Gestärkt durch die Schule des Lebens Syrischer Filmemacher Yazn Kherullah erhält Jugend-Medien-Preis

19 Jahre Lebenserfahrung in sechs Minuten verfilmt: Yazn Kherullah zeigt seinen Siegerfilm „Das Leben“ im Haus der Jugend. Foto: Thomas Osterfeld19 Jahre Lebenserfahrung in sechs Minuten verfilmt: Yazn Kherullah zeigt seinen Siegerfilm „Das Leben“ im Haus der Jugend. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Jugend filmt: Im Ergebnis des Jugend-Medien-Wettbewerbs 2019 wurden im Osnabrücker Haus der Jugend fünf erste Plätze vergeben, unter anderem für den jungen syrischen Filmemacher Yazn Kherulla.

Einer davon allerdings in der Audio-Kategorie „Hörspiel“ für „Fiona oder wer braucht schon eine Fee“ der dritten Klasse der Grundschule Grafeld. Die Film-AG der dritten und vierten Klasse der Altstädter Grundschule machte den ersten Platz mit ihrem Abenteuerfilm „Das Tier ist los“ und vier Schülerinnen des Gymnasiums in der Wüste bekamen für ihrem Stummfilm „Eine Verabredung“ ebenso einen Hauptpreis wie Schüler der vierten Klasse der Rosenplatzschule für ihren Dokumentarfilm „Muhammad Ali“. 

Rosenplatzschüler erhalten den ersten Preis für "Muhammad Ali". Foto: Thomas Osterfeld

Zum zweiten Mal gewonnen

Lichter hat Yazn Kherullah für die erste Szene seines Films angezündet – und sie so angeordnet, dass sie in arabischer Schrift das Wort Hayat bilden. Das wiederum steht für „das Leben“. Und genau so heißt auch der Beitrag, mit dem der junge Osnabrücker Filmemacher den Jugend-Medien-Preis 2019 für die Jahrgangstufen 11 bis 13 gewonnen hat. Nicht das erste Mal, denn bereits vor zwei Jahren wurde Yazns Film „Geh mal zurück in dein Land Syrien“ im dem vom Kulturverein Fokus und Medienzentrum Osnabrück jährlich gemeinsam ausgerichteten Wettbewerb ausgezeichnet. Hielt er dort noch den dumpfen Reaktionen in seiner neuen Heimat eindrücklich in Wort und Bild die Gründe seiner Flucht entgegen, setzt er diesmal Dinge in Szene, die ihn sein bisheriges Leben gelehrt haben. 

Yazn Kherullah bei der Preisverleihung. Foto: Thomas Osterfeld

Auf Flucht älter geworden

Im Alter von zwölf Jahren hat Yazn in seiner syrischen Heimat gesehen, wie sich Menschen aus Hass gegenseitig umbringen. Vier Jahre später musste er nicht nur sein Viertel und sein Elternhaus, sondern auch seine Familie dort zurücklassen. Nachdem er auf der Flucht im Gummiboot gefühlt „30 Jahre älter geworden“ war, lernte er 2015 ein neues Land, eine neue Sprache und ein neues Wort kennen: Flüchtlinge. Manchmal möchte er all das gern vergessen und wieder ein Kind sein, das nicht weiß, was das bedeutet. Andererseits hat Yazn aber von jenem Leben, das ihm so viele Dinge weggenommen hat, auch so viel gelernt, dass er dadurch gestärkt seinen Weg in die Zukunft geht – gebaut mit den aufgesammelten Steinen, die ihm bis hierhin in den Weg gelegt worden sind. Die Wirkung solch starker Worte wird durch die symbolhaften Bilder und die besonnene Kameraführung in einem Film verstärkt, der die Erfahrungen aus 19 Lebensjahren komprimiert auf sechs Minuten herunterbricht. 

Auch Schülerinnen des Gymnasiums in der Wüste gewannen einen Hauptpreis. Foto: Thomas Osterfeld

Immer wieder aufstehen

Es spricht viel junge Weisheit daraus, wenn Yazn davon erzählt, wie er gelernt hat, dass man „nicht alles einfach und umsonst kriegen“, es aber binnen weniger Sekunden zerstören kann. Oder dass man mit seiner Volljährigkeit „nun alt genug“ ist, um „Scheiße zu bauen“ – wenngleich Erwachsene nicht wie Kinder schreien und weinen dürften, um „Herz und Kopf frei zu kriegen“. Dass man beim Versuch, aufzustehen auch immer mal wieder hinfalle, lerne man schon als Baby. Und später, dass man nie aufgeben und dabei nicht darauf warten sollte, hochgezogen zu werden - sowie Feinde zu erkennen, die sich „als Freunde verkleidet“ haben, und an den Seiten der Treppenstufen zum Erfolg nur darauf lauern würden, einen herunterzuschubsen.

Pausenunterhaltung mit Lucian und Diabolos. Foto: Thomas Osterfeld

Bilder in Sprache

Es sind nicht zuletzt auch diese starken sprachlichen, mit den filmischen adäquat korrespondierenden Bilder, die „Hayat“ seine Preiswürdigkeit verleihen. So wie man in der Schule gezielt für Tests lerne, sei es im Leben genau andersherum: Man bekomme Tests und lerne daraus, resümiert Yazn mit Blick auf seine Schulzeit. Den besten Lehrer habe er erst später gefunden: Das Leben eben. Und daraus einen Film gemacht, der auch dafür sensibilisieren soll, nicht alles als selbstverständlich zu betrachten, den Wert der Dinge schätzen zu lernen und dankbar zu sein. Sagt Yazn, nachdem er seinen wohlverdienten Preis entgegengenommen hat.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN