Figurentheater auf neuen Wegen Galaabend leitet 30. Geburtstags des Figurentheaters Osnabrück ein

Er vernetzt sich mit der Figurentheater-Szene: Florian Rzepkowski, der neue Leiter in der Alten Fuhrhalterei. Foto: Gert WestdörpEr vernetzt sich mit der Figurentheater-Szene: Florian Rzepkowski, der neue Leiter in der Alten Fuhrhalterei. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Mit einem Galaabend für geladene Gäste, einer schrägen "Lecture Performance" und einem Gespräch über die Zukunft des Figurentheaters wurde am Freitag der 30. Geburtstag des Osnabrücker Figurentheaters in der Alten Fuhrhalterei eingeläutet.

So drastisch wird wohl selten eine Geburtstagsfeier eingeleitet: Ein großes, weißes Krokodil kommt in den Bühnenraum gestapft, würgt einen Stoffbanner auf den Boden und wird kurz darauf vom eigenen Puppenspieler erschossen. Der schält sich aus dem Ganzkörperkostüm und hat den ersten Beweis seiner These erbracht: "Puppen sterben besser." 

Diese "Lecture Performance" von Florian Feisel, seines Zeichens Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, leitete am Freitag den "Galaabend zum 30. Geburtstag" des Osnabrücker Figurentheaters in der Alten Fuhrhalterei ein. Neben dem Erlegen des Krokodils brachte Feisel eine mit Gas gefüllte Baufolie zum Schweben, versuchte die Zeit mit Abreißkalendern einzufangen oder ließ einer morbiden Marionette die (Lebens-)Fäden abschneiden. 

Dinge begreifen, die man nicht begreifen kann, darum ging es ihm mit seiner Performance. Und darum, dass Puppen besser sterben, weil sie eben nur durch das Spiel mit der Illusion zum Leben erweckt werden.  

Eine These, die Theaterleiter Florian Rzepkowski sicher unterschreiben würde. Unter der Moderation von Sebastian Bracke (Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt Osnabrück) unterhielt sich Rzepkowski mit seiner Kollegin Katja Spiess vom Stuttgarter Figurentheater "Fitz" über alte und neue Wege des Figurentheaters. Wie kann etwa der Generationswechsels gelingen? Indem man neugierig aufeinander zugehen, offen bleibe für das, was kommt, riet Katja Spiess, die am "Fitz" den Generationswechsel bereits durchlaufen hat. Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren könnten wiederum durch neue Themen wie "künstliche Intelligenz" oder Robotik angesprochen werden. Florian Rzepkowski thematisierte zudem die finanziellen Schwierigkeiten, das immer neue Beantragen von Fördermitteln für kleinerer Projekte. 

Für das Osnabrücker Figurentheater setzt er verstärkt auf Kooperationen mit Institutionen wie der Städtischen Kunst- und Musikschule, dem Fachbereich "Textiles Gestalten" der Universität Osnabrück oder auf sein soziokulturelles Projekt "Theater für alle". Was er sich für das Osnabrücker Figurentheater wünschen würde? Florian Rzepkowski ist ehrlich: "Mehr Geld." Und: "Gehen Sie ruhig raus, machen Sie Werbung für uns."      


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