Seemannsgarn und echte Welthits „Storyteller“ Chris de Burgh verzaubert mit Doppelprogramm die Osnabrück-Halle

Unauffällige Erscheinung, reduzierte Gestik: Chris de Burgh in der Osnabrück-Halle. Foto: André HavergoUnauffällige Erscheinung, reduzierte Gestik: Chris de Burgh in der Osnabrück-Halle. Foto: André Havergo

Osnabrück. Mit seiner vierköpfigen Band trat Chris de Burgh in der Osnabrück-Halle auf. In einem Doppelprogramm präsentierte er sein persönliches Lieblingsalbum "Moonfleet" von 2010 sowie sein Bestselleralbum "Into The Light" aus dem Jahr 1986 und andere Hits.

Fast zweieinhalb Stunden mussten die Fans in der fast ausverkauften Osnabrück-Halle warten, bis sie ihre „Lady“ bekamen. Dann fasste sich Chris de Burgh ein Herz, um nicht nur mit seinem Welthit „The Lady In Red“, sondern auch mit einem Gang durch die Stuhlreihen des Europasaals die Herzen zu erobern – gefolgt von zwei Bodyguards zwar, aber dennoch als Mann zum Anfassen. Wenn er das bis dahin nicht schon längst getan hat. Denn die Songs des in Argentinien geborenen Iren mögen zwar einfach gestrickt sein, dafür sind sie aber auch einfach schön. Und zuweilen auch sehr ergreifend. Sein Achtzigerjahre-Album „Into The Light“ spielte de Burgh in der zweiten Hälfte des Konzerts komplett durch – mit einer Ausnahme: An genau der Stelle, an der eigentlich die „Lady“ an der Reihe gewesen wäre, schob er den eigentlichen Höhepunkt des Abends ein. Der eindringliche, vier Jahre jüngere, aber leider immer noch aktuelle Anti-Kriegs-Song „Borderline“ veranlasste das Publikum völlig zurecht zu spontanen Standing Ovations – auch deshalb, weil de Burgh mit den in ihm enthaltenen, intensiven Gesangsparts zu beweisen vermochte, dass sein weiches, samtiges Timbre zu mehr imstande ist, als nur simple Strophen und Refrains zu singen.  

Animierte zum Mitklatschen: Chris de Burgh. Foto: André Havergo

Fahrt durch ruhige Gewässer

Auch musikalisch komplexer geriet die erste Hälfte seines Doppelprogramms, in der er das vor knapp zehn Jahren erschienene Konzeptalbum „Moonfleet & Other Stories“ präsentierte. Basierend auf einem 120 Jahren alten Buch, erzählt es Geschichten rund um Schmuggler, Piraten und das Meer, aber auch solche von Liebe und Freundschaft. Der walisische Keyboarder Nigel Hopkins, der österreichische Schlagzeuger und Perkussionist Philipp Groyssboeck, Ex-Robbie-Williams-Gitarrist Neil Taylor und David Levy am Bass spannen dabei musikalische Seemannsgarn, das die Zuhörer mitnahm auf eine Reise durch vornehmlich ruhig vor sich hinplätschernde Gewässer. Für „Treasure And Betrayal“ nahm das Storyteller-Schiff zwar etwas mehr Fahrt auf und für „The Storm“ wurden die Windstärke und der musikalische Wellengang noch einmal erhöht, aber für das sanfte Schaukeln von „Greater Love“ konnten die Maschinen dann wieder heruntergefahren werden. Für Schunkelstimmung an Bord der Osnabrück-Halle sorgte nicht zuletzt auch die immer mal wieder eingestreute Melodie von „What Shall We Do With The Drunken Sailor“. 

Im Rampenlicht, aber zurückhaltend. Foto: André Havergo

Klirrende Hitparade

Nach der Pause wurde die auf große Bildschirme projizierte Seefahreroptik durch eine knallig bunte Disco-Beleuchtung ersetzt – passend zur Zeitreise zurück in den synthetisch weichgespülten Pop der Achtzigerjahre. Einzig das ungewöhnlich prog-rockige „The Leader“ mit seinen jaulenden Gitarrensoli und einem höchst dramatischen Spannungsaufbau fiel da etwas aus der Reihe. Die Fans waren sichtlich erleichtert, als sie der äußerlich unauffällige Mann im weißen Hemd und mit der Allerweltsfrisur Typ „Netter Nachbar“, der den Brexit für ein „Desaster“ auch für seine irische Heimat hält, mit einem soloakustisch in Singer/Songwriter-Manier vorgetragenem „Sailing Away“ wieder in den gewöhnten Mitklatsch- und Mitsingmodus versetzte. Zum Cover von Totos „Africa“ wurde schließlich auch getanzt – ebenso wie zu seinen eigenen Hits „Missing You“, „Don´t Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“. Mit der rührenden Neunzigerjahre-Ballade „The Snows Of New York“ verabschiedete sich Chris de Burgh – sichtlich schweren Herzens.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN