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Junger Litauer studiert in Osnabrück Betriebswirtschaft Kleidung kennt Mindaugas anfangs nur als Klamotten

Studiert BWL: Mindaugas Yla aus Litauen. Foto: LindemannStudiert BWL: Mindaugas Yla aus Litauen. Foto: Lindemann

Osnabrück. Vom Unterschied zwischen Umgangsdeutsch und Bildungsdeutsch kann Mindaugas Yla ein Liedchen singen. So wurde ihm in einer Arbeit das Wort Klamotten dick rot angestrichen. Der Begriff Kleidung war ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht untergekommen.

Mindaugas war 13, als er mit seiner Familie nach Osnabrück kam. Er saß in der Schule und verstand anfangs überhaupt nichts. „Ich weiß noch, dass der Lehrer einmal gesagt hat, dass am nächsten Tag die ersten beiden Stunden ausfallen. Ich war natürlich zur ersten Stunde da.“

Der 21-Jährige lacht bei der Erinnerung. „Er konnte aber auch früher über seine Fehler und Missverständnisse lachen“, sagt Deike Weckenbrock vom Verein zur pädagogischen Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK). Dort besuchte Mindaugas das Projekt „Sieben Plus“, um Deutsch zu lernen.

„Ich beschäftige mich lieber mit Zahlen als mit Worten“, grinst der junge Mann, dessen perfektes Deutsch heute nur noch von einem kleinen Akzent begleitet wird. Anfangs aber war Deutsch „mein Schwachpunkt“. Deutsch war aber die Verständigungssprache beim VPAK, wo niemand Litauisch sprach und spricht. Nach einem Jahr Höhere Handelsschule besuchte er die Fachoberschule. Heute studiert er an der Hochschule Osnabrück Betriebswirtschaft. Berufsziel: Wirtschaftsprüfer.

„Sieben Plus“ half ihm dabei, sein Deutsch zu perfektionieren, auch wenn er im Umgang mit den anderen Jugendlichen immer wieder Wörter lernte, „die man nicht in Arbeiten braucht“. Beim VPAK hat er Freundschaften geschlossen, die noch anhalten. Und bei Deike Weckenbrock und ihren Mitarbeitern konnte er nicht nur schulische, sondern auch private Probleme ansprechen.

So wie ihm einst geholfen wurde, hilft Mindaugas nun anderen jungen Migranten. Er arbeitet ehrenamtlich bei „Sieben Plus“ in den Fächern, die mit Zahlen zu tun haben. Und dann grinst er wieder: „Ich bin streng!“


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