Aufräumen mit Vorurteilen Geflüchtete räumen rund um den Osnabrücker Rosenplatz auf

Zusammen räumten Geflüchtete, „Omas gegen Rechts“ und Mitarbeiter des Café Mandela das Gebiet von der Johannisstraße bis zum Rosenplatz auf. Foto: Michael GründelZusammen räumten Geflüchtete, „Omas gegen Rechts“ und Mitarbeiter des Café Mandela das Gebiet von der Johannisstraße bis zum Rosenplatz auf. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Etwa 60 Geflüchtete und Deutsche säuberten am Samstagnachmittag das Gebiet vom Osnabrücker Rosenplatz bis zur Johanniskirche. Die Idee zu der Aktion hatte der Sudanese Ahmed Kgoo, und zwar aus einem Grund, der ihn wütend machte.

Von weitem sah die Gruppe aus wie eine Gruppe Fußballfans. Die meisten Aufräumer trugen weiße T-Shirts, einer hatte einen schwarz-gelben Schal um seinen Hals gebunden und bei zwei von ihnen wehte eine Flagge in den Farben grün, weiß, schwarz und rot über den Rücken. Bei genauem Hinsehen war zu erkennen, dass auf den Rückseiten der T-Shirts das Wort „Diakonie“ stand und die Menschen Müllbeutel und Greifer in den Händen trugen.

Im Rosenplatz-Viertel leben Menschen aus etlichen Nationen zusammen. Einige von ihnen treffen sich im von der Diakonie betriebenen Café Mandela an der Johannisstraße. Dort wurde die Aufräumaktion von einer Gruppe junger Sudanesen und dem Verein „Omas gegen Rechts“ koordiniert. Initiiert wurde sie von Ahmed Kgoo.

Empörung über Vorurteil

Der 29-jährige Sudanese erzählte, er sei mal auf der Straße von jemandem angesprochen worden, der von ihm Marihuana kaufen wollte. „Ich habe ihn gefragt, warum er glaubt, dass ich mit Drogen handeln soll“, berichtet Kgoo weiter. Ihm sei gesagt worden, alle Afrikaner verkaufen doch Drogen. „Das hat mich sauer gemacht“, sagte der Krankenpfleger und die Empörung schwang immer noch in seiner Stimme mit.

Mit der Aufräumaktion habe er zeigen wollen, dass Afrikaner per se keine Drogenhändler seien, sondern Teile der Gesellschaft, sagte Kgoo weiter. „Wir wollen ein positives Bild von Afrikanern zeigen.“ Seine Idee habe er schließlich im Café Mandela vorgetragen und weitere Mitstreiter gefunden. Auch die „Omas gegen Rechts“ schlossen sich an. „Es war selbstverständlich, dass wir uns solidarisieren“, so „Oma“ Ortrun Niethammer. Sie berichtete, dass der Verein demnächst umzieht, weil das Café Mandela zu klein geworden sei. Das nächste Treffen findet am 23. Oktober um 18 Uhr im Haus der Jugend statt.

Unterstützung aus der Stadt

Auch vom Café Mandela selbst und weiteren Geflüchteten aus Syrien oder dem Irak bekam die Gruppe Unterstützung. Mandela-Einrichtungsleiter Hubert Reise übernahm die Anrufe bei der Stadt und beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). Er bekam grünes Licht und Müllgreifer.

Nach etwa eineinhalb Stunden war die Aufräumaktion am Samstag beendet. Während der Arbeit hätten die Teilnehmer viel Zuspruch von Passanten erfahren, berichteten die Geflüchteten. Dabei war es für sie „normal“, wie Abbas Fadul sagte: „Das ist Teil der sudanesischen Kultur. Bei uns säubern wir zusammen unsere Stadtviertel.“ Diakonie-Geschäftsführerin Christiane Mollenhauer freute sich darüber, dass die Männer die afrikanische Tradition hier fortführen. Und wenn es nach Ahmed Kgoo geht, soll es nicht das letzte Mal gewesen sein. Er wolle mit seinen Landsleuten einen Verein gründen, der „sudanesisches Haus“ heißen soll. Ein monatlicher Aufräumtag wäre dann fester Bestandteil der Vereinsarbeit, sagte er.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN