Telefonabzocke von Senioren Sechs Jahre Gefängnis für falschen Polizisten

Insbesondere Senioren setzten die falschen Polizisten mit ihrer Masche unter Druck. Foto: Sebastian Gollnow/dpaInsbesondere Senioren setzten die falschen Polizisten mit ihrer Masche unter Druck. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Sebastian Gollnow

Osnabrück. Der Prozess um den Betrug an Senioren durch ein türkisches Callcenter ist jetzt vor dem Osnabrücker Landgericht zu Ende gegangen. Die 18. Große Strafkammer verurteilte den 32-jährigen Angeklagten zu sechs Jahren Haft.

Nach Ansicht der Richter und Schöffen hatte sich der deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in acht Fällen, davon in zwei Fällen im Versuch schuldig gemacht. Nach der Beweisaufnahme sah es die Kammer als erwiesen an, dass der Angeklagte als Teil einer Bande von der Türkei aus an Betrugstaten zulasten älterer Menschen in Deutschland mitgewirkt hatte.

Bedrohungsszenarien vorgegaukelt

Dabei gaben sich die Bandenmitglieder bei Anrufen aus einem speziell für die Taten eingerichteten Call Center in Istanbul meist als Polizeibeamte aus. In den Gesprächen setzten die falschen Ordnungshüter ältere Menschen in ganz Deutschland, darunter auch in Schüttorf und Osnabrück, mit unterschiedlichen Bedrohungsszenarien unter Druck. Häufig wurde den Angerufenen vorgegaukelt, rumänische Diebe hätten sie im Visier. Ziel war es, die Angerufenen zur Übergabe von Wertgegenständen und Bargeld an Kuriere der Bande zu bewegen, damit die „Polizei“ diese sicher verwahren könne.

Angeklagter war Mittelsmann 

Der Angeklagte tätigte auch selbst Anrufe, bei denen in sechs Fällen tatsächlich Geld oder Wertgegenstände in die Hände von sogenannten Logistikern und Kurieren der Bande in Deutschland gelangte. Nach Überzeugung der Kammer hatte der Angeklagte zudem eine erhebliche Rolle für das Funktionieren des Bandensystems gespielt. So hielt er den Kontakt zwischen den Hintermännern in der Türkei, die in Deutschland bereits per Haftbefehl gesucht wurden, und den Logistikern, die in Deutschland die Abholung der Beute organisierten.

Kein minderschwerer Fall

Als minderschweren Fall wollte das Gericht die Taten nicht werten. Bei der Zumessung der Strafe berücksichtigte die Kammer zwar, dass der 32-Jährige nicht vorbestraft war und sein Geständnis das Verfahren abgekürzt hatte. Strafverschärfend wirkten allerdings die Auswirkungen der Taten auf die betroffenen älteren Menschen an. Sie verloren nicht nur erhebliche Vermögensbestände, sondern wurden tagelang fast rund um die Uhr unter Druck gesetzt. Das führte bei ihnen zu andauernden Angstgefühlen und zu einem erheblichen Vertrauensverlust.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte, sein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft können es mit der Revision zum Bundesgerichtshof angreifen.


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