Dichter und kompakter bauen Die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer war zu Gast

Die Wohnungsnot in den Städten hatte Barbara Ettinger-Brinkmann beim Baukulturgespräch im Blick. Foto: Hermann PentermannDie Wohnungsnot in den Städten hatte Barbara Ettinger-Brinkmann beim Baukulturgespräch im Blick. Foto: Hermann Pentermann
Hermann Pentermann

Osnabrück. Barbara Ettinger-Brinckmann, die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, referierte im Rahmen der Reihe „Baukulturgespräche Osnabrück“ im Felix-Nussbaum-Haus über das Thema „Wohnen und das Mitwirken von Planern und Architekten“.

Wer entscheidet über das Erscheinungsbild der Städte unserer Zukunft? Sind es private Bauherren und Investoren? Sind es Architekten? Oder sind es kommunale Ämter, in denen städtische Architekten, Städteplaner und Juristen darüber wachen, wer denn wohl wie bauen dürfe? Um diese Fragen kreiste ein Vortrag, der im Rahmen der Reihe „Baukulturgespräche Osnabrück“ im Felix-Nussbaum-Haus stattfand. Barbara Ettinger-Brinckmann fesselte die Aufmerksamkeit von Experten und Laien im Saal. Die Referentin ist selbst Architektin und seit 2013 Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. Daher strukturierten Fakten und Forderungen aus der Perspektive ihres Berufsstandes das Referat.

Die Bausünden von heute

In der Nachkriegszeit sei viel unternommen worden, um die Bürger von ihren Städten zu entfremden, so Ettinger-Brinckmann. Aufgrund des jetzigen Wohnungsmangels sei es nötig, die Innenstädte dichter und kompakter zu bebauen. „Baugrundstücke sind nicht vermehrbare Ressourcen“, sagt sie und verweist auf den mehr als verdoppelten Wohnraumbedarf des heutigen Menschen, der in den vergangenen Jahrzehnten von 20 auf zirka 50 Quadratmeter gestiegen sei. Sie plädiere für fünfgeschossiges Bauen. Ein „Unding“ seien beispielsweise großflächige Supermärkte und Discounter in Flachbauweise. Außerdem dürfe ein Einfamilienhaus nicht auf einem 5000 Quadratmeter großen Grundstück stehen.

Enorm wichtig sei eine Abstimmung von Entscheidungsträgern. „In einer Kommune müssen Städteplaner und Verkehrsplaner miteinander reden“, forderte sie. „Wir brauchen lebenswerte Innenstädte, in denen alles Wichtige zu Fuß erreichbar ist. Außerdem muss der Blick über den kommunalen Tellerrand hinausgehen“, sagte Ettinger-Brinckmann. Das heißt, dass Regionen außerhalb von Stadtgrenzen sinnvoll in die Planung einbezogen werden müssten.


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