100 Jahre Konservatorium Musik- und Kunstschule sowie IfM feiern Jubiläum

Engagieren sich für eine lebendige Musikausbildung: Sigrid Neugebauer-Schettler und Sascha Wienhausen. Foto: Swaantje HehmannEngagieren sich für eine lebendige Musikausbildung: Sigrid Neugebauer-Schettler und Sascha Wienhausen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Vor 100 Jahren wurde in Osnabrück das städtische Konservatorium gegründet. Warum es heute nicht mehr so heißt und warum es trotzdem Jubiläum feiern kann, verrieten Sigrid Neugebauer-Schettler, Leiterin der Musik- und Kunstschule, und Sascha Wienhausen, Dekan des Instituts für Musik (IfM).

Frau Neugebauer-Schettler, am kommenden Mittwoch feiern Sie das Jubiläum „100 Konservatorium Osnabrück“. Aber das städtische Konservatorium gibt es doch gar nicht mehr.

Neugebauer: Richtig, es gibt hier in Osnabrück zwar kein Angebot mehr, das diesen Namen trägt, aber die Ursprungsidee eines gemeinsamen Daches für eine musikalische Ausbildung in Osnabrück existiert in der Kombination zwischen unserer städtischen Musik- und Kunstschule und dem IfM der Hochschule Osnabrück weiter. In den 90iger Jahren war ein neuer Träger für die Studienabteilung gesucht worden. Die Universität Osnabrück wollte aus verschiedenen Gründen nicht einsteigen, so suchte man nach einem anderen tragfähigen Konzept.

Also fand das städtische Konservatorium in der Hochschule einen verlässlichen Partner für die Studienabteilung Musikpädagogik?

Neugebauer: Genau, durch den damaligen Fachhochschulpräsidenten Erhard Mielenhausen wurde die Überleitung der Studienabteilung in eine niedersächsische Hochschule initiiert und ein tragfähiges Institut entwickelt. Seither gibt es das IfM und die städtische Musik- und Kunstschule in getrennter Trägerschaft, jedoch unter einem Dach nach wie vor vereint. Ich habe dann 2001 die Leitung der Musik- und Kunstschule übernommen.

Herr Wienhausen, wann sind Sie Teil dieser neuen Struktur geworden?

Wienhausen: Das war erst später. Ich habe nach meinem Studium 15 Jahre als Musicaldarsteller gearbeitet, dann habe ich in Osnabrück die GMA, die German Musical Academy, gegründet. Gleichzeitig arbeitete ich auch schon als Dozent an der Hochschule, was dazu führte, dass man mir anbot, die GMA in das Institut für Musik zu integrieren. Seither ist das Studienspektrum Klassik, Jazz und Popularmusik um den Bereich Musical erweitert worden. Ich halte das vielseitige Konzept mit pädagogisch-künstlerischem Schwerpunkt für zukunftsweisend. Und die Synthese aus Musik- und Kunstschule sowie Hochschulinstitut mit starkem Fokus auf den Popularmusiksektor ist im deutschsprachigen Bereich einmalig.

Ist Musizieren denn in Zeiten von Smartphone, Internet und zunehmender Digitalisierung noch gefragt?

Neugebauer: Da lasse ich gerne Zahlen sprechen: Seit der Jahrhundertwende ist die Zahl unserer Schüler von 1000 auf 8000 pro Jahr gestiegen. Jährlich erreichen wir zirka 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in der Stadt.

Wienhausen: Unser Institut hatte in den Anfangsjahren 50 bis 80 Studierende, heute sind es mehr als 400 Studierende, die sich künstlerisch und pädagogisch als Instrumental- oder Vokallehrende ausbilden lassen.

Neugebauer: Ich stelle fest, dass immer mehr Leute etwas mit den Händen als sinnliche Eigenerfahrung machen wollen. Zum Beispiel ein Instrument erlernen und so die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Computergames oder was auch immer junge Leute am PC oder mit dem Smartphone machen, können das kreative Erlebnis nicht ersetzen, zu malen, zu zeichnen, ein Instrument zu erlernen oder seine Stimme zu schulen.

Werden Web-Tutorials nicht zur Konkurrenz?

Wienhausen: Nein. Außerdem bieten wir Tutorials mittlerweile auch unterrichtsbegleitend als Material an. Der Unterricht an der Musikschule findet ja nur einmal in der Woche statt. Da können zusätzliche Tutorials sehr hilfreich sein.

Herr Wienhausen, wer an Ihrem Institut einen Abschluss macht, strebt offenbar eine Doppelqualifikation an.

Wienhausen. Richtig, daher wird der Name des Studiengangs bald auch geändert. Er heißt dann „Educating Artist“. Der ist für Menschen, die in der Lage sind, ihr kreatives Potential als Künstler an andere weiterzugeben. Wir wollen Musiker ausbilden, die sowohl künstlerisch als auch pädagogisch mit beiden Beinen im Leben stehen. Das funktioniert immens gut. Wir evaluieren unsere Absolventen regelmäßig und haben so herausbekommen, dass 86 Prozent unserer Absolventen tatsächlich im Musiksektor arbeiten, die meisten im Popularbereich.

Das heißt, der Musiker, der nachts Kellnern oder Taxi fahren muss, gehört der Vergangenheit an?

Neugebauer: Es sieht so aus. Fakt ist, dass sich nicht nur die Schulen, sondern auch wir als Musikschule uns mit einem Fachkräftemangel konfrontiert sehen. Daher ist die Ausbildung am Institut für Musik enorm wichtig.

„100 Jahre Konservatorium – Hier ist Musik drin“. Jubiläumsveranstaltung in der Caprivistraße 1 am Mittwoch, den 2. Oktober, von 15 bis 23 Uhr. Mit Konzerten aus den Bereichen Pop, Rock, Klassik und Jazz, Musical-Darbietungen, Mitmachaktionen und vielem mehr.


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