Filmmusik mal anders Pianist David Helbock interpretiert Kompositionen von John Williams

David Helbock – Solopiano CD Präsentationskonzert – „Playing John Williams” im Blue Note. Foto: Andre HavergoDavid Helbock – Solopiano CD Präsentationskonzert – „Playing John Williams” im Blue Note. Foto: Andre Havergo

Osnabrück. Ob „Superman“, „Starwars“ oder „Indiana Jones“, der österreichische Pianist David Helbock bearbeitete im Blue Note beliebte Filmmelodien des Komponisten John Williams und schreckte vor Experimenten nicht zurück.

Sanfte Jazzmotive entlockt der Pianist dem Flügel im Blue Note. Nach und nach kristallisiert sich eine bekannte Melodie aus den romantischen Tönen heraus. Der Zuhörer sieht sich unmittelbar nach Hogwarts versetzt, wo Harry Potter sich mit seiner Schneeeule beschäftigt. Denn es ist „Hedwig´s Theme“, das von dem Pianisten einfallsreich variiert wird. Schon bald drängt ein anderes Motiv ans Ohr, bei dem Szenen eines Filmes vor dem geistigen Auge entstehen: Es ist die Titelmelodie des Steven Spielbergfilms „E. T.“, der hier eine ganz eigene Handschrift verpasst wird.

Experimentierfreude

Spätestens jetzt wird dem Konzertbesucher klar, dass der österreichische Pianist David Helbock ein Programm serviert, das komplett aus Interpretationen von Filmmusiken des berühmten Komponisten John Williams besteht. Ob „Superman“, „Starwars“ oder „Indiana Jones“, bei jedem Stück lassen sich bekannte Motive entdecken, die Helbock versiert mit seinen eigenen Fantasien und Assoziationen anreichert. Dabei legt er keinen Wert auf Konventionen, denn er nutzt den Flügel im Blue Note als Experimentierfeld. Mal entsteht ein besonderer Effekt, wenn er kleine Stäbchen zwischen Tasten und Korpus oder einzelne Saiten schiebt. Dann stellt er einen Karton ins Innenleben des Flügels, der sich dezent mit rasselnden Geräuschen bemerkbar macht. Oder er dämpft mit den Fingern bestimmte Saiten, derweil er mit dem Fingernagel ganze Akkorde anschlägt. Sogar einen E-Bow setzt er ein, ein elektromagnetisches Gerät, das eigentlich entwickelt wurde, um Gitarren einen lang anhaltenden, gleichmäßigen Ton zu entlocken.

Eigene Klasse

Diese Sperenzien könnten als ärgerlich angesehen werden, wäre Helbock nicht ein so ausgezeichneter Pianist. Es ist geradezu fantastisch, wie er mit Williams´ Motiven spielt, wie er von fulminantem Bombast zu minimalistischen Tonfolgen laviert, gern auch mal die obersten Oktaven des Flügels bedient, die andere Pianisten oftmals als zu trocken oder hölzern empfinden. Da geraten die experimentellen Spielereien im Korpus des Flügels eher zu besonderen I-Tüpfelchen.

„Jetzt spiele ich eine der schönsten Kompositionen von John Williams“, erklärt Helbock alsbald und intoniert variantenreich das Thema des Films „Schindlers Liste“. Aber auch unbekanntere Filmmusiken wie die von „Sieben Jahre in Tibet“ nimmt er sich vor, bis er mit einer wilden Bearbeitung der „Star Wars“-Melodie seine wahrlich spannende CD-Präsentation beendet.


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