Mit glühender Leidenschaft Renate Feyl macht Scheidungsprozess zum Thema im Blue Note

Aus der Bewunderung für den Helden ihres neuen Romans machte Renate Feyl bei der vergangenen Littera-Lesung im Blue Note keinen Hehl. Foto: Hermann PentermannAus der Bewunderung für den Helden ihres neuen Romans machte Renate Feyl bei der vergangenen Littera-Lesung im Blue Note keinen Hehl. Foto: Hermann Pentermann
Hermann Pentermann

Osnabrück . Am Dienstag präsentierte die Berliner Autorin Renate Feyl bei der Littera-Veranstaltung der Buchhandlung zur Heide im Blue Note ihren neuen Roman "Die unerlässliche Bedingung des Glücks" über den spektakulärsten Scheidungsprozess des 19. Jahrhunderts.

"Ich schreibe antizyklisch, über Menschen, die wir im Heute dringend bräuchten." So erklärt Renate Feyl zu Beginn ihrer Lesung den Umstand, dass es in ihrem neuen Buch zur Abwechslung einen männlichen Hauptprotagonisten gibt. In einem Sessel sitzend, ist der für ihre Romane über historische Frauengestalten bekannten Autorin anzumerken, wie sehr sie sich ihren zwei Hauptfiguren verbunden fühlt: dem späteren Arbeiterführer Ferdinand Lassalle (1825 - 1864) und der unglücklich verheirateten Gräfin Sophie von Hatzfeldt (1805 - 1881), die für den spektakulärsten Scheidungsprozess des 19. Jahrhunderts sorgten. 

Unter dem Titel "Die unerlässliche Bedingung des Glücks" hat Renate Feyl dieses Ereignis ins Zentrum ihres neuen Romans gestellt, an dem sie sechs Jahre gearbeitet hat. Am Dienstag machte sie die Littera-Veranstaltung der Buchhandlung zur Heide im Blue Note zum Ort der "Deutschland-Premiere" ihres frisch erschienenen Romans, der in das Jahr 1845 führt. Damals begegnet der junge Student Ferdinand Lassalle auf einer Gesellschaft der 20 Jahre älteren Gräfin und verliebt sich leidenschaftlich in sie. Es folgt ein von juristischen Finessen begleitetes Ehe- und Scheidungsdrama  - und das zu einer Zeit, die zwar bereits von Revolution und Vormärz geprägt war, in der jedoch mächtige Adlige wie Sophies Mann Edmund unbesiegbare Gegner darstellten.

Mit ihrem Drang zu Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung wirkte die Geschichte zeitlos. Das lag auch an dem bitter-ironischen Spott, mit dem Renate Feyl ihren Roman durchsetzt hat. So glaubt sich die unglückliche Sophie "mit einem Goldbarren" verheiratet oder bezeichnet ihren Mann wegen seiner zahlreichen Mätressen schon mal als "abartigen Stutenzüchter". Der feurige "Schwarmkopf" Lassalle erscheint dagegen als überzeugter Kämpfer für Recht und Freiheit, der es als Sophies Rechtsbeistand mit der von Geld, Macht und Intrigen bestimmten adligen Standesgesellschaft aufnimmt. Aus ihrer Begeisterung für diesen klugen wie mutigen Mann machte Renate Feyl am Ende ihrer Lesung keinen Hehl: "Wenn wir heute so einen Kopf hätten, sähe es anders aus." 

Renate Feyl, "Die unerlässliche Bedingung des Glücks", Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. 429 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-462-04890-2.     


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