Attraktiv durch bessere Ausbildung Sozialministerin Carola Reimann besucht die BBS Haste

Mit Schülern der BBS Haste diskutierte die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann, als sie die Schule am Freitag besuchte. Foto: Gert WestdörpMit Schülern der BBS Haste diskutierte die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann, als sie die Schule am Freitag besuchte. Foto: Gert Westdörp
Gert Westdörp

Osnabrück. In den Berufsbildenden Schulen (BBS) Haste informierte sich die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) am Freitag über den Stand der Ausbildungen angehender Pflegefachkräfte. Sie hatte auch einen Rat für die Schüler, wie sie die Vergütung in ihrem späteren Beruf besser gestalten können.

Mit der so genannten generalistischen Pflegeausbildung soll der Pflegeberuf interessanter gemacht werden. Ab dem nächsten Schuljahr wird sie in Bersenbrück, Melle und Osnabrück angeboten. Sie vereint die Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. „Dadurch wird der Pflegeberuf attraktiver. Unsere Aufgabe ist es nun, Menschen zu finden, die diesen Beruf erlenen wollen“, sagte die Erste Kreisrätin des Landkreises, Bärbel Rosensträter (parteilos), die sich ebenfalls in der BBS Haste informierte.

Die Ministerin wies daraufhin, dass der Fachkräftemangel bei der Pflege besonders gravierend sei, da die Gruppe derjenigen, die in diesen Berufsbereich wollen, kleiner, aber die Zahl derjenigen, die Pflege benötigen, größer wird. Laut Rosensträter fehlen bis 2024 etwa 300 Vollzeitkräfte in der Pflege. Zurzeit leben 15000 pflegebedürftige Menschen im Landkreis Osnabrück, sagte sie.

Auf dem Weg zum Kompetenzzentrum

„Die angehenden Pflegekräfte müssen umfassender ausgebildet werden“, sagte Reimann mit Blick auf zunehmende Demenz-Erkrankungen. Daher sei es sinnvoll, die Alten- und Krankenpflege zusammen zu legen. Deutlich wurde dies an einem Schulungsraum in der BBS Haste, wo neben einem Pflegebett auch eine Küche und ein Bad vorhanden waren. Da die Schule sich laut deren Leiter Peter Befeldt als „Regionales Kompetenzzentrum Humandienstleistungen“ sehe, werden dort auch Disziplinen wie Hauswirtschaft unterrichtet.

Erwin Schröder und Dr. Martina Otto-Schindler von der Landesschulbehörde beobachten den Weg der BBS Haste und sehen sie ebenfalls auf dem Weg zu einem regionalen Kompetenzzentrum. Es solle aber keinesfalls eine Konkurrenzsituation zwischen den Schulen in Bersenbrück und Melle oder den privaten Anbietern entstehen, betonten sie. „Die Herausforderungen sind so groß, dass wir alle in einem Boot haben müssen“, so Rosensträter.

Alle Wohlfahrtsverbände, Krankenkassen und private Einrichtungen aus dem Bereich Pflege sollten sich an einen Tisch setzen, um Tarife auszuhandeln, die allgemein verbindlich sind, sagte Reimann. Dass in Niedersachsen weniger bezahlt werde als in anderen Bundesländern, möchte die Sozialministerin, die seit etwa zwei Jahren im Amt ist, schnell ändern. Sie forderte aber auch Pflegeeinrichtungen auf, bei den Kassen die Gelder einzufordern, die ihnen zustehen. Das würde oftmals nicht passieren.

Reimann: Ausbildung ist attraktiver geworden

Durch das 2018 in Kraft getretene Pflegeberufergesetz sei die Ausbildung attraktiver geworden, sagte Reimann. Das Gesetzesreform sichere eine gemeinsame Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern und eine Vergütung, so die Ministerin. Es muss auch kein Schulgeld mehr bezahlt werden.

Bei ihrem Rundgang durch die BBS Haste traf der hohe Besuch natürlich auch auf Schüler. Die angehenden Heilerziehungspfleger im zweiten Ausbildungsjahr waren durchweg zufrieden mit ihrer dualen Ausbildung und ihrer Berufswahl, erzählten sie. Ein Schüler sagte, dass die Auszubildenden die gleichen Charaktereigenschaften hätten, bei denen vor allem Empathie hervorsticht. Einige Schüler klagten darüber, dass sie in den Betrieben, in denen sie arbeiten, schon voll mit eingespannt werden und Verantwortung übernehmen müssten wie Kollegen, die dort in Vollzeit arbeiten. Eine Schülerin fragte die Ministerin, warum die Bezahlung in Niedersachsen schlechter sei als anderswo. Die antwortete, dass hier in der Vergangenheit Verträge abgeschlossen wurden, die unter dem Tarif liegen. Es gebe auch keine organisierten Arbeitgebervertretungen oder Gewerkschaften in der Pflegebranche. Riemann riet den Schülern, sich zu organisieren.

Im Sommer habe Riemann die „Konzertierte Aktion Pflege Niedersachsen“ mit Wohlfahrtsverbänden, Krankenkassen, Kommunalen Spitzenverbänden und privaten Pflegeanbietern gestartet, berichtete sie den Schülern. Gemeinsam wollen sie die Situation in der Pflege in Niedersachsen verbessern. Die Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen, so die Ministerin. „Und dann geht es nicht nur um Geld.“


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