Lebendige Lyrik im Ruller Haus "ottos mops" kotzt zu früh

Britta Habuch, Birgit Schophol und Iris Krüninger sind die Double B Gedichtbox. Am Sonntag performten sie im Ruller Haus. Foto: Markus StrothmannBritta Habuch, Birgit Schophol und Iris Krüninger sind die Double B Gedichtbox. Am Sonntag performten sie im Ruller Haus. Foto: Markus Strothmann

Wallenhorst. Eine Stunde voll mit Lyrik, kreativ umgesetzt und im Trio dargeboten: Das war der Auftritt der Double B Gedichtbox am Sonntag im Ruller Haus.

Die Double B Gedichtbox funktioniert so: Die Zuschauer erhalten Karten, darauf stehen Titel und Verfasser mehr oder weniger bekannter Gedichte. Wer eines davon hören möchte, meldet sich, und die drei Double B Damen bringen es zum Vortrag.

Da Britta Habuch, Birgit Schophol und Iris Krüninger für jedes Gedicht eine kleine Performance erarbeitet haben, verging die Zeit sehr schnell; nie wurden die Verse lediglich aufgesagt.

"Im Park" von Joachim Ringelnatz über einen Wanderer, der am frühen Morgen einem Reh aus Gips auf den Zahn fühlt, kam mit einer Miniatur der Szene auf einer Holzscheibe. Das dadaistische "What a b what a b what a beauty" begleiteten Double B mit Body Percussion, Ulla Hahns Gedicht "Anständiges Sonett" voller erotischer Anspielungen mit einem Seil als Requisite für das darstellende Spiel.

Fesselnde Darbietung

Nicht jedes Element funktionierte auf Anhieb. "ottos mops" von Ernst Jandl sollte das Publikum, aufgeteilt in zwei Gruppen, von Schildern ablesen. Diese waren allerdings nicht korrekt sortiert, sodass der Mops zu früh kotzte. Im zweiten Anlauf gelang es dann aber: "otto: ogottogott".

Längster und aufwendigster Teil dieser Gedichtbox war Goethes "Zauberlehrling", den das Trio schrubbend und waschend spielte, mit zunehmender Hektik bis zum erlösenden Erscheinen des Meisters. Ebenfalls vergleichsweise aufwendig ausgestattet mit projizierten Ranken: Jan Wagners "Giersch", dessen Zeilen am Schluss förmlich überwuchert sind von dem besungenen Unkraut.

Von Erich Kästner über Hilde Domin bis Mascha Kaléko von tragikomisch über sinnlich bis witzig: Die Stimmung wechselte im Minutentakt bei der Gedichtbox.

Angesichts des hohen Tempos war es taktisch klug von Habuch, Schophol und Krüninger, die Darbietung nach einer guten Stunde zu beenden: Bevor die rasche Abfolge verschiedenster Werke der Lyrik ermüdend werden konnte, war auch schon Schluss.

So blieben die Zuhörenden durchgängig gefesselt. Passend, dass Hans Adolf Halbeys "Pampelmusensalat" durch das Zufallsprinzip ans Ende rutschte: Rhythmisch aufgesagt nahm das lautmalerische Gedicht beinah Rap-Gestalt an und setzte als Finale einen musikalischen Akzent.


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