Diskussionsrunde in Osnabrück Laumann: Pflege funktioniert nicht ohne Unterstützung der Familie

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Osnabrück. Derzeit dominiert das Thema Klimapolitik fast alle politischen Diskussionen. Aber auch die soziale Frage birgt weiter Konfliktpotenzial. Aus diesem Grund hatten die Osnabrücker Christdemokraten nun den CDU-Sozialexperten Karl-Josef Laumann zu einer Diskussionsrunde eingeladen.

Laumann ist nicht nur Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit in Nordrhein-Westfalen, sondern zeichnet sich auch durch jahrelange Erfahrung aus, die er als Bundestagsabgeordneter und Pflegebeauftragter der Bundesregierung gesammelt hat. 

Bei der Diskussionsrunde, die die Osnabrücker CDU und die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) organisiert hatten, sollte ursprünglich über Arbeit, Rente, Kranken- und Altenpflege sowie über bezahlbares Wohnen gesprochen werden.  

Rund 50 interessierte Besucher

Nachdem sich der Minister aufgrund eines Staus aber um etwa 50 Minuten verspätet hatte, wurde in der kurzen verbleibenden Zeit vor allem über das Thema Pflege gesprochen und durchaus kontrovers diskutiert. Denn neben Minister Laumann und dem Osnabrücker CDU-Chef Fritz Brickwedde waren rund 50 interessierte Besucher in die Katholische Familienbildungsstätte gekommen, darunter auch einige Kranken- und Altenpfleger.

Niedersachsen ist Schlusslicht bei Bezahlung von Pflegepersonal

"Wenn wir beklagen, dass es Wartelisten in Altenheimen gibt, zeigt das, dass wir keine Probleme haben, Patienten zu finden. Es zeigt, dass wir Probleme haben, Pflegepersonal zu finden", sagte Laumann zu Beginn. Aus NRW berichtete er, dass dort aktuell rund 12.000 Menschen eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. "So viele Auszubildende in diesem Bereich gab es nie zuvor." Er gab aber zu bedenken, dass Pflegepersonal in keinem anderen Bundesland so schlecht bezahlt werde wie in Niedersachsen.

Zuwanderung von Pflege- und Betreuungskräften unausweichlich

Mit der Reform des Pflegeberufegesetzes wird das Schulgeld für die Ausbildung in Pflegeberufen ab 2020 abgeschafft. Ein wesentliches Ziel ist es, dass so künftig ausreichend qualifizierte Pflegefachkräfte ausgebildet werden und die Attraktivität des Pflegeberufes insgesamt erhöht wird. Das scheint dringend nötig. "Jedes Jahr steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen um zwei bis drei Prozent", sagte Laumann. "Aber wir werden nicht so viele Leute für Pflegeberufe finden, wie wir sie benötigen." Eine Zuwanderung von Pflege- und Betreuungskräften hält der Minister deshalb für unausweichlich, gab aber auch zu bedenken: "Die Leute sollen sich mal fragen, ob es so klasse ist, sonntags die AfD zu wählen und montags auf die zugewanderte Pflegekraft zu warten."

1600 Euro für eine voll examinierte Pflegekraft

Ein Pfleger, der seit 40 Jahren in seinem Beruf arbeitet, berichtete von Arbeitsbedingungen, Bezahlung und davon, wie Mitarbeiter entlassen und über Leiharbeitsfirmen zu schlechteren Bedingungen wieder eingestellt wurden. "Es kann nicht sein, dass eine voll examinierte Pflegekraft nur 1600 Euro verdient, jedes Wochenende arbeitet, Schichtdienst arbeitet", so der spürbar aufgebrachte Pfleger, der außerdem davon berichtete, dass das Pflegepersonal mit Streiks drohe.

Pflege funktioniert nicht ohne familiäres Umfeld

"Das müssen Sie sich auch nicht gefallen lassen", sagte Karl-Josef Laumann. "Wir brauchen eine professionelle Organisation der Pflege, damit nicht mehr über die Köpfe des Pflegepersonals hinweg entschieden wird", bekannte sich der Sozialexperte zur Pflegekammer. "Letztendlich wird die Pflege aber nicht ohne familiäres Umfeld funktionieren. Denn das, was Pflegebedürftige an Liebe und Geborgenheit brauchen, werden wir nicht über Pflegepersonal leisten können."


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