Kirche im Kino Predigerwettstreit „Löwenpudel“ überzeugt mit sechs Wortakrobaten

Sieger beim "Preacher-Slam": Fabian Schweer aus Osnabrück. Foto: Thomas OsterfeldSieger beim "Preacher-Slam": Fabian Schweer aus Osnabrück. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Zum vierten Mal richtete das Forum am Dom einen Prediger-Wettbewerb aus, diesmal im neuen Ambiente des Hasetor-Kinos. Unter den sechs Teilnehmern aus ganz Deutschland war nur ein Osnabrücker: Fabian Schweer. Der nutzte seinen Heimvorteil und gewann die „Löwenpudel“-Plakette.

Organisator und Moderator Urs von Wulfen hatte ein Zitat des Schweizer Reformators Zwingli als Motto gewählt: „Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!“ Die Tapferkeit findet von Wolfen zurzeit, zum Beispiel in Form von Zivilcourage, sehr wichtig, und er freut sich, durch die Verwendung von Zwinglis Worten den ökumenischen Charakter der Veranstaltung des Osnabrücker Bistums zu unterstützen. Auch die Auswahl der Redner trug dem Rechnung: Drei katholisch, drei evangelisch.

Ist ein Preacher Slam eine Möglichkeit, die Kirchen wieder voll zu bekommen? Auf jeden Fall war der Kinosaal des Filmtheaters Hasetor mit Publikum aus allen Altersklassen gut besetzt. Viele Blicke zogen die beiden Kapuzinermönche in ihren braunen Kutten auf sich. Schon zum dritten Mal waren sie aus Münster angereist, um sich den Osnabrücker „Löwenpudel“-Preacher-Slam anzuhören.

Lyrik, Wortspielereien, Textakrobatik

Sechs Predigten plus Opener von Urs von Wolfen forderten den Zuhörern schon etwas ab, aber sie lauschten durchweg konzentriert und aufmerksam. Das war sicher auch den beeindruckenden Texten zuzurechnen, denen man das Engagement der Vortragenden anmerkte: Erlaubt sind beim „Preacher Slam“ Predigten im weitesten Sinne: Lyrik, Wortspielereien, Textakrobatik. So eröffnete die Vorjahressiegerin Janina Dück aus Marburg mit einem kunstvollen frei vorgetragenen Monolog um die Frage: „Wo kommst du her und wo willst du hin?“ Slammerin Laura Meemann aus Münster deklamierte eine teils rap-artige Lyrik über einen Dialog mit Gott. Beim einmaligen Hören waren die diese Texte allerdings in ihrer Komplexität nicht ganz zu erfassen, man würde sie gerne noch einmal in Ruhe nachlesen.

Vorjahressiegerin Janina Dück eröffnete den Wettstreit. Foto: Osterfeld

„Noch eine Folge „Die Anstalt“ vom Nihilismus entfernt“, so betitelte Fabian Schweer, Jugendbildungsreferent beim Bistum Osnabrück und zum ersten Mal bei einem Slam, seinen Beitrag. Es ging darum, nicht zu resignieren und zynisch zu werden, sondern einfach zu ändern, was man ändern kann, auch wenn es nur kleine Schritte sind.

Osnabrücker als Sieger ausgewogen

Kirchenkabarettist Markus von Hagen aus Münster wollte, um Tapferkeit zu lernen, bei drei Heiligen in die Lehre gehen. Katrin Berger, Pfarrerin bei der Jugendkirche in Hamm, findet: „Ich bin nicht tapfer.“ Schließlich setze man hier, in unserer Demokratie, zum Glück nichts aufs Spiel, wenn man das Richtige tut. Dass das allerdings auch nicht einfach ist, zeigte sie durch ein berührendes Beispiel aus der Notfallseelsorge. Letzter Redner war der Sozialpädagoge Sven Pörsch aus Herne mit einer packenden Darstellung zum Thema Mobbing.

130 Abstimmungsbeutelchen mit Cent-Stückchen waren ans Publikum ausgegeben worden, die zum Schluss als Stimmen verteilt werden konnten. Danach musste nur noch ausgewogen werden. Ergebnis: Mit Fabian Schweer gewann zum ersten Mal ein Katholike den „Löwenpudel“. Gefolgt wurde er von Katrin Berger, der dritte Platz ging an Sven Pörsch.


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