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Ausstellung „Distanz & Nähe“ Henriette Burkart und Ari Nahor laden zum genauen Hinsehen ein

<em>Die Künstler </em>Henriette Burkart und Ari Nahor im BBK-Kunstquartier. Foto Jörn MartensDie Künstler Henriette Burkart und Ari Nahor im BBK-Kunstquartier. Foto Jörn Martens

Osnabrück. Auf falsche Fährten führen zwei Künstler im BBK-Kunstquartier: Foto oder Zeichnung, monochrome Malerei oder vielfarbige Tiefenwirkung – Henriette Burkart und Ari Nahor laden mit ihrer Ausstellung „Distanz & Nähe“ zum genauen Hinsehen ein.

Genaues Hinsehen? Ist eigentlich nicht nötig, denn schon aus der Distanz erschließen sich die Werke der beiden Künstler: hier die filigranen Kohlezeichnungen und Kreuzschraffuren in Grafit, die Ari Nahor auf Büttenpapier platziert, dort die seriell angeordneten Farbquadrate in konstruktivistischer Manier, die miteinander in Beziehung treten, und die pastos aufgetragenen Farben, die ein horizontales Strukturstatement entwerfen. Dabei könnte man es belassen. Doch damit würde man den Exponaten beim besten Willen nicht gerecht, denn was bei Nahor wie Zeichnung aussieht, ist in Wahrheit Fotografie. Und was bei Burkart monochrom erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als vielschichtige Acryl-Malerei, bei der die unterschiedlichsten Farbtöne lasierend übereinander aufgetragen werden, bis diese subtil schimmernde, zum Teil komplementäre Vielfarbigkeit mit horizontalen Wasserlinien entsteht. Aus diesem Grund erscheint der Titel der Ausstellung „Distanz & Nähe“ ausgesprochen passend. „Ich wähle bei meinen digitalen Fotografien am Rechner den Ausschnitt, bestimme, ob es ein farbiges oder ein Schwarz-Weiß-Foto wird, und korrigiere ein wenig den Kontrast“, betont Nahor, damit man nicht auf den Gedanken kommt, er habe diesen faszinierenden Effekt, das sei alles von Hand gezeichnet, mit irgendwelchen Computerprogrammen generiert. Es ist der spezielle Prozess des Fotografierens – ausschließlich im Winter und möglichst bei Nebel – der diese „Lichtbilder“ entstehen lässt, die sein „Bewegtes Land“ visualisieren.

„Ich habe Sie gesucht“, mailte Henriette Burkart ihrem Ausstellungspartner in spe, als die in Freiburg geborene und jetzt in Detmold lebende Künstlerin das BBK-Mitglied aus Breisach am Rhein kontaktierte. „Ich wollte das Projekt mit einem Künstler aus meiner alten Heimat realisieren“, sagt sie.

Die gemeinsamen Schnittstellen und Korrespondenzen zwischen ihren Werken hätten sie überzeugt. Ambivalenz ist ihnen allen eigen. Außerdem sind die Arbeiten alle in einem langwierigen Prozess entstanden. So trägt Burkart beispielsweise bis zu 30 Farbschichten übereinander auf die Leinwand auf, bis sie die gewünschte Wirkung erzielt hat. Und man wundert sich, wie viel Emotion und Leben in den scheinbar nüchternen, rationalen Farbexperimenten stecken.

„Berühr mich, fass mich an“, überschreitet sie mit einem Bild aus Wachs und Papier eine Grenze, die in jedem Museum und in jeder Galerie gezogen wird: Sie fordert den Betrachter zur haptischen Erforschung ihres Exponats auf. Ansonsten taucht sie mit ihren „Schichtbildern“ tief in das „Geheimnis der Natur der Farben“ ein, deren Pigmente sie selbst mischt.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „Distanz & Nähe“. Malerei und Fotografie von Henriette Burkart und Ari Nahor. 17. Mai (Eröffnung um 19 Uhr) bis 18. Juni, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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