Schwarzkirchen und Skyspaces Filmemacher und Atheist Christoph Schaub über sakrale Bauten

Regisseur Christoph Schaub interpretiert Kirchenarchitektur in der Franziskuskirche Dodesheide. Foto: Philipp HülsmannRegisseur Christoph Schaub interpretiert Kirchenarchitektur in der Franziskuskirche Dodesheide. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. „Architektur der Unendlichkeit“ heißt der Film, der im Rahmen des „Filmclub Baukultur“ in St. Franziskus in der Dodesheide gezeigt wurde. Regisseur Christoph Schaub war anwesend und beantwortete Fragen zu seinem Film.

Bevor der Schweizer Filmemacher nach Osnabrück reiste, wusste er gar nicht, dass er seinen Film in einer „Schwarzkirche“ zeigen würde. „Schwarzkirche“, so bezeichnet Christoph Schaub moderne Sakralbauten, die der berühmte Architekt Rudolf Schwarz in der Nachkriegszeit errichtete. So wurde die St. Franziskus-Kirche in der Dodesheide von ihm entworfen und nach seinem Tod 1961 von seiner Frau Maria Schwarz realisiert.

„Der Geist von Rudolf Schwarz ist hier durchaus zu spüren. Das Spartanische, die Anordnung und Gestaltung der Fenster und der damit verbundene, spezielle Lichteinfall, das ist typisch Schwarz“, sagt der Regisseur, dessen Film „Architektur der Unendlichkeit“ gerade im Kirchenraum projiziert wurde. Der Dokumentarfilm eröffnete den diesjährigen „Filmclub Baukultur“. Darin beschäftigt sich der Schweizer mit den Emotionen, die Architektur auslösen kann. Ob überladene, „kitschige“ Barockkirchen, ob meisterlich strukturierte Bauten der Gotik oder karg gestaltete, romanische Sakralbauten, sie alle vermitteln Gefühle.

„Ich bin Atheist, daher interessiert mich die Lehre der Kirche, die in diesen Bauten vermittelt wird, absolut nicht“, sagt Schaub. Dennoch ist er davon überzeugt, dass es ein Gefühl der Transzendenz gibt, die solche Bauten auslösen.

Daher zeigt er mithilfe ruhiger, fast meditativer Kamerafahrten und Einstellungen verschiedene Beispiele für die unterschiedlichen Architekturepochen. Unter anderem präsentiert er zwei „Schwarzkirchen“, die St. Antonius Kirche in Essen und die Pfarrkirche St. Anna in Düren, als Beispiele für moderne Architektur mit emotionaler Wirkung. Und vergleicht sie mit modernen Profanbauten, Museen, die ebenfalls in der Lage sind, den Abstand zwischen Weltraum und Erde zu verkleinern, sodass der Besucher sich dem Himmel näher fühlt.

Dann erzählt er vom „Skyspace“, einer Idee des amerikanischen Künstlers James Turell. An mehreren Orten der Erde baute Turell Kultstätten aus Stein, die den Wanderer zum Besuch einladen. Das Innere dieser Türme zeichnet sich durch ein Okulus, ein Loch in der Decke aus, durch das man den Himmel beobachten kann und das eine ganz spezielle Wirkung des Lichts hervorruft. „Die Skyspaces bieten Schutz und Freiheit. Es sind profane Kirchen. Das mag ich.“

Sagt es, lässt seinen Blick noch einmal durch St. Franziskus schweifen – und beschließt, seinen Osnabrückaufenthalt mit dem Besuch eines anderen Gebäudes zu nutzen, das höchst emotional wirkt: des Felix-Nussbaum-Hauses.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN