Interviews mit Passanten aufgezeichnet. Die Aussagen einer älteren Dame werden in der Schlossaula eingespielt: Offenbar unter Tränen gab sie den Schülern mit auf den Weg:

Diese Zeit darf nie wieder kommen, dafür müsst ihr jungen Leute kämpfen!


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