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Konjunktur Industrie und Handwerk in der Region bewerten Konjunktur unterschiedlich

Stellten gemeinsam die aktuelle Konjunkturumfrage unter Betrieben der Region vor: IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf und Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: IHKStellten gemeinsam die aktuelle Konjunkturumfrage unter Betrieben der Region vor: IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf und Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: IHK

Osnabrück. Die Konjunktur kühlt sich ab - das zeigt auch die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim deutlich. Anders ist es im Handwerk. Hier bewerten Betriebe vor allem die aktuelle Lage deutlich positiver. Doch auch im dort sinkt der Auftragsbestand.

Der Konjunkturabschwung ist bei den Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in der Region angekommen. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim deutlich. "Einen ähnliche Wert des Konjunkturindexes hatten wir zuletzt 2009 erreicht", machte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf bei der Vorstellung der Zahlen deutlich.

"Die regionale Konjunktur befindet sich aus Sicht der Industrie und des Handels in einem schwierigen Fahrwasser. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate werden von den Unternehmen deutlich pessimistischer beurteilt als zuletzt."

Deutlich positiver schaut sein Kollege Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, auf die aktuelle Entwicklung. "Im Handwerk läuft es noch rund, auch wenn die Erwartungen der Betriebe an die nächsten Monate weniger optimistisch sind." "Der aktuell positive Konjunkturindex wird vor allem durch die gute aktuelle Lage getrieben", ergänzt Peter Beckmann, Geschäftsführer Betriebsberatung und Strukturförderung der Handwerkskammer.

Grafik: IHK

Damit liegt die Region voll im Trend. Schon die IHK Niedersachsen hatte in ihrer Konjunkturumfrage zuletzt landesweit eine Ausweitung der Krise auf den Handel- und Dienstleistungssektor festgestellt. Anders als in der Region war auf Landesebene der Konjunkturindikator allerdings bereits zu siebten Mal in Folge zurückgegangen. "Wir befinden uns in einem Abschwung. Eine Rezession ist es aber noch nicht", so die Einschätzung Grafs.

Auslandsnachfrage deutlich häufiger als Risiko genannt

Als größtes Risiko nannten IHK-Betriebe zwar nach wie vor den Fachkräftemangel - allerdings mit deutlich weniger Nennungen als noch zuvor. Stattdessen rücken die Auslands- und Inlandsnachfrage stärker in den Fokus.

Grafik: IHK

"Seit Monaten tritt die Konjunktur auf der Stelle. Vor allem die Industrie leidet infolge von weltweiten Unsicherheiten und zunehmendem Protektionismus schon seit Längerem unter einem Abschwung", so Graf. Den "schwarzen Peter" jedoch alleine auf den Protektionismus anderer Staaten zu schieben, zählt für den IHK-Hauptgeschäftsführer aber nicht. "Wir müssen unsere außenwirtschaftlichen Beziehungen und unsere Politik überprüfen", fordert Graf. Konkret nennt er das Beispiel Russland, wo die regionale Wirtschaft seit fünf Jahren unter den EU-Sanktionen leidet. 

"Hier wünschen wir uns, dass die Bundesregierung und die EU einen anderen Kurs einschlagen und zeigen, dass sie Freihandel wirklich ernst meinen."

Außenwirtschaftliche Sorgen treiben das Handwerk weniger um. Der Exportanteil regionaler Handwerksbetriebe liege bei rund 9 Prozent, so Ruschhaupt. Dennoch sind viele Firmen Zulieferer von Industriebetrieben, die wiederum exportieren. "Die Konjunkturzyklen der Industrie treffen das Handwerk meist mit etwas Verzögerung." Dennoch geht der Hauptgeschäftsführer nicht davon aus, dass sich im Handwerk eine Krise einstellt. "Wir erwarten, dass sich die Lage auf hohem Niveau stabilisiert."

Auftragsbestand geht zurück

Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich die Handwerkskonjunktur etwas abkühlt, ist ein Rückgang im Auftragsbestand.

Grafik: Handwerkskammer

"Die Lage wird sich ein Stück weit normalisieren", so Ruschhaupt. Gerade die hohe Auslastung im Frühjahr habe den Betrieben ein gutes Umsatzplus beschert.

Weitere Impulse für das regionale Handwerk sieht der Hauptgeschäftsführer im Klimapaket und der Energiewende. "40 Prozent der CO2-Emissionen kommen aus dem Gebäudebereich. Hier kann das Handwerk einen großen Beitrag zur Klimawende leisten." Wichtig sei, dass die Politik verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit in Bezug auf die Umsetzung des Klimaschutzprogramms für die Betriebe schaffe.

Mehr Mitarbeiter - aber Wachstum schwächt sich ab

Positive Nachrichten gibt es auch mit Blick auf die Zahl der Beschäftigten: Sie ist trotz Konjunkturdelle gestiegen, so Marco Graf - wenn auch nicht in gleichem Maße wie in der Vergangenheit. Mit 2000 zusätzlichen Stellen rechnet der IHK-Hauptgeschäftsführer für 2019. "Das sind deutlich weniger als in der Vergangenheit."

Mit der kontinuierlich steigenden Zahl der Beschäftigten einhergehen muss laut Graf aber auch ein größerer Fokus auf den Bereich Wohnungsbau.

"Seit 1990 ist die Zahl der Beschäftigten in der Region um 50 Prozent gestiegen. Die Bevölkerung jedoch nur um 15 Prozent. Wenn der Arbeitsmarkt weiter wachsen soll, müssen die Menschen auch irgendwo wohnen."

Daher sei es Zeit für eine Einwohnerstrategie von Stadt und Landkreis Osnabrück, um dem Wohnungsbau einen neue Dynamik zu verschaffen. "Der Bedarf ist da", betonte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Beim Thema Fachkräfte über den Tellerrand schauen

Sven Ruschhaupt kann sich auch einen neuen Aufschlag beim Thema Regionalmarketing gut vorstellen, bei dem Kommunen und Verbände an einem Strang ziehen. Das gilt vor allem mit Blick auf die Rekrutierung neuer Fachkräfte. "Mit dem bevorstehenden Lückenschluss der A33 lohnt es sich auch, noch einmal in unsere Nachbarregionen zu schauen."

Für Marco Graf lohnt auch der Blick in andere Regionen - ob mit einer Kampagne ähnlich der des Emslands im Ruhrgebiet oder aber in den benachbarten Niederlanden. "Die Durchlässigkeit des Arbeitsmarktes ist zwischen Deutschland und den Niederlanden deutlich weniger durchlässig als zum Beispiel zwischen Deutschland und der Schweiz", so Graf. Für regionale Unternehmen im Grenzgebiet sei es ein großer Standortnachteil, nur im Halbkreis - also in Deutschland - rekrutieren zu können.

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