Ethno-Comedy 2.0 Özcan Coşar kultiviert den Konflikt zwischen den Kulturen

Zwei Seelen wohnen ach in Özcan Coşars Brust - die er beide aufs Korn nimmt. Foto: robertmaschke.deZwei Seelen wohnen ach in Özcan Coşars Brust - die er beide aufs Korn nimmt. Foto: robertmaschke.de

Osnabrück. Ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, der seinen eigenen Hintergrund und seine neue Heimat komödiantisch aufs Korn nimmt: Das ist Özcan Coşar aus Stuttgart. Am Sonntag ist er in der Osnabrückhalle zu Gast.

Vor allem wenn man ihn schwäbisch reden hört, könnte man meinen, er sei ein echter Stuttgarter. Aber irgendwie sieht er auch wie ein Türke aus. Und das ist genau das Dilemma, in dem Özcan Coşar steckt: Seine Eltern sind Türken, er selbst wurde in Deutschland geboren. Er fühlt sich wie ein Deutscher, mit Pass und allem drum und dran. Aber dennoch ist da der Konflikt. „Wann machst Du deinen Witzladen zu“, fragt sein Vater, der Özcans Job als Komödiant nicht akzeptieren will. Der Vater, der beim Besuch in seiner Heimat behauptet, sein Sohn sei KFZ-Mechaniker. „Comedian ist in der Türkei kein Beruf. Es ist ihm peinlich, dass ich so etwas mache“, sagt Özcan auf der Bühne. Das Publikum lacht.

Derweil freue seine Mutter sich, wenn er einen Anzug trägt. Wer im Job einen Anzug trägt, hat es zu etwas gebracht, ist offenbar ihre Einstellung. Dabei geht Özcan Coşar lieber leger mit T-Shirt und Turnschuhen auf die Bühne. Dort erzählt er dann über seine Schulzeit. Dass die deutschen Kinder immer all die teuren Sachen aufs Schulbrot bekamen und Markenkleidung zum Anziehen gehabt hätten, derweil er die Schokokrem vom Discounter auf das Billigbrötchen schmieren musste.

„Meine Programme enthalten viel Autobiografisches“, sagt Coşar, der in seiner Schulzeit Breakdancer wurde. Zur Jahrtausendwende gewann er als B-Boy die Deutsche Meisterschaft. Über den Moderationsjob bei einer Breakdance-Battle kam er auf Umwegen zur Comedy. Seit zehn Jahren steht er jetzt auf den Bühnen der Republik und erzählt, was ihm an den Deutschen und den Türken so auf- und gefällt.

Eigentlich ist es Ethno-Comedy 2.0, was er da macht. Kaya Yanar und Bülent Ceylan waren die Pioniere, die mit Migrations-Geschichten aus beiden Welten die Zwerchfelle der Zuschauer reizten. Hier kommt jetzt der Enddreißiger, der in Bad Cannstatt aufwuchs, 2012 mit seinem Programm „Adam & Erdal“ startete, dann drei Jahre mit der RebellComedy unterwegs war und mittlerweil kurz davor steht, sein viertes Soloprogramm „Cosar Nostra“ zu präsentieren. Vorher ist er aber noch einmal mit „Die Zukunft kann warten“ in Osnabrück zu Gast.

Özcan Coşar – „Die Zukunft kann warten“: Sonntag, 29. September, 19 Uhr, Kongresssaal der Osnabrückhalle.


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