Regisseurin Adriana Altaras über „Falstaff“ „Der Himmel auf Erden“

Arbeitet sich am Humor und dem Musik-Strom von Verdis Falstaff ab: Adriana Altaras spricht im Regiegespräch im Theater Osnabrück über "eine wunderbare Herausforderung". Foto: Jörn MartensArbeitet sich am Humor und dem Musik-Strom von Verdis Falstaff ab: Adriana Altaras spricht im Regiegespräch im Theater Osnabrück über "eine wunderbare Herausforderung". Foto: Jörn Martens
Jörn Martens

Osnabrück. Im Gespräch gewährt Regisseurin Adriana Altaras einen Einblick in ihre Gedanken zu ihrer „Falstaff“-Inszenierung am Osnabrücker Theater, die am Samstag Premiere hat.

„Heute bin ich am Rhein entlang gefahren, und Falstaff ist ein bisschen wie der Rhein: Es fließt so durch.“ Regisseurin Adriana Altaras will mit diesem Vergleich vermutlich keine deutsche Romantik in Verdis letzter Oper andeuten, doch ein breiter, unaufhaltsamer Strom scheint seine Musik für sie zu sein. Sie habe zum Beispiel lange überlegen müssen, wo sich überhaupt die Pause einbauen lasse.

Humor ist eine komplizierte Sache

Nun ist der Falstaff eine Komödie. Zwar nicht so eindeutig auf Witz ausgelegt wie Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, die den selben Shakespeare-Stoff behandelt, meint Adriana Altaras, aber dafür musikalisch um so innovativer. „Humor ist ein schwieriges Fach“, sagt die Regisseurin, „aber mein Steckenpferd. Ich arbeite mich daran ab. Das ist eine komplizierte Sache, wie Humor geht.“ Die Figur Falstaff zum Beispiel könne leicht etwas platt wirken. Adriana Altaras überlegt: „Wie schaffe ich es, dass er nicht platt wirkt, dass ich ihn mag, dass er ein Mensch wird, den ich wiedererkenne in meinem Freundeskreis?“ Für Adriana Altaras offenbar eine wunderbare Herausforderung: „Ich wollte das immer schon machen. Weil ich Verdi liebe, und dann was Komisches von Verdi, das ist der Himmel auf Erden.“

Man bewundere Verdi häufig für dieses überraschende Alterswerk, meint die Regisseurin. „Er hat sehr viel Altersklugheit. Man merkt, Verdi weiß, wovon er schreibt, er kennt Männer und Frauen in einem bestimmten Alter. Eigentlich müsste man das komplett mit 60 bis 80-jährigen inszenieren. Im Altersheim wäre perfekt.“

Altersklugheit eines Heruntergekommenen

Das hat sie aber dann doch nicht getan, ihre Osnabrücker Darsteller sind eben zu jung. „Wir haben ein etwas heruntergekommenes Hotel für einen etwas heruntergekommenen, ältlichen Mann“, erklärt sie ihre Bühne. Adriana Altaras denkt kurz nach und meint dann: „Heruntergekommen – ich will jetzt nicht sagen, ein bisschen wie Osnabrück, aber ein bisschen wie Deutschland.“ Das erklärt sie mit ihren Erfahrungen als häufiger Fahrgast in der Bahn. „Das Heruntergekommene ist mir sehr nahe, das gehört zu unserer Zeit.“

Adriana Altaras erzählt, sie habe immer schon Opern gehört, ihr Vater sei ein großer Opernliebhaber gewesen und die Arena di Verona kenne sie aus ihrer Kindheit. Dass man wegen der Musik, die man als Regisseurin nicht verändern kann, weniger flexibel ist als im Schauspiel, empfindet sie als Vorteil: „Ich mag das Korsett, denn ich habe eigentlich eher zu viel Fantasie als zu wenig.“ Ziemlich ketzerisch meint sie, die Oper habe einen Vorteil gegenüber dem Schauspiel: Wenn die Inszenierung schlecht sei, könne man ja die Augen schließen, denn es gebe ja die Musik. Sie behauptet: „In Bayreuth machen die meisten Menschen die Augen zu!“

Am Ende des Gesprächs kommt Adriana Altaras auf grundsätzliche Überlegungen: „Ich kriege oft Opern angeboten, die alle schon gemacht haben. Und da fragst du dich ja, was soll ich denn jetzt noch hinzufügen, was nicht schon gesagt worden ist? Ich bin nicht jemand, der was ganz Neues drauf stülpt, der sagt: Falstaff ist ’ne Frau. Wow, Gender! Ich möchte, dass die Leute sich mit Verstand und Seele amüsieren.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN