Mobiles Demenzzimmer Sozialministerium fördert Modellprojekt für Demente am Klinikum Osnabrück

Das niedersächsische Sozialministerium unterstützt ein Modellprojekt für demente Patienten am Klinikum Osnabrück mit 40.000 Euro. Symbolfoto: Jens Büttner/dpaDas niedersächsische Sozialministerium unterstützt ein Modellprojekt für demente Patienten am Klinikum Osnabrück mit 40.000 Euro. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

Osnabrück. Das Niedersächsische Sozialministerium fördert ein Modellprojekt für demente Patienten am Klinikum Osnabrück mit 40.000 Euro. Konkret soll der Krankenhaus-Aufenthalt für an Demenz leidende Personen angenehmer gestaltet werden – unter anderem durch ein "mobiles Demenzzimmer".

Nach Angaben von Pflegedienstleiterin Annette Seckelmann und Jana Enneking, Referentin der Pflegedirektion, ist der Umgang mit an Demenz erkrankten Patienten bereits seit Jahren ein Thema beim Osnabrücker Klinikum. In der Vergangenheit wurden die Mitarbeiter bereits weitergebildet, um in den bisweilen sehr schwierigen Situationen mit Erkrankten richtig reagieren zu können. 

Nun wollen Seckelmann und Enneking einen Schritt weitergehen: Mit "mobilen Demenzzimmern" soll die Situation für demente Patienten gleich mehrfach verbessert werden. "Die Patienten sollen während ihres Aufenthalts selbstständiger sein können. Wir erhoffen uns von unserem Projekt außerdem, dass wir positive Gefühle bei den Menschen stimulieren können. Aus unserer Erfahrung ist das gerade bei dementen Patienten überaus wichtig", sagt Enneking.

Hintergrund: Demenz

Von einer Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Form der Demenz sind derzeit schätzungsweise rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. In Niedersachsen sind heute schon mehr als 150.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren an Demenz erkrankt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer immer älterwerdenden Gesellschaft wird die Anzahl an Demenz erkrankter Menschen weiter steigen.
Das Land möchte über den Wettbewerb „Demenzkranke im Krankenhaus besser versorgen“ neben baulichen Maßnahmen auch präventive und pflegerische Projekte sowie Betreuungsangebote durch Ehrenamtliche oder Angehörige finanziell unterstützen, die die Situation von Demenzkranken während eines stationären Krankenhausaufenthaltes nachhaltig verbessern und die modellhaft im Krankenhaus erprobt werden können.  
Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung 

Doch was ist eigentlich ein "mobiles Demenzzimmer"? Wie Enneking erklärt, sollen die Krankenhauszimmer, in denen demente Patienten untergebracht werden, mit einer etwa umzugskartongroßen Box ausgestattet werden, in denen sich verschiedene Materialien befinden. Unter anderem gehe es darum, den Menschen Möglichkeiten zu bieten, sich angemessen zu beschäftigen. Weitere Komponenten drehen sich um ein spezielles Licht- und Geräuschkonzept. Nicht zuletzt soll auch die bessere Orientierung für die Patienten eine Rolle spielen.

Noch steht das Projekt recht am Anfang, doch von der Förderung durch das Sozialministerium erhoffen sich Enneking und Seckelmann, nun durchstarten zu können. Das Fördergeld soll dazu verwendet werden, die Boxen zusammenzustellen und in der Praxis zu erproben.

Ernährung für demente Patienten

Das "mobile Demenzzimmer" ist jedoch nur ein Teil des jetzt ausgezeichneten Modellprojekts. Auch eine demenzsensible Ernährung soll sich in Zukunft im Osnabrücker Klinikum niederschlagen. Dementen Patienten soll die Menuwahl beispielsweise durch die Einbindung von Fotos erleichtert werden. "Wir wollen außerdem das Kostangebot adaptieren und noch stärker auf gesunde Lebensmittel setzen", sagt Enneking. Wichtig für demente Patienten seien in diesem Zusammenhang außerdem Thermo- und Anti-Rutsch-Geschirr.

Das Klinikum ist eines von neun niedersächsischen Krankenhäusern, das nun von Ministerin Carola Reimann mit Fördermitteln bedacht wurde. „Die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit einer Demenzerkrankung im Krankenhaus ist eine besondere Herausforderung für Angehörige und für die Beschäftigten. Denn demente Patienten reagieren im Krankenhaus oft mit Angst und Unruhe oder versuchen, die Klinik zu verlassen“, wird Reimann in einer Mitteilung aus dem Sozialministerium zitiert. Insgesamt 1,5 Millionen Euro investiert das Ministerium jetzt in die Modellprojekte.

Geförderte Projekte in Niedersachsen

  • Das Klinikum Wolfsburg richtet mit seinem Demenzkonzept neben fachspezifischen Schulungen auch ein breites Betreuungsangebot für die Betroffenen ein. Förderung: 149.760 Euro
  • Beim Kompetenzzentrum Demenz des St. Franziskus Hospitals Lohne stehen Schulung, Beratung und Informationsveranstaltungen im Mittelpunkt. Förderung: 176.400 Euro
  • Mit dem Konsiliardienst der Universitätsmedizin Göttingen werden die regionalen Krankenhäuser der Regelversorgung mit gerontopsychiatrischer Fachkompetenz unterstützt. Förderung: 206.908 Euro
  • Das Projekt Bewegung & Balance der Asklepios Harzkliniken Goslar bietet Menschen mit Demenz die Möglichkeit, ihre sensomotorischen Fähigkeiten sektorenübergreifend zu stärken. Förderung: 74.964 Euro
  • Der Delirguide des Elisabeth Krankenhauses Thuine ist generalistisch angelegt: Altenpflegekräfte werden zukünftig ins interdisziplinäre Fachteam eingebunden. Förderung: 112.855 Euro
  • Mit einer Tagesinsel wird die EUREGIO Klinik Albert-Schweitzer-Straße, Nordhorn einen Ruhebereich schaffen, der von dem prozessorientierten Klinikalltag bewusst abgegrenzt wird. Förderung: 172.000 Euro
  • Das Klinikum Oldenburg will Personal für die Bezugspflege qualifizieren, das nicht mehr im Schichtdienst beziehungsweise gar nicht mehr in der Pflege aktiv ist. Förderung: 308.120 Euro
  • Das Klinikum Osnabrück bemüht sich um eine Förderung der Orientierung durch mobile Demenzzimmer und setzt sich für eine demenzsensible Ernährung ein. Förderung: 40.000 Euro
  • Die HELIOS Region Nord hat für mehrere Kliniken in Niedersachsen ein Konzept vorgestellt, welches die Einrichtung von sogenannten PETRA-Zimmern vorsieht. Dabei handelt es sich weitestgehend um ein Raumkonzept, mit dem dank verschiedener zusammenfügbarer Module und digitaler Komponenten eine demenzfreundliche Umgebung entstehen soll. Förderung: (voraussichtlich) 258.991 Euro.

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales,  Gesundheit und Gleichstellung 

Insgesamt hatten sich 23 Kliniken aus Niedersachsen mit Projekten zum Thema Demenz um eine Förderung beworben.


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