Balladen und psychedelische Klangfantasien Norwegerin Rebekka Bakken gastierte in der Lagerhalle

Emotionen pur: Rebekka Bakken in der Lagerhalle. Foto: Hermann PentermannEmotionen pur: Rebekka Bakken in der Lagerhalle. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Charmant moderiert präsentierte Rebekka Bakken in der Lagerhalle Songs von ihrem letzten Album „Things You Leave Behind“ sowie einige Lieder von Tom Waits.

Die Frau mit den langen Haaren macht, was sie will. Früher hat sie Jazz gesungen. Jetzt singt sie Pop. Oder interpretiert Songs von Tom Waits. Oder sie steigert ein norwegisches Kirchenlied zu einer psychedelischen Klangfantasie. Oder sie singt das Ludwig Hirsch-Lied „Der Schnee draußen schmilzt“ mit einer Intensität, die regelrecht sprachlos macht.

Die Rede ist von Rebekka Bakken, der norwegischen Sängerin, die die Welt bereist, um die Menschen mit ihrer unglaublichen Stimme zu beglücken. Jahrelang lebte sie in New York oder in Wien, jetzt hat sie sich in Schweden niedergelassen.

Seitdem sie sich vom Jazz abgewandt hat, ist ihr Stimmumfang von vier Oktaven eher selten zu hören. Dennoch verblüfft die Autodidaktin, die nach eigener Aussage nicht eine einzige Gesangsstunde genommen hat, gerade bei gefühlvollen Balladen mit geschmeidigem Vokaleinsatz.

Hoch lebe der Kontrast

Es zeugt von gesundem Selbstbewusstsein, wenn sie von ihrer Liebe zu den Songs von Tom Waits spricht und die dann auch interpretiert. Welch eine Diskrepanz herrscht zwischen dem knarzigen Grummelorgan des amerikanischen Sängers und der wunderschönen Stimme der Norwegerin. Hoch lebe der Kontrast, wenn sie „Little Drop Of Poison“ singt und darin konstatiert, dass der Teufel die Welt erschaffen habe, als Gott gerade ein Nickerchen machte.

Begleitet von einer kundigen Band singt sie viele Songs von ihrem letzten Album „Things You Leave Behind“: Ein bluesiges „Closer“, die traurige Ballade vom „Hotel St. Pauli“, sogar Reggae steht auf dem Programm. Bevor sie den Song „Powder Room Collapse“ anstimmt, klärt sie das Publikum über ihre Schminkgewohnheiten auf. Oder macht sie sich etwa lustig über Zeitgenossen, die sich übermäßig der Schönheit widmen? Die 49-Jährige kann es sich leisten, denn so, wie es aussieht, greift sie nicht allzu tief in Farbtöpfchen und Pudertiegel.

Zuletzt sitzt Rebekka Bakken ganz allein am Flügel und zelebriert noch einmal ihre Liebe zu den Songs von Tom Waits: „Time“ wird zur letzten, bewegenden Zugabe.


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