Dekoration der Stille Han Tol und Nigel North bei Musica Viva in Wallenhorst

Mit Laute und Blockflöte gaben Nigel North (links) und Han Tol in der Alten Alexanderkirche in Wallenhorst ein Musica Viva-Konzert der sanften, alten Klänge. Foto: Andre HavergoMit Laute und Blockflöte gaben Nigel North (links) und Han Tol in der Alten Alexanderkirche in Wallenhorst ein Musica Viva-Konzert der sanften, alten Klänge. Foto: Andre Havergo

Wallenhorst. Han Tol, Blockflöte, und Nigel North, Laute, spielten in der alten Alexanderkirche Wallenhorst ein stimmungsvolles Konzert mit zarten, aber ausdrucksvollen Klängen.

Sein erster Auftritt ist kurz: Han Tol betritt die Kirche, verbeugt sich und geht wieder ab. Er hat seine Flöten in der Sakristei vergessen. Danach geht jedoch alles ohne weitere Zwischenfälle. „Una suave Melodia“ heißt das Programm, dass der Blockflötist Han Tol und der Lautenist Nigel North bei Musica Viva spielen, doch tatsächlich ist es ein Abend mit jeder Menge sanfter Melodien. Die Komponisten sind oft kaum bekannt, Marco Uccelini zum Beispiel, Nicolo Corradini oder ein gewisser T. Preston. Von ihm spielen die beiden eine Ground „Upon La Re Mi“, ein höchst eigenartiges Stück: Die Sopranblockflöte klagt wunderbar zu einer sehr minimalistischen Begleitung der Laute. Überhaupt nutzt Han Tol für klagende Klänge gerne Flöten in Sopranlage, die Altflöten meist für virtuosere Stücke.

Musik ist kein "Chilli con carne"

Nigel North spielt die Laute in seiner überaus ruhigen Art, geradezu expressiv schweben darüber Han Tols Flötentöne. Diese zarten Klänge in der kleinen, uralten und von zahlreichen Kerzen erhellten Alexanderkirche in Wallenhorst, das ist auf jeden Fall sehr stimmungsvoll. Kaum ein Wort wird dabei gesprochen, nur zwei mal äußerst sich Han Tol, erklärt etwa die zerbrechlichen Klänge zur Dekoration der Stille, die in der Renaissance als schönste Musik betrachtet worden sei. Außerdem betont er, Musik sei „nicht immer die gleiche Chili con carne“, was wohl heißen soll, dass sie kein Standardrezept hat. Man könne sie eigentlich auch nicht aufnehmen, denn sie entstehe im Moment, immer wieder neu.

Man ahnt an diesem Abend ganz gut, was er damit meint. Viele Kompositionen sind sehr schlicht gehalten, einfache Melodien, die nach und nach variiert und verziert werden. Der Eindruck großer Freiheit stellt sich dabei ein.


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