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Von 1906 bis 1944 hatte die IHK ihren Sitz an der Schlagvorder Straße Löwen zierten alte Handelskammer

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Osnabrück. In der Gründerzeit nahmen Industrie und Handel auch in Osnabrück einen rasanten Aufschwung. Firmen und Verwaltungen, Banken und Hotels legten sich repräsentative Gebäude zu, die die Möserstraße zwischen dem 1895 eröffneten „Central-Bahnhof“ und dem alten Stadtzentrum säumten. Die Handelskammer als Interessenvertretung der Wirtschaftsbetriebe durfte da nicht fehlen. Sie bezog 1906 ein stattliches Anwesen an der Schlagvorder Straße 17, Ecke Möserstraße.

Da bestand die Handelskammer schon 40 Jahre. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1866 zurück, als Preußen sich das Königreich Hannover und damit auch Osnabrück einverleibte. Erster Präsident war der Branntwein-Produzent Carl Gosling. Wenn die gewählten Firmenvertreter zusammenkamen, um gemeinsame Anliegen zu beraten, mussten die Sitzungen „in hiesigen Clubs oder im Wirtshause stattfinden“, wie es in der IHK-Chronik heißt.

Nachdem die in gewisser Weise konkurrierende Handwerkskammer sich 1902 prächtig an der Möserstraße/ Ecke Wittekindstraße niedergelassen hatte, beschloss die Vollversammlung der Handelskammer zwei Jahre später, das Eckgrundstück gegenüber dem Goetheplatz für 20000 Mark von der Königlichen Domänenverwaltung zu kaufen. Die Lage des Grundstücks wurde als ideal angesehen, da die Kammer sowohl für Bahnreisende als auch für das Publikum aus der Stadtmitte auf etwa gleich kurzem Wege erreichbar war. Architekt Majewski lieferte den Gesamtentwurf. Seine Fassade war den Gremien jedoch zu schlicht. Architekt Hubert Holtmann aus Münster wurde hinzugezogen. Von ihm stammt die ausgeführte Fassung, die wie eine fröhliche Ansammlung von Stilelementen aus dem Katalog des Historismus daherkommt. Materialauswahl und Bauausführung wurden höchste Qualität bescheinigt.

Der Eckbalkon im vierten Geschoss wird von zwei Löwenreliefs flankiert. Ein identischer geflügelter Löwe lag bis in die 1990er-Jahre unbeachtet neben einem Werkstattgebäude der Firma Klöckner Durilit am Piesberg. Keiner wusste etwas mit ihm anzufangen. Bis der Leiter des Museums Industriekultur, Rolf Spilker, beim Studium früher Aufnahmen des Fotografen Rudolf Lichtenberg entdeckte, dass ebensolche Löwen das Handelskammer-Gebäude verziert hatten. Spilker hält es für unwahrscheinlich, dass der Piesberg-Löwe ein Original-Bestandteil der Handelskammer-Fassade ist. Die Handelskammer (seit 1924: Industrie- und Handelskammer) wurde bei einem Luftangriff am 13. September 1944 total zerstört. Der Trümmerschutt sei nicht auf erhaltenswerte Architekturteile untersucht, sondern mehr oder weniger unbesehen in die Tonkuhle nach Hellern abgefahren worden. Spilker vermutet, dass die Figur aus Durilit, einem mit Bindemitteln versetzten gemahlenen Gestein, mehrfach gefertigt wurde. Das aufgefundene Exemplar des Kunststein-Löwen ist im Haseschachtgebäude des Industriemuseums ausgestellt.

1947 gab es Pläne, die IHK an alter Stelle neu zu bauen. Daraus wurde jedoch nichts. Die Stadt hatte schon damals einen Haseuferweg oder eine „Hasepromenade“, wie es damals hieß, vorgesehen. Das verbleibende Grundstück erschien nicht groß genug. 1954 bezog die IHK ihren Neubau am Neuen Graben.


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