Kunst in der Friedhofskapelle Installation von Hiltrud Schäfer und Wilfried Bohne auf dem Hasefriedhof

Mahnung an die Vergänglichkeit:  Die Körperhüllen aus Papier sind Teil der neuen Ausstellung von Hiltrud Schäfer und der Wilfried Bohne in der Kapelle auf dem Hasefriedhof. Foto: Michael GründelMahnung an die Vergänglichkeit: Die Körperhüllen aus Papier sind Teil der neuen Ausstellung von Hiltrud Schäfer und der Wilfried Bohne in der Kapelle auf dem Hasefriedhof. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Krieg, Tod und die Vergänglichkeit des Seins thematisieren Hiltrud Schäfer und Wilfried Bohne mit einer Rauminstallation in der Kapelle Hasefriedhof.

Bilder mit Totenköpfen an den Wänden und mitten im Raum drei Körperhüllen aus Papier, die an die Vergänglichkeit des Seins gemahnen: So präsentiert sich zurzeit die Kapelle auf dem Hasefriedhof. Hiltrud Schäfer und der Wilfried Bohne haben sich, inspiriert von einem Erich Kästner-Gedicht, den außergewöhnlichen Ort künstlerisch angeeignet. „Die Maulwürfe oder Euer Wille geschehe“ nannte der Schriftsteller, der eigentlich durch spannende Kinderbücher bekannt wurde, die Verse, die Bohne in einer Anthologie entdeckt hatte. Es ist die düstere Vision einer Welt, in der Menschen untertage in „Kellerstädten“ leben müssen, weil die Erde verseucht wurde. Vielleicht hatte Kästner 1951 die von Atombomben zerstörten Städte Hiroshima und Nagasaki vor Augen, als er dieses Gedicht schrieb. Jedenfalls war Bohne nach der Lektüre des Poems so erschüttert, dass er die Dystopie sogleich in Bilder umsetzte.

Als die Osnabrücker Künstlerinitiative TOPOS eine Ausstellungsreihe an ungewöhnlichen Orten startete, erinnerten sich Schäfer und Bohne an das Kästner-Gedicht und wählten, wie zuvor schon ihre Kollegin Christine Hoffmann, die Friedhofskapelle als Ort für ihre Rauinstallation aus. Kombiniert wird Bohnes Bildzyklus, den er mit Zitaten aus dem Gedicht anreicherte, mit den drei Objekten von Hiltrud Schäfer. Unter dem Titel „Wenn der Himmel die Erde berührt“ hatte sie die Körperhüllen schon einmal in Hannover ausgestellt. Jetzt passen sie sich sehr gut dem inhaltlichen und auch räumlichen Rahmen an, denn umgeben von Gräbern und animiert von Kästners Gedicht setzten sie viele Assoziationen zum Tod und auch zu verschiedenen Beerdigungstraditionen frei. Ein großer Haufen aus Leinwand gefertigter Knochen sowie Papierabformungen einer alten Wandverzierung, die Schäfer bei Renovierungsarbeiten an der Außenwand der Kapelle retten konnte, vervollständigen die Installation.

Foto: Michael Gründel

Kapelle Hasefriedhof: Rauminstallation von Hiltrud Schäfer und Wilfried Bohne. Geöffnet am 14.9. (15-19 Uhr), 15.9. (11-16 Uhr), 19.9. (16-19 Uhr), 21.9. (15-19 Uhr) und am 22.9. (11-16 Uhr).


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