Stromausfall wirkte wie geplant Jazzkantine feierte in der Lagerhalle Bandjubiläum

25 Jahre Jazzkantine in der Lagerhalle in Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann25 Jahre Jazzkantine in der Lagerhalle in Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Lustvoll und ohne Patina zelebrierte die Jazzkantine aus Braunschweig ihre Mixtur aus Jazz, Funk, Soul und HipHop. In der gut gefüllten Lagerhalle lockten alte und neue Songs das Publikum schnell aus der Reserve.

Gerade noch rappte Tachi zum fetten Beat der Basstrommel im Oldschoolstyle, zitierte Grandmaster Flash und Captain Sensible, da kam schon Cappuccino auf die Bühne und meinte, „etwas Frisches“ präsentieren zu müssen. Also reimte er den Text eines neuen Jazzkantinen-Songs ins Mikrophon: „Zuviel Hashtags, zu viel Influencer, zu viel Information. Ich zieh den Stecker, nehm ´ne Auszeit…“ Und schon hörte man ihn nicht mehr. Das Publikum war überzeugt, dass der anschließende Unplugged-Freestyle-Rap, den Cappu ohne Mikro in den Saal der Lagerhalle adressierte, passend zum Song geplant war, um eine Pause anzukündigen. Doch schnell sprach sich herum, dass ein Malheur passiert war, dessen Timing besser nicht hätte sein können: Wasser in einem Glas, das in der Nähe des Mischpultes stand, hatte sich ob der Sounds der Jazzkantine so aufgeschaukelt, dass es über den Rand in eine Steckdosenleiste geschwappt war. Die Folge: Der Strom war weg.

„So einen Stromausfall hatten wir in den vergangenen 25 Jahren erst dreimal. Aber dass das so passend daherkommt, dass es wie ein dramaturgischer Trick wirkte, das hatten wir noch nicht“, erzählt Rapper Tachi nach dem Konzert. Er zeigt sich regelrecht euphorisch über den aus der Perspektive der Band gelungenen Auftritt in Osnabrück. Die Lagerhalle war gut gefüllt, das Publikum geriet schnell in Tanz- und Feierlaune. Und die Panne kam besonders gut an.

25 Jahre Jazzkantine in der Lagerhalle in Osnabrück . Foto: Swaantje Hehmann

Die tolle Stimmung im Saal war aber vollauf berechtigt, denn was die Braunschweiger Truppe, die vor 25 Jahren angetreten war, Jazz, Funk und Soul mit HipHop zu fusionieren, jetzt zu ihrem Jubiläum servierte, war schlichtweg großartig. Das Rapperteam Tachi und Cappuccino wurde gewieft von dem jungen Soulsänger Albert N`Sanda unterstützt. Gleichzeitig groovte die Rhythmusgruppe gewaltig, Stephan Grawe am Fender Rhodes und Gitarrist Tom Bennecke setzten bemerkenswerte Klangakzente und die zweiköpfige Bläsermannschaft bekam ob ihrer fantastischen Soli regelmäßig Zwischenapplaus. Dabei kam auch ein bisschen Lokalkolorit ins Spiel, denn Trompeter Christian Winninghoff, der bisweilen auch zum Flügelhorn griff, ist gebürtiger Osnabrücker und Saxophonist Heiner Schmitz ist am hiesigen Institut für Musik der Hochschule als Dozent beschäftigt.

Heimspiel: Trompeter Christian Winninghoff ist gebürtiger Osnabrücker Foto: Swaantje Hehmann

Obwohl das musikalische Konzept der Jazzkantine nach einem Vierteljahrhundert ein wenig überholt rüberkommt, füllten die Musiker rund um den Bassisten Christian Eitner, einen der Bandgründer, den Klangeintopf professionell und ambitioniert, aber dennoch lustvoll und ohne Patina mit Leben. Gegen Wintergefühle stand ein Reggae-Song auf der Setliste, gefolgt von der südamerikanischen Aufforderung „Tanz Baby!“, die auf dem neuen Album „Mit Pauken und Trompeten“ zu finden ist. Nach einem furios-funkigen „Geht ab“ und einem hart rockenden Besuch der „Hell´s Kitchen“ auf dem „Highway To Hell“ gab es dann als Zugabe einen Potpourri mit vielen Songzitaten: von „Walk This Way“ über „Cantaloop Island“ bis zur „Sweet Lucy“ von Raul de Souza. Starke Performance.


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