Blick hinter die Fassade Kunst-und Medienprojekt im Friedenszentrum regt an zum genauen Hinsehen

Die Konfrontation mit Gedrucktem suchen Uwe Appold (im Bild) und Stephan Richter mit ihrer Ausstellung im  Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum. Foto: Andre HavergoDie Konfrontation mit Gedrucktem suchen Uwe Appold (im Bild) und Stephan Richter mit ihrer Ausstellung im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum. Foto: Andre Havergo

Osnabrück. Um Hinschauen und Hinterfragen von Medienpropaganda geht es in dem Kunst- und Medienprojekt "m 3- Medien - Message - Massage. Konfrontation mit Gedrucktem", das am Donnerstag im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum eröffnet wurde.

Auf einer Werbe-Feldpostkarte des Jahres 1914 knabbert ein Soldat genüsslich an einem Butterkeks. Als entlarvenden Kommentar dazu zeigt die Rückseite des Bildes einen durchlöcherten Butterkeks. Umgeben ist das zweiseitige Objekt von einem keksförmigen Rahmen, der mit einer kleinen schwarz-weiß-roten Kriegsfahne bemalt ist.

Blick hinter die Propaganda-Fassade

Gerade dieser zweite Blick hinter die Propaganda-Fassade macht das Medium zur Medienkritik, indem es den Betrachter mit Bildern und Wörtern konfrontiert, die das kritische Bewusstsein manipulieren und geradezu "massieren". 

"m 3 - Medien - Message - Massage. Konfrontation mit Gedrucktem" lautet denn auch der Titel des von Uwe Appold und Stephan Richter gestalteten Kunst- und Medienprojekts, das vom 12. September bis zum 17. November im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zu sehen ist. Am Donnerstag führte Uwe Appold nach den Begrüßungsworten von Bürgermeisterin Birgit Strangmann in die Ausstellung ein.

Zu sehen sind 50 ausgewählte Kunstobjekte, die der bei Flensburg lebende Maler und Bildhauer zusammen mit dem Journalisten Stephan Richter konzipiert, erstellt und erarbeitet hat. Mit Hilfe von Holzrahmen, Metallspangen und Magneten verwandelten die beiden Original-Zeitungen und Drucksachen aus 300 Jahren in Objekte, die zum Nachdenken über den Medienwandel und die Folgen für die öffentliche und politische Kommunikation anregen sollen. Dabei lenken die Künstler das Augenmerk bewusst auf oftmals Banales und Alltägliches in der Nachrichtenflut. Zu jeden Kunstobjekt hat Uwe Appold ergänzend zur Original-Zeitung Zeichnungen und Collagen geschaffen, in denen er einzelne Schlagzeilen, Fotos oder Anzeigen aufgreift.

Bearbeitungen eröffnen bittere Zugänge

So verweist etwa die Rückseite des Objekts mit dem Titelbild des patriotischen Kinderbuchs "Nesthäkchen und der Weltkrieg" auf das Schicksal der Autorin Else Ury, die 1943 als Jüdin in Auschwitz ermordet wurde. Geradezu bedrohlich wirkt wiederum der grün-rote Rahmen mit spitzen Nägeln, in dem eine Seite der Feldzeitung "Zwischen Maas und Mosel" von Weihnachten 1916 steckt, auf der man sich in rührseligen Versen über eine zur Kanone umgeschmolzenen Kirchenglocke ergeht. Ein augenscheinlich aus der NS-Zeit stammendes Werbebild, auf dem ein properer blonder Junge mit Matrosenkragen kein unordentlicher "Struwwelpeter" sein will und Muttis Mühe um seine Frisur mit "Dr. Dralle´s Birkenwasser" anpreist, wurde wiederum um einem bitteren Zusatz ergänzt: "Vati hat sich auch viel Mühe gegeben. Er ist mit seinem Schiff gesunken und kommt nie wieder."   

Dass ungeprüfte Fakten und "Meinungsmache" bis in die jüngere Vergangenheit reichen, ist etwa an einem Objekt zu sehen, das den "Stern"-Skandal um die angeblichen Hitler-Tagebücher thematisiert. Zudem gibt ein Original-Exemplar der "Wöchentlichen Osnabrückische Anzeigen" von 1783 Auskunft über Denken und Schwerpunkte jener Zeit. 

Die Ausstellung ist bis zum 17. November im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zu sehen. Öffnungszeiten Di. bis Fr. 10-13 Uhr und 15-17 Uhr. Sa. und So. 11-17 Uhr.        


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