Amarcord bei Musica Viva Zwischen Schlichtheit und Klamauk

Ausgeglichen mit vollem Klang: Fünf ehemalige Thomaner-Chor-Knaben bilden das Ensemble Amarcord. Foto: Thomas OsterfeldAusgeglichen mit vollem Klang: Fünf ehemalige Thomaner-Chor-Knaben bilden das Ensemble Amarcord. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. In der Bergkirche war am Sonntag mit Amarcord eines der führenden deutschen Vokalensembles zu Gast.

Eine klare Tenorstimme über einem Liegeton, irgendwo hinten in der Ecke. Dann ein Bass, schließlich beide gemeinsam. Der Tenor entschwebt bruchlos ins Alt-Register. Ein höchst eindrucksvoller Beginn, den das Leipziger Vokalensemble Amarcord da mit Musik aus dem 14. Jahrhundert in der Bergkirche hinlegt.

Die fünf Sänger haben für den ersten Teil ihres Programms den Notenschrank der Thomaner geplündert, des Knabenchores, dem sie alle irgendwann einmal angehört haben. Sehr schlicht, ungeheuer stimmig intoniert und in perfekter Ausgewogenheit präsentieren sie einen Strauß geistlicher Klänge auf deutsch und Latein. Sehr sanft klingen die Stimmen häufig, können sich aber auch zu großer Kraft steigern. Einigermaßen dominierend im Klang ist Wolfram Lattke, im Programm als Tenor ausgewiesen, tatsächlich aber meist als Altus zu hören. Leider hat das Publikum keine Texte bzw. Übersetzungen. Bei deutschen, homophon gesetzten Texten ist das kein Problem, die versteht man auch so.

Im zweiten Teil präsentiert Amarcord weltliche italienische Werke, also Madrigale und heitere Vilanellen. Über den Inhalt der Texte informieren die Sänger nun in recht ausführlichen Moderationen. Neu sind auch die extrem ausgereizten dynamischen Kontraste. Überhaupt ist der Vortrag hier ganz und gar nicht mehr schlicht, sondern im Gegenteil frech und ausgelassen, teils gar regelrecht klamaukig. Die Vorlagen selbst enthalten schon so manche Albernheit, doch Amarcord setzt dann voller Übermut regelmäßig noch eins drauf. Andererseits gibt es auch in dieser zweiten Konzerthälfte üppig blühende Klänge: Die Petrarca-Vertonung „Mia benigna fortuna“ von Giaches de Wert ist kurz vor Schluss ein wunderschöner Höhepunkt im Programm.


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