„Falstaff“-Premiere am Theater Osnabrück Die ganze Welt ist ein Spiel

Seinen Falstaff gibt Rhys Jenkins souverän und kraftvoll. Foto: Jörg LandsbergSeinen Falstaff gibt Rhys Jenkins souverän und kraftvoll. Foto: Jörg Landsberg

Osnabrück. Mit Giuseppe Verdis „Falstaff“ in der turbulenten Inszenierung von Adriana Altaras startet das Musiktheater in die neue Spielzeit.

Gleich bei den ersten Noten – Verdi pfeffert sein Publikum ja unmittelbar ins Geschehen – liegt Falstaff im schmuddeligen T-shirt im Hotelbett, allerdings mit breiter, ordenbehängter Schärpe: Falstaff der Gewaltige, nur vielleicht ein bisschen verwahrlost. Das Zimmer ist unordentlich und heruntergekommen, und in diesem ranzigen Hotel (Bühne: Etienne Pluss und Sybille Pfeiffer) findet die gesamte Handlung statt: Die Szenen im Wirtshaus zum Hosenband, in denen Falstaff sich überlegt, zwei Frauen mit gleich lautenden Liebesbriefen zu bezirzen und vor allem um ihr Geld zu erleichtern, die Szenen bei Familie Ford, wo Falstaff das erste Mal so richtig schön hereingelegt wird, und selbst das letzte Bild, in dem Falstaff und alle übrigen Männer von den „lustigen Weibern von Windsor“ nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumgeführt werden und das eigentlich im Wald spielt.

Die ganze Welt ist ein Spaß, ein Spiel. So singt es Falstaff nach dieser für ihn völlig misslungenen Intrige ganz am Ende von Verdis Oper, mit der die neue Spielzeit nun auch im Musiktheater begonnen hat, und mit ihm singen es die anderen acht Figuren, in einer, so der Komponist, „komischen Fuge“.

Ein Spiel also, und Verdi stellte sich darin singende Schauspieler vor. Nun ja, ohne solide Gesangsausbildung könnte im Falstaff niemand bestehen, aber stimmlich brillieren können Sänger in dieser Komödie tatsächlich weniger als anderswo. Große Arien gibt es nicht, für den Zuhörer also auch nichts zum mitschmachten oder nachsummen. Dennoch wird man bestens unterhalten, Langeweile kommt in der turbulenten Inszenierung von Regisseurin Adriana Altaras gewiss nicht auf.

Wie beinahe alle großen, männlichen Titelrollen in den letzten Jahren singt Rhys Jenkins den Falstaff, und wie immer tut er das souverän und kraftvoll. Ganz nach Verdis Willen muss man auch seine schauspielerische Leistung anerkennen. Unerschütterliches Selbstbewusstsein und später gekränkter Stolz: Wunderbar dargestellt. Doch ein witziger Höhepunkt des Abends ist es zweifellos, wenn Rhys Jenkins im Kilt (Kostüme: Nina Lepilina) zum putzigen Tanz ansetzt.

Neben ihm spielt und singt vor allem Jan Friedrich Eggers einen vor Eifersucht rasenden Mr. Ford – er wird aber auch von Falstaff zu schön verspottet. Besonders an dieser Stelle tobt auch das Osnabrücker Symphonierorchester, das unter der Führung von GMD Andreas Hotz überhaupt den ganzen Abend knackig und mit viel Tempo trägt.

Die Frauenrollen in dieser Produktion sind mit größtenteils bei uns noch unbekannten Sängerinnen besetzt, Jessica Rose Cambio und Nana Dzidziguri singen als Gäste, Olga Privalova ist neu im Ensemble. Was sie stimmlich zu bieten hat, lässt die Rolle der Meg höchstens erahnen, es wird sich wohl so recht erst später zeigen, in anderen Rollen. Als Intrigen spinnendes Trio sind die Damen jedenfalls spitze. Die Nanetta hingegen ist schon bestens bekannt beim Osnabrücker Publikum, und in dieser Rolle darf Erika Simons ganz am Schluss immerhin in einem etwas größeren Solo glänzen, das sie schön sanft und schlicht singt.

Und dann ist da noch Andreas Schön, der Hüne aus dem Opernchor. Er hat hier die stumme Rolle des Wirtes, und als Running Gag schickt ihn Regisseurin Adriana Altaras vor jedem Bild mit kleinen, stummen Solo-Auftritten vor den geschlossenen Vorhang. Die spielt er wirklich komisch und bekommt den einzigen Szenenapplaus des Abends.


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