Soul mit den Gänsehaut-Brüdern Big Daddy Wilson gastiert am Donnerstag im Blue Note

Big Daddy Wilson bei einer Blues Session in der Lagerhalle Osnabrück im Dezember 2014. Fotograf: André HavergoBig Daddy Wilson bei einer Blues Session in der Lagerhalle Osnabrück im Dezember 2014. Fotograf: André Havergo

Osnabrück. Ein Amerikaner, der in Deutschland seine zweite Heimat gefunden hat und hier mit dem Bluesvirus infiziert wurde – das ist Big Daddy Wilson, der am Donnerstag mit seiner Band in Osnabrück einen Zwischenstopp einlegt.

Was haben Bluesmusiker wie Champion Jack Dupree, Louisiana Red und Luther Allison gemeinsam? Alle gingen nach Europa, um hier zu leben und um hier als Musiker zu existieren. Nicht so Big Daddy Wilson. Der Sänger, der 1960 in North Carolina das Licht der Welt erblickte, lebt zwar schon seit Jahrzehnten in Deutschland, aber er gehört nicht zu den Musikern, die den Blues im Gepäck hatten, als sie sich nach Europa aufmachten. Zwar hat der kleine Wilson, ein schüchterner Junge, im Kirchenchor gesungen, aber mit Blues und Soul wurde er erst infiziert, nachdem als er als Soldat nach Deutschland gekommen war. Hier lernte er seine Frau Anna kennen, er heiratete, sah sich Konzerte an und dann wusste er: Die Musik ist mein Leben.

International gefragt

Mittlerweile ist der Mann mit der tiefen, gefühlvollen Stimme in der ganzen Welt gefragt. „2016 habe ich mit meiner Band eine Tournee durch Australien absolviert. Großartig. Wir mussten lange Strecken reisen“, erinnert sich Big Daddy Wilson im Interview mit unserer Zeitung. In dieser Woche steht Osnabrück auf seinem Tourplan. 2007 war er schon einmal in der Hasestadt zu Gast. Damals wurde er von den Mitgliedern der Blues Company begleitet. 2010 eröffnete er mit dem Gitarristen Michael van Merwyk die Blues Lawine im Duoformat. Jetzt hat er seine eigene Band im Schlepptau. „Mit den Jungs bin ich bereits seit mehr als vier Jahren unterwegs. Es sind alles Italiener, großartige Musiker. Es macht sehr viel Spaß, mit ihnen auf der Bühne zu stehen. Ich nenne sie die Goose Bumps Bros, die Gänsehaut-Brüder“, sagt der Mann, der sich gern hinter seiner Sonnenbrille versteckt.

Mit den Songs von seinem 15. Album will er dem Publikum im Blue Note Gänsehaut machen. Es heißt „Deep In My Soul“ und er hat es in den USA aufgenommen. „Wir sind nach Memphis gereist und haben die Songs im Studio von Jim Gaines aufgenommen, der schon Carlos Santana und Stevie Ray Vaughan produziert hat“, erzählt Wilson. Später haben sie das Material in den legendären Muscle Shoals-Studios verfeinert, in dem früher Etta James, Aretha Franklin und andere Soulstars ein- und ausgingen. Die Atmosphäre dort hat offenbar Einfluss auf die Songs von Big Daddy Wilson genommen. Es ist die Musik des amerikanischen Südens, die er gesungen hat, und sie hat sehr viel Soul.

Zurück zu den Wurzeln

Zu seinen Wurzeln ging er mit der Produktion zurück. Aber er war froh, als er wieder zurück in Deutschland war. „Hier bekomme kein Heimweh nach Amerika. Zwar vermisse ich manchmal meine Geschwister und Verwandte, die dort leben, aber Deutschland ist meine zweite Heimat geworden. Meine Frau, meine Kinder und Enkel leben hier, das ist wichtig. Die Familie ist das Rückgrat unserer Existenz. Dazu gehören auch gute Freunde und meine Bluesfamilie. Tosho Todorovic von der Blues Company gehört beispielsweise zu dieser Bluesfamilie, die ich nicht missen möchte.“ Und dann verrät der Musiker, was er an Deutschland außer seiner Familie am meisten mag: „Ich liebe es, wie die Deutschen ihr Leben gestalten, sehr bewusst. Und ich brauche mir keine Sorgen um meine Kinder und Enkel zu machen, weil sie hier in Sicherheit aufwachsen.“

Big Daddy Wilson & The Goosebumps Brothers: Donnerstag, 19. September, 20 Uhr, Blue Note.


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