Grandioser Vorleser und Improvisierer Torsten Sträter wandelt in der Osnabrück-Halle zwischen Alltag und Absurdistan

Torsten Sträter in der Osnabrückhalle . Foto: Swaantje HehmannTorsten Sträter in der Osnabrückhalle . Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Von Programm kann man bei Torsten Sträter nicht sprechen. Zwar trägt das, was der Komödiant in der Osnabrück-Halle präsentiert, einen Titel: „Schnee, der auf Ceran fällt“. Aber der hat rein gar nichts mit den Geschichten und Einfällen zu tun, die der Mann aus dem Ruhrpott auf seine ganz eigene Art darbietet.

Eine letzte Geschichte: Der Mann fährt mit seinem Ford Mustang V8, ohne Frage ein „Idiotenauto“, nach Hannover. Dort besucht er ein Seniorenheim, in dem sein Vater offenbar seinen Lebensabend verbracht hat. Es ist eine melancholische Geschichte, die allerdings viele Motive wieder auftauchen lässt, die an diesem Abend zur Sprache gekommen sind: ein 16-jähriger Sohn, zwei Rechtsschutzversicherungen, eine Bockwurst. Dann entlässt Torsten Sträter, der die Geschichte erzählt hat, sein Publikum ein bisschen nachdenklich in die kalte Nacht. Untypisch. Denn zweieinhalb Stunden sind die Zuschauer in der ausverkauften Osnabrück-Halle kaum aus dem Lachen herausgekommen.

Torsten Sträter in der Osnabrückhalle . Foto: Swaantje Hehmann

Der Mann mit der obligatorischen Mütze hat eine Art, sein eigenes Programm gegen die Wand zu fahren, dass es schon wieder genial erscheint. Sein aktuelles Abendprogramm nennt er „Schnee, der auf Ceran fällt“. So absurd, wie es klingt: Der Titel hat nichts mit dem Programm zu tun. Vielleicht wird der Spruch ja auch mal zum geflügelten Wort, zu einer Phrase, wie Sträter sie liebt und sammelt. „Es zieht wie Hechtsuppe“ ist einer seiner Lieblinge. Spricht es aus und echauffiert sich ausführlich über die Bedeutung. „Wie kann eine Hechtsuppe ziehen? Und überhaupt: Haben sie schon einmal eine Hechtsuppe gegessen?“ Solche Fragen lässt er im Raum stehen. Nicht viel später die nächste: „Gibt es auch eine unfreiwillige Feuerwehr?“

Es scheint, als fielen dem Mann aus dem Ruhrpott solche Fragen spontan ein, um damit seinen Programmablauf zu torpedieren. Denn selten trägt er eine Geschichte am Stück, vom Tablett abgelesen, vor. Aber so kennt man Sträter ja eigentlich, der vom Poetry Slam zur Comedy kam: Entspannt auf einem Relax-Sessel sitzliegend liest er vom Tablett in der Hand eine Geschichte aus seinem Alltag vor, die gern mal ins Abstruse abdriftet. In der Osnabrück-Halle steht er oder er sitzt auf einem Hocker, sodass man gar nicht sehen kann, ob er gerade vom Tablett auf dem Stehtisch abliest oder nicht. Ist aber auch vollkommen egal, denn das Programm ist herzerfrischend unstrukturiert.

Torsten Sträter in der Osnabrückhalle . Foto: Swaantje Hehmann

Nachdem Sträter erklärt hat, dass er ab jetzt jeden Auftritt mit der Musik einer „mongolischen Hardrockband“ einleiten lässt, landet er schon bei seinem diesjährigen Auftritt in Wacken. Für ihn als nicht Heavy-Metal-affiner Musikkonsument sei das Festival eine besondere Herausforderung gewesen. Mehrere Male an dem Tag sei er an einem Zelt vorbeigekommen, aus dem extrem laut Störgeräusche herausgekommen seien. Es muss Deathmetal gewesen sein. „Jetzt repariere ich das da selbst“, habe er sich schließlich gesagt.

Genau das ist dieser lapidare Humor, den Torsten Sträter lebt. Ob er seinen Sohn letztmalig zum Ziel seiner amüsanten Attacken macht, ob er sich humorlose Nazis süffisant vornimmt, die ihn als „Schwulen Mützenclown“ bezeichnen, oder ob er die TV-Show „Bares für Rares“ auf seine besondere Art hämisch analysiert – es ist eine komödiantische Pracht. Nur einmal kommt Sträter inhaltlich ins Stolpern: Da freut er sich zunächst, dass so viele Zuschauer mitten in der Woche zu seinem Auftritt gekommen sind, obwohl sie am nächsten Tag arbeiten müssen. Dann erfährt er, dass dieser Donnerstag in Niedersachsen ein Feiertag ist - und muss sich zum „Reformationstag“ auf die Sprünge helfen lassen.

Letztendlich bleibt eine weitere Frage offen: Fährt dieser famose Unterhaltungskünstler tatsächlich einen Ford Mustang?


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