Ärger wegen geklautem Witz Erfolgreicher Comedy-Marathon: die „Komische Nacht“

Einzige Frau während der 17. "Komischen Nacht": Andrea Volk im Filmtheater Hasetor. Foto: Gert WestdörpEinzige Frau während der 17. "Komischen Nacht": Andrea Volk im Filmtheater Hasetor. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Einmal mehr lockte die „Komische Nacht“ zahlreiche Zuschauer an: Neun Komödianten gaben sich in neun Locations der Stadt die Klinken in die Hand. Im ausverkauften Filmtheater Hasetor wurden die Erwartungen an ein heiteres Unterhaltungsprogramm allerdings nur bedingt erfüllt.

Viele Zuschauer denken, dass die schlechte Laune des Herrn Niels zum Programm gehört. Auch als der Künstler, der eine Mischung aus Pantomime, Clownerie und einer speziellen Form von Akrobatik darbietet, schon seine Bühnenutensilien zusammenpackt, glauben viele Zuschauer, dass Herr Niels schon bald mit seiner Show fortfährt. Aber dem ist nicht so. Mit einem genervten „Ich hab da keinen Bock drauf“ beendet er seine Show und geht. Was war geschehen?

Herr Niels war als einer von neun Comedians für die „Komische Nacht“ gebucht worden. Das Prinzip dieses Veranstaltungsformates ist es, dass man sich als Zuschauer für eine von neun Locations entscheidet: Grüner Jäger, Café Extrablatt, Lutherhaus, Kleine Freiheit, Blue Note, Haus der Jugend, Lagerhalle, Bar Celona oder halt Filmtheater Hasetor. Dort treten im 20-Minuten-Takt jeweils fünf verschiedene Komödianten auf. Jeder Künstler bekommt eine Route zugewiesen, die er mit seinem Techniker abgeht oder abfährt.

„Das war eng“, erzählte Herr Niels gleich zu Beginn seines Auftritts, denn nach eigener Aussage musste er den Weg vom Blue Note zum Hasetor zu Fuß zurücklegen. Des Weiteren wurde seine Stimmung offenbar nicht besser, als der Tontechniker die richtige Begleitmusik zu einem Sketch erst im dritten Anlauf fand. Anschließend musste der Künstler explizit darauf hinweisen, wie schwer es ist, sich an eine Theke zu lehnen, ohne dass da eine Theke ist. Erst dann wurde seine enorme Körperbeherrschung mit dem angemessenen Applaus bedacht.

Ein alter Scherz brachte schließlich das Fass zum überlaufen. „Was ist Mengenlehre? Wenn fünf Menschen in einen leeren Raum gehen und sieben herauskommen, dann müssen zwei wieder hineingehen, damit der Raum leer ist.“ Den Witz hatte Andrea Volk, die im Kino die „Komische Nacht“ eröffnet hatte, bereits gebracht – angeblich entgegen einer gemeinsamen Absprache. Daher musste das Publikum im Hasetorkino letztendlich auf den halben Auftritt von Herrn Niels verzichten.

Vollprofi Don Clarke nahm süffisant seinen Schmierbauch auf die Schippe. Foto: Gert Westdörp

Dabei hatte der Abend vergnüglich mit der Standup-Show von Frau Volk begonnen, die als einzige weibliche Komödiantin an dem Comedy-Marathon teilnahm. Sie erzählte aus ihrem Leben als Büroangestellte, die ihre Telefon-Warteschleife selbst singt. Die Stimmung steigerte sich, als der englische Profi-Comedian Don Clarke seinen dicken Bauch auf die Bühne schob. „Ja, ich habe zugenommen“, bekannte er sich und kokettierte höchst amüsant mit seinem Übergewicht. Nach dem folgenden Kurzauftritt von Herrn Niels wurde äußerst dankbar der noch sehr junge Tobias Rentzsch aus Paderborn begrüßt, der über sein „echtes“ Leben als Schornsteinfeger schwadronierte. Den Schlusspunkt setzte Toby Käp, der seine eigene Hörschädigung und seinen Sprachfehler schwarzhumorig zum Thema machte. Seine Darbietung sorgte allerdings dafür, dass das Publikum das Filmtheater Hasetor im Zustand leichter Betroffenheit verließ.

Und Herr Niels: Der hat sich offenbar auf dem Weg zum Haus der Jugend wieder beruhigt, denn dort absolvierte er sein Programm ganz „normal“.


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