Klabautermann des Folkrock Achim Reichel auf seiner „ersten Abschiedstour“

Hanseatischer Sturkopp in Aktion: Achim Reichel im Rosenhof. Foto: Thomas OsterfeldHanseatischer Sturkopp in Aktion: Achim Reichel im Rosenhof. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Fast akustisch, dafür mit dreiköpfiger Bläsersektion spielte Achim Reichel im Rosenhof sein klingendes Seemannsgarn und die versiert geschruppten Volklieder. Obwohl das Publikum auf Stühlen saß, geriet es nahezu in Verzückung.

Hanseatische Sturköppe altern nicht. Den Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man Achim Reichel auf der Bühne des Rosenhofs sieht. Für die 75 Lenze, die er mittlerweile zählt, macht der Musiker einen ausgesprochen fitten Eindruck. „Willkommen bei meiner ersten Abschiedstour, begrüßt Reichel seine Zuschauer mit seinem legendären nordischen Charme. Um den Reigen zu eröffnen, mit dem er musikalisch Adieu sagen will, hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen: Seine Band spielt leise, oft auf akustischen Instrumenten. Dafür hat er eine dreiköpfige Bläsersektion mitgebracht, die seine Lieder auf ungewöhnliche Art aufpeppt. So hören die Fans den Hit „Der Spieler“ aufgrund der großartigen Bläserakzente in vollkommen neuem Gewand.

Achim Reichel und Band im Rosenhof.

Apropos Fans: Die sind ein wenig genervt, weil der Saal bestuhlt ist. Als Reichel aufsteht, seinen Hocker wegschiebt und ruft: „Das kann ich nicht im Sitzen“, antwortet eine Zuschauerin: „Wir auch nicht!“ Offenbar würde das Publikum lieber mitrocken und tanzen, obwohl die Lieder im akustisch reduzierten Modus präsentiert werden. Aber Reichel braucht nicht lange, um zu beweisen, dass diese Spielart unglaublich gut zu seinem klingenden Seemannsgarn, seinen geschruppten Volkliedern und den blumigen Gedichtvertonungen passt.

Übrigens ist der Begriff „Sturkopp“ nicht als Beleidigung gemeint, denn als solchen hat sich Reichel 2002 selbst bezeichnet, als er auf der Bühne über seine Liederauswahl plauderte: „Die Leute haben mich am Anfang total schräg angeschaut, als ich meine Seefahrerlieder auspackte“, erklärte er damals. Dasselbe passierte bei seinen Volkliedern. Doch der Erfolg sollte ihm Recht geben. Viele dieser Interpretationen wurden große Hits. Und mit solchen spart er jetzt auch nicht. Er startet mit seinen „Fliegenden Pferden, sorgt mit „Kugel, komm rüber“ für Hochstimmung, bestellt „Steaks und Bier und Zigaretten“, erzählt Geschichten über „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und zollt mit „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ seinem Helden Hans Albers Tribut. Zum Schluss dürfen seine Hits „Kuddel Daddel Du“ sowie „Aloha Heja He“ nicht fehlen. Dann dankt der Klabautermann des Folkrock, der es mit „Religion nicht so hat“, dem Leben für sein Leben und entlässt sein freudetrunkenes Publikum in die Nacht.


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