Musikalische Völkerverständigung Musica Viva in der Ehemaligen Kirche in Hagen eröffnet

MusicaViva2019 Eröffnungskonzert: Hesperion XXI Barcelona mit Jordi Savall, Leitung und Viola da Gamba. Foto: Thomas OsterfeldMusicaViva2019 Eröffnungskonzert: Hesperion XXI Barcelona mit Jordi Savall, Leitung und Viola da Gamba. Foto: Thomas Osterfeld

Hagen. Festivalleiter Herbert Vieth begrüßte zur Eröffnung von Musica Viva, dem internationalen Musikfestival im Osnabrücker Land, den katalanischen Gamben-Virtuosen Jordi Savall und sein Ensemble Hesperion XXI in der Ehemalige Kirche in Hagen. Das Publikum honorierte die mitreißenden Darbietungen auf historischen Instrumenten mit stehenden Ovationen.

Die Kastagnetten klacken im Rhythmus und die Barockgitarre sowie die Harfe legen ein Fundament für die Gambe, die einen katalanischen Tanz spielt. Es sind exotische Klänge, die durch die Ehemalige Kirche in Hagen drängen. Andererseits sind die Töne aber auch vertraut, denn Festivals mit ihren Live-Konzerten und das Angebot im Internet machen die Musik der verschiedenen Kulturen der Welt und auch die historischen Klänge unserer Urväter allseits verfügbar. So bricht auch das internationale Musikfestival Musica Viva Jahr für Jahr eine Lanze für die Aufführungstechniken der Alten Musik, für antike Musikinstrumente und die Klangfusionen, die unter „Weltmusik“ geführt werden.

Koryphäe auf der Gambe

„Der Begriff ist ein wenig abgegriffen, aber es geht um Völkerverständigung. Den interkulturellen Dialog wollen wir hier mit Leben füllen“ erklärt Festivalleiter Herbert Vieth zur Eröffnung von Musica Viva. Dazu hat er als ersten Gast eine Koryphäe in die ausverkaufte Ehemalige Kirche in Hagen eingeladen, der zur Erfüllung seiner Wünsche nicht besser geeignet sein könnte: Jordi Savall. Der Katalane spielt die Gambe, ein sechssaitiges Streichinstrument, das seine Hochzeit im Barock hatte. Savall ist es zu verdanken, dass die auch als Schoßgeige bezeichnete Viola da Gamba eine Renaissance erfuhr. Er war es auch, der verschollen geglaubte Barockliteratur ausgrub und wieder zur Aufführung brachte.

MusicaViva2019 Eröffnungskonzert: Jordi Savall, Viola da Gamba. Foto: Thomas Osterfeld

Zu Eröffnung von Musica Viva hat er das Ensemble Hesperion XXI mitgebracht: Xavier Diaz-Latorre spielt die Barockgitarre, Andrew Lawrence-King Harfe und Daniel Garay besticht mit diversen Perkussionsinstrumenten. Exakt treten er und seine Kastagnetten beim eingangs erwähnten Stück von Antonio Martin y Coll mit der Gambe in einen begeisternden Dialog. Die verschiedenen Schattierungen der „Folia“, eines portugiesischen Tanzes, der auch in Spanien und im Mittelmeerraum praktiziert wurde, kommen hier voller Esprit zum Ausdruck.

Virtuos gespielte Klangpalette

Es ist eine wahre Pracht, wie Savall die oft heiteren, aber manchmal auch melancholisch-verhaltenen Melodien der Komponisten aufnimmt, um sie improvisierend zu variieren. Vom fülligen Tiefton der Bassgambe bis zu den experimentell zwitschernden Pfeiftönen, die er der Tenorviola entlockt, reicht die virtuos gespielte Klangpalette. Dabei wird er der Einordnung seiner Musik in die Kategorie Weltmusik mehr als gerecht, indem er katalanische Folklore, mediterrane Anklänge sowie keltischen Folk und bisweilen auch arabische Einflüsse hörbar macht.

Stradivari-Harfe im Gepäck

Eine Überraschung hat Harfenist Lawrence-King auf Lager: Erstmals hat er den Nachbau einer Stradivari-Harfe im Gepäck, einem wenig bekannten Instrument des weltbekannten Geigenbauers. Wunderschön die Komposition von Santiago de Murcia, die er, begleitet von dem Gitarristen, auf dem kleinen, kompakten Instrument darbietet.

Mit einem südamerikanisch angehauchten Stück und einer Musette, bei der Diaz-Latorre die Gitarre gegen eine imposante Langhalslaute eintauscht, verabschieden sich Jordi Savall und Hesperion XXI von einem begeisterten Publikum, das stehende Ovationen spendet.


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