Tarifverhandlungen Gewerkschaft stellt Piepenbrock bundesweit an den Pranger

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Osnabrück. Die Osnabrücker Piepenbrock-Gruppe spielt im bundesweiten Tarifstreit unfreiwillig eine herausragende Rolle: Die Gewerkschaft hat Piepenbrock als erstes Unternehmen an den digitalen Pranger wegen angeblicher Lohndrückerei gestellt. Piepenbrock weist die Vorwürfe zurück.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)  schaltete am Montagmorgen den "Dirty Job"-Online-Pranger scharf. Darauf veröffentlichte die Gewerkschaft einen Arbeitsvertrag aus dem Hause Piepenbrock, in dem die Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit im Vergleich zum alten Manteltarifvertrag deutlich reduziert, zum Teil halbiert sind.

Die Gewerkschaft will so „schwarze Schafe der Gebäudereiniger-Branche sichtbar machen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Ulrike Laux, im Bundesvorstand der IG BAU für den Bereich Gebäudereinigung zuständig, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Es wird höchste Zeit, den Trend zu stoppen. Unternehmen, die ihre Reinigungskräfte durch geänderte Arbeitsverträge schröpfen, dürfen auf dem Markt keine Chance mehr haben.“ Kunden dieser Firmen hätten ein Recht darauf, zu erfahren, wie von ihnen beauftragte Dienstleister ihre Beschäftigten behandelten.

Harter Tarifstreit

Hintergrund sind die aktuellen Tarifgespräche im Gebäudereiniger-Handwerk. Die sechste Verhandlungsrunde über einen neuen Rahmentarifvertrag ist in der vergangenen Woche ergebnislos geblieben. Der Rahmentarifvertrag ist von Arbeitgeberseite zum 31. Juli gekündigt worden. Der Vertrag wirkt aber für alle Beschäftigten nach, die vor dem 31. Juli in der Branche beschäftigt waren. Die Gewerkschaft wirft den Firmen vor, den tariflosen Zustand auszunutzen. Bundesweit drängten Unternehmer Mitarbeiter dazu, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben. Wer darauf eingehe, verliere Zuschläge oder Urlaubstage.

Marktführer Piepenbrock wird als schlechtes Beispiel an den Pranger gestellt. 6000 der insgesamt 24.000 Beschäftigten sollen nach Gewerkschaftsangaben Arbeitsverträge mit schlechteren Bedingungen erhalten haben.

Die IG BAU veröffentlicht im Internet den Arbeitsvertrag eines 32-jährigen Gebäudereinigers, dem Piepenbrock deutliche Abstriche bei Zuschlägen aufs Auge gedrückt haben soll – und zwar im Juli, als der bisherige Rahmentarifvertrag noch gültig war, wie die Gewerkschaft versichert. So hat sich nach Angaben der IG Bau der Zuschlag für Nachtarbeit, die über die regelmäßige Arbeitszeit hinausgeht, bei dem Gebäudereiniger halbiert. Auch das Extra-Geld für Sonntagsarbeit ist von 100 auf 50 Prozent geschrumpft. Der Arbeitsvertrag enthält keine Angaben zum Urlaubsanspruch. Damit gilt der gesetzliche Urlaubsanspruch von 20 Tagen. Der alte Rahmentarifvertrag sieht 28 Tage im ersten Beschäftigungsjahr und 30 Tage danach vor. „Piepenbrock diktiert seine eigenen Tarifregeln nach Gutsherrenart“, sagt Ulrike Laux.

Piepenbrock: Verträge werden nicht geändert

Piepenbrock weist die Vorwürfe zurück. Es würden bei Piepenbrock keine bestehenden Arbeitsverträge verändert. "Für bestehende und über den 31. Juli 2019 hinaus laufende Arbeitsverträge wendet Piepenbrock aufgrund der Nachwirkung des gekündigten Rahmentarifvertrags weiterhin die tarifvertraglichen Regelungen an", heißt es in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion. 

Anders ist es für Beschäftigte, die ab dem 1. August beim Osnabrücker Gebäudereiniger arbeiten oder deren befristeten Arbeitsverträge Ende Juli ausliefen. Da es seit dem 1. August keinen gültigen Manteltarif gebe, wende Piepenbrock die gesetzlichen Grundlagen an, teilte das Unternehmen mit. Sobald ein neuer Rahmentarifvertrag abgeschlossen und für allgemeinverbindlich erklärt sei, werde Piepenbrock auch bei den ab August geschlossenen Arbeitsverträgen den Rahmentarif anwenden. Das gelte auch rückwirkend, wenn der Rahmentarif das so vorsehe.

Der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, Johannes Bungart, wirft der Gewerkschaft "Dreckschleuderei" und "scheinheilige Propaganda" vor. die IG Bau sollte lieber an den Verhandlungstisch zurückkehren.

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