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Container für Inklusion Montessorischule in Osnabrück kann Raumbedarf noch nicht abschätzen

<em>Warten auf die Inklusion?</em> Containerklassen vor der Montessorischule in der Osnabrücker Weststadt. Foto: Gisela KrizWarten auf die Inklusion? Containerklassen vor der Montessorischule in der Osnabrücker Weststadt. Foto: Gisela Kriz

Osnabrück. Am Ratsgymnasium gibt es sie seit 42 Jahren. Den Schülern der Elisabeth- und Rückertschule dienten sie 30 Jahre. Neuerdings stehen sie auch vor der Montessorischule in Osnabrück: Containerklassen für den sonderpädagogischen Förderunterricht, weil die Räume im Hauptgebäude nicht ausreichen. Wie sich das Inklusionsgebot ab dem nächsten Schuljahr auf die Situation auswirken wird, können weder Schule noch Schulverwaltung abschätzen.

Vier Container wurden im August 2012 zu Beginn des Schuljahres vor der Schule platziert. Zwei weitere stehen schon länger dort. Die sonderpädagogische Förderschule mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“ umfasst 29 Klassen. Einige kooperieren mit allgemeinen Schulen. 203 Schüler – von Klasse 1 bis 12 – werden hier auf eine berufliche und gesellschaftliche Zukunft vorbereitet.

Zwar machen bundesweit beim sonderpädagogischen Förderbedarf von rund einer halben Million Schülern die Lernstörungen (mit über 40 Prozent) den größten Teil aus. Aber schon an zweiter Stelle folgt die geistige Behinderung mit rund 16 Prozent, wie Statistiken der Kultusministerkonferenz zeigen. Sie nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. „Auch die Stadt Osnabrück liegt da im Trend“, bestätigt Jürgen Rath-Groneick von der Landesschulbehörde. Er sieht darin einen Grund für den gewachsenen Raumbedarf.

Ein weiterer Grund sei die Übernahme von 17 Schülern (drei Klassen) der im Sommer 2012 geschlossenen Karl-Luhmann-Schule, erklärt die Konrektorin der Montessorischule, Sabine Ehlke. Die Schule lag zuvor in einem baufälligen Gebäude der Karl-Luhmann-Heime für Hörgeschädigte und Mehrfachbehinderte, wo die Schüler auch leben. Ob die Raumsituation sich im nächsten Schuljahr durch die verbindliche Einführung der Inklusion entspanne, wisse man nicht, sagt Ehlke: „Das ist auch für uns als Schule schwer einzuschätzen. Das wird eine Abstimmung der Eltern mit den Füßen werden.“

Niedersachsen reiht sich im Ländervergleich bisher unter die Schlusslichter, was die Anzahl von Schülern mit Handicap in allgemeinbildenden Schulen betrifft. Das soll sich ab August 2013 ändern. Mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention haben dann die Eltern bei festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf in Klasse 1 und Klasse 5 die Wahlfreiheit zwischen Förderschule und Regelschule.

Allerdings zeigt die Bundesstatistik, dass besonders bei geistiger Behinderung Eltern bisher fast ausschließlich auf die Förderschulen setzen. Anders sieht es etwa aus bei Beeinträchtigungen von Sprache, Hören, motorischer oder emotionaler/sozialer Entwicklung.

„Die Containerklassen werden wohl erst mal bleiben“, schätzt Andrea Butke, Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport der Stadt Osnabrück. „Wir werden beobachten müssen, wie Eltern das Angebot annehmen.“ „Es ist verständlich, dass man die Entwicklung abwartet“, meint Rath-Groneick. Das Ganze sei „schwer steuerbar“. Die Beteiligten betrachten Inklusion als langen Prozess. Und der ist auch an bauliche und personelle Voraussetzungen an den Regelschulen geknüpft.

Trotz aller Inklusionsbestrebungen bewertet das Kultusministerium die Förderschulen als „unverzichtbar“. Andererseits soll schon ab August für Kinder mit „Lernstörungen“ der Primarbereich der Förderschule auslaufen. Betroffene Schulanfänger sollen dann direkt in die erste Klasse der Grundschulen aufgenommen werden.


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