Auf den Spuren der Thomaner Vokalensemble Amarcord macht Kammermusik allein mit Stimmen

Fünf Freunde der Vokalkunst: Das Leipziger Ensemble Amarcord. Foto: Rolf ArnoldFünf Freunde der Vokalkunst: Das Leipziger Ensemble Amarcord. Foto: Rolf Arnold

Osnabrück. Das Leipziger Vokalensemble Amarcord verleiht der alten Musik buchstäblich eine Stimme. Am Sonntag tritt es im Rahmen des Musica Viva-Festivals in der Osnabrücker Bergkirche auf.

Der Alten Musik widmet sich das internationale Festival Musica Viva. Der Klang vieler ungewöhnlicher Instrumente, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind, ist dabei in alten Gemäuern in und rund um Osnabrück zu vernehmen und bestaunen. In der Bergkirche am Westerberg tritt am Sonntag mit Amarcord ein Ensemble auf, das dem vielleicht ältesten, in jedem Fall aber natürlichsten aller Instrumente die Ehre erweist: der menschlichen Stimme. 

Keimzelle Knabenchor

Mit wiederbelebten Schätzen aus dem Notenschrank der Thomaner als ältesten aller europäischen Chöre begeben sich die fünf Virtuosen der Vokalkunst auch auf die Spuren der eigenen Biografie. Denn im Leipziger Thomanerchor hat sich der Kern der Besetzung vor 35 Jahren kennengelernt – damals noch mit Knabenstimmen. Drei Jahre nach der Wende wurde dann Amarcord als professionelles, rein vokales Kammermusikensemble gegründet und schon weitere fünf Jahre später mit „a cappella“ ein eigenes internationales Festival für Vokalmusik aus der Taufe gehoben, das sich längst zu einem der bedeutendsten des Genres entwickelt hat. Das vielfach, auch international ausgezeichnete Quintett gilt heute als eines der besten seiner Art und als wichtiger Repräsentant der Musikstadt Leipzig. 

Vom Thomanerchor zum Erfolgsquintett. Foto: amarcord

Runder Klangkörper

Vergleichbar mit einem Streicherquartett, decken die beiden Bassstimmen Daniel Knauft und Holger Krause, die beiden Tenöre Wolfram Lattke und Robert Pohlers sowie Bariton Frank Ozimek allein mit ihren Vokalinstrumenten als homogener Klangkörper die tonale Bandbreite eines ganzen Orchesters ab. Ihr äußerst facettenreiches Repertoire erstreckt sich von Gesängen des Mittelalters über Messen und Madrigale der Renaissance, Kompositionen und Werkzyklen der europäischen Romantik und des 20. Jahrhundert bis hin zu buchstäblich „stimmig“ re-arrangierten Volksliedern und Soul- und Jazzsongs. Gerade der alten Musik geben die fünf Vokalkünstler aber eine Stimme in der Gegenwart. Und sie führt sie zurück zu ihren eigenen musikalischen Wurzeln in der Chorschule der Thomaner. In Osnabrück waren Amarcord bereits vor zehn Jahren in der Marienkirche zu hören, 2015 haben sie das Musica Viva-Festival eröffnet.

Termin

Musica Viva-Konzert Nummer 09: Vokalensemble Amarcord, Sonntag, 29. September, 18 Uhr, Bergkirche Osnabrück, Bergstraße 16.


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