Kassiert, aber nicht geliefert Amtsgericht Osnabrück verurteilt Frau und Mann wegen Online-Betrugs

Zusammen ergaunerten eine 22-jährige Frau und ein 25-jähriger Mann aus Osnabrück mehr als 28000 Euro in dem sie Waren online zum Kauf anboten aber nicht lieferten. Foto: Swaantje HehmannZusammen ergaunerten eine 22-jährige Frau und ein 25-jähriger Mann aus Osnabrück mehr als 28000 Euro in dem sie Waren online zum Kauf anboten aber nicht lieferten. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Weil sie in 53 Fällen hochwertige Elektroartikel im Internet zum Kauf angeboten, die Ware dann aber nicht geliefert hatten, hat das Amtsgericht Osnabrück eine 22-jährige Frau und einen 25-jährigen Mann aus Osnabrück wegen Betrugs verurteilt.

28.949,77 Euro – diese stolze Summe eignete sich das Duo zwischen Januar und September 2017 insgesamt widerrechtlich an. Die Frau, damals 19, lebte, wie heute auch, mit ihrer Mutter zusammen. Die beiden Frauen bestritten ihr Leben aus der staatlichen Grundsicherung. Beide häuften nebenbei aber auch Schulden an. Ihre Mutter habe nicht mit Geld umgehen können, sagte die junge Frau nun vor Gericht. Auch sie selbst habe eine Kaufsucht und leide zudem unter Depressionen. Seinerzeit habe sie gerade ihren Nebenjob verloren. "Es war zu erdrückend für mich". 

Bekannten nach Betrugstipps gefragt

Bei dem heute 25-jährigen Bekannte habe sie sich daraufhin informiert, wie man über eine Auktionsseite im Internet und mithilfe sozialer Medien an Geld kommen kann – und zwar illegal. Denn der Mann kannte sich mit so etwas aus: Er war wegen ähnlicher Delikte bereits zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. 

Daraufhin bot die Frau hochwertige Smartphones, Spielekonsolen oder Tablet-PC im Internet an, in einem Fall auch einen Laptop für 2400 Euro. Alle Waren hatten eins gemeinsam: Die angebliche Verkäuferin besaß sie überhaupt nicht und hatte somit auch niemals vor, sie den Käufern zuzuschicken, die per Vorkasse dafür bezahlten. Meist legte sie dafür auf der Auktionsseite fiktive Benutzerkonten an. Außerdem eröffnete die 22-Jährige über ihr Smartphone immer wieder Konten bei Online-Banken, auf die die Käufer das Geld überweisen sollten. Von dort transferierte sie es dann auf ihr eigentliches Konto.

Kleidung gekauft, Schulden bezahlt

Diese Masche funktionierte zunächst auch. Von dem erhaltenen Geld habe sie Lebensmittel, Kleidung oder auch Pflegeartikel gekauft, berichtete die 22-Jährige. Außerdem habe sie damit einen Teil der Schulden ihrer Mutter beglichen.

In insgesamt neun Fällen half ihr der 25-jährige Bekannte bei der Tatausübung. Er erstellte zum Beispiel seinerseits falsche Benutzerkonten und gab ihr wertvolle Tipps. Die Schadenssumme der Taten, an denen er beteiligt war, beläuft sich auf 8450,98 Euro. Davon habe er etwa ein Drittel erhalten, hieß es vor Gericht, der Rest sei seiner Komplizin zugute gekommen. 

Trotz Durchsuchung weitergemacht

Im April 2017 durchsuchte die Polizei die Wohnung der Frau und beschlagnahmte ein Smartphone und einen Tablet-PC. Doch anstatt nun mit den Betrügereien aufzuhören, machte die heute 22-Jährige einfach weiter. Sie eröffnete mit den Personalien ihrer unwissenden Mutter weitere Bankkonten und bot erneut Waren feil, die sie gar nicht besaß.

Das Jugendschöffengericht, das für den Fall zuständig war, weil die junge Frau zur Tatzeit unter 21 Jahre alt war, sah in diesem Tun einen gewerbsmäßigen, teils gemeinschaftlich begangenen Betrug. Zur Tatzeit seien bei der jungen Frau sogenannte "schädliche Neigungen" zu erkennen gewesen, sprich, die Frau habe eine "erhebliche kriminelle Energie" gehabt und weitere Taten seien von ihr zu erwarten gewesen. 

Um eine Freiheitsstrafe rechtfertigen zu können, müssen die "schädlichen Neigungen" laut Jugendstrafrecht aber nicht nur zum Tatzeitpunkt, sondern auch zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung erkennbar sein. Diese Regelung ersparte der jungen Frau jetzt eine entsprechende Verurteilung – denn seit den Betrügereien im Jahr 2017 ist sie nicht erneut strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Diverse Bewährungsauflagen

Ganz aus dem Schneider ist sie damit allerdings nicht. Denn das Gericht setzte die Entscheidung zur Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus. Sollte sich die 22-Jährige in absehbarer Zeit also wieder etwas zuschulden kommen lassen, kann die Verurteilung zu einer Jugendstrafe sozusagen nachgeholt werden – ob mit oder ohne Bewährung, wäre dann zu diskutieren. Um eine Verurteilung zu vermeiden, muss sie außerdem 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten, eine Psychotherapie gegen ihre Kaufsucht absolvieren, den Kontakt zur Schuldnerberatung suchen und "nach besten Kräften" versuchen, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Auch ihr Komplize muss nicht ins Gefängnis. Zum einen stufte das Gericht seine Tatbeteiligung nicht als gewerbsmäßigen Betrug sein, da er selbst damit nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten wollte. Zum anderen attestierte ihm die Richterin eine positive Sozialprognose. Wegen gemeinschaftlich begangenen Betrugs in neun Fällen erhielt er nach Erwachsenenstrafrecht eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Darin einbezogen sind zwei weitere Urteile gegen ihn aus den Jahren 2016 und 2017.


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