Es muss nicht immer Orgel sein Flautando Köln zieht bei Musica Viva alle Register

Tiefe Töne: Das Quartett "Flautando Köln" zeigte bei "Musica Viva" in der Schlosskirche in Sutthausen wie vielseitig Blockflöten, aber auch barocke Musik sein können. Foto: David EbenerTiefe Töne: Das Quartett "Flautando Köln" zeigte bei "Musica Viva" in der Schlosskirche in Sutthausen wie vielseitig Blockflöten, aber auch barocke Musik sein können. Foto: David Ebener
David Ebener

Osnabrück. Das Blockflötenquartett Flautando Köln hat im Osnabrücker Land schon oft genug bewiesen, dass Blockflöten-Musik anders sein kann als hoch und quietschig. Kein Wunder, dass die Schlosskapelle Gut Sutthausen am Dienstabend ausverkauft war.

Die Sopranflöte, die Kinder beim ersten Unterricht erlernen, lag meistens in den Taschen der vier Flötistinnen. Dabei hatten Susanne Hochscheid, Katrin Krauß-Brand, Ursula Thelen und Kerstin de Witt eine breite Variation mitgebracht. Die Altflöte blieb meistens die höchste Stimme im Bunde.

Ungewöhnliche Kontrabass-Blockflöte

Das Flötenquartett zog quasi alle Register. Das Ensemble hatte etwa 40 Instrumente in vielen Größen und Bauarten dabei, darunter Tenorflöte, Bassflöte und ganz apart: die großen, schwarzen Großbass- oder  Kontrabassblockflöten, die fast wie Orgelpfeifen aussehen. "Was Sie hier auf der Bühne sehen, sind auch nichts anderes als Pfeifen mit Löchern", lautete de Witts Kommentar bei ihrer Moderation. 

Wettrennen der tiefen Flöten

Auch wenn es die fast handgroßen Überblasklappen erst nicht vermuten ließen: Auch mit den großen, tiefen Flöten ist ein schnelles Spiel möglich. Wie in einem Wettrennen eilten Hochscheid und Thelen mit ihren tiefen Flöten der Melodie der Mozart-Variation entlang. 

Über die schmunzelte das Publikum bei den ersten Tönen. Denn wie Hochscheid zuvor in ihrer Moderation schon ankündigte, ist das französische Volkslied "Ah, vous dirai-je, Maman" dem deutschen Publikum in einem anderen Kontext bekannt – nämlich als Adventslied "Morgen kommt der Weihnachtsmann".

Erklärung zu den Werken, aber nicht zu den Instrumenten

Leider begrenzten sich die Flötistinnen in ihrer Moderation auf die Werke des Programms. Dabei wäre es interessanter gewesen, etwas über die verschiedenen Flöten zu erfahren oder über ihren Einsatz. Denn die Werke, die auf dem Programm standen, wurden keineswegs für ein Flötenquartett geschrieben. Das renommierte Ensemble fertigt die Werke für ihre Besetzung selbst an, wie auf der Homepage von "Flautando Köln" zu lesen ist.

Flöten statt Orgel

Im Mittelpunkt des Programms standen einmal mehr Johann Sebastian Bach, seine Weggefährten und Nachfolger. Wie ähnlich die Flöten der Orgel sind, zeigten die vier Flötenspielerinnen gleich zu Beginn bei Bachs Fantasie und Fuge, BWV 537, bei der de Witt mit der tiefsten Flöte die Stimme des Pedals übernahm. Zart, sanft und ruhig entwickelte sich das Fugenthema, das in den einzelnen Stimme toll herauszuhören war.

Mit Bach endete dann auch der Abend – zumindest fast. Denn es gab wie immer natürlich eine Zugabe. In der bewiesen die vier Musikerinnen komödiantisches Talent mit eingefügter Schlaf-Einlage und schiefen Tönen. Und dann klaute Hochscheid auch noch Thelen die Sopranflöte, um einfach mal so den Radetzky-Marsch anzustimmen. Der Kommentar dazu: Händels "Hallelujah" aus dem Messias aus der Tenorflöte. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus für so viel Abwechslung und einen schönen, vielseitigen Abend.


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