Händel aus historischer Sicht Barthold Kuijken und Ewald Demeyere bei Musica Viva

An der Traversflöte zeigte Barthold Kuijkensein Können. Foto: Thomas OsterfeldAn der Traversflöte zeigte Barthold Kuijkensein Können. Foto: Thomas Osterfeld

Bramsche. Händel, Geminiani und Scarlatti: In der Klosterkirche Malgarten entführte der belgische Traversflötist das Publikum in die reiche Klangwelt des Barock.

Barthold Kuijken betritt die Klosterkirche in Bramsche-Malgarten, greift in die Innentasche seines Jacketts und holt eine antike Traversflöte heraus. Er begibt sich an sein Notenpult im Altarraum und erfüllt das Kirchenschiff alsbald mit den herrlichsten Barockmelodien. Während andere Musiker ihre Instrumente in speziellen Transportbehältern aufbewahren und sie wie ihren Augapfel hüten, geht der belgische Virtuose ganz unprätentiös mit seiner Flöte um. Dafür spielt er sie umso schöner und versierter.

„Händel und seine Londoner Kollegen“ lautet das Motto des Konzerts, das während Musica Viva, dem internationalen Festival für Alte Musik, stattfindet. Da Kuijken nicht nur ein international anerkannter Traversflötist, sondern auch ein begeisterter Forscher in Sachen Barockmusik ist, klärt er das Publikum zunächst über das Mysterium Händel auf. „Manche Melodien mögen ihnen gleich bekannt vorkommen. Wir wissen nicht, ob er bei sich selbst oder bei einem anderen Musiker geklaut hat, oder ob er die Sonaten überhaupt selbst geschrieben hat“, betont er.

Vor allem bei der grandiosen Sonate in h-moll op. 1 Nr. 9 kann einem das jedoch egal sein. Wie meisterlich-beschwingt und mit herrlich warmen Ton Kuijken die im Vivace so rasanten Melodiefolgen mit der antiken Flöte bewältigt, ist faszinierend. Dabei wäre die Aufgabe mit einer modernen Querflöte vermutlich leichter zu bewältigen. Aber das ist für den Barockfan kein Thema. Die Argumentation, dass er einen Schritt zurück mache, weil er auf einem unperfekten Instrument spiele, lässt er nicht gelten. „Ein Komponist kann Musik nur für ein Instrument schreiben, das er kennt.“ Wegen dieser Perspektive spiele er Bach und Händel auf einer historischen Flöte.

Begleitet von Ewald Demeyere, der mit dem Cembalo auch zwei Solowerke interpretiert, spielen sie neben Händel auch Stücke von Komponisten wie Francesco Geminiani und Domenico Scarlatti, die am Anfang des 18. Jahrhunderts in London besonders populär waren.


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