Schwierige Familienbande Adriana Altaras präsentiert ihr viertes Buch in Osnabrück

Adriana Altaras liest aus ihrem Buch "Die jüdische Souffleuse" im Theater Osnabrück. Hier hat sie bereits mehrfach inszeniert, demnächst "Falstaff". Foto: Swaantje HehmannAdriana Altaras liest aus ihrem Buch "Die jüdische Souffleuse" im Theater Osnabrück. Hier hat sie bereits mehrfach inszeniert, demnächst "Falstaff". Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück . In einer gelungenen Mischung aus Lesung und Gespräch präsentierte Regisseurin Adriana Altaras am Dienstag im Oberen Foyer des Theaters am Domhof bei der "Literaturspot"-Lesung ihren Roman "Die jüdische Souffleuse" und tauschte sich mit Intendant Ralf Waldschmidt aus.

Wenn Adriana Altaras vorliest, unterstreicht sie ihre Worte gerne mit temperamentvollen Gesten und lebhaften Betonungen. Als sie etwa die lässige Haltung ihres Roman-Intendanten Karl demonstrieren will, legt sie kurzerhand ein Bein auf den niedrigen Tisch vor sich. Wenn sie dagegen ihre jüdische Souffleuse sprechen lässt, verfällt sie in ein verschüchtertes Wispern. Und als ihr literarisches Alter Ego auf eine angenehmere Unterkunft pocht und mit der Antwort abgespeist wird, als Gast-Regisseurin sei sie doch sowieso die meiste Zeit im Theater, wirft Adriana Altaras über ihre Lesebrille hinweg vielsagende Blicke zu ihrem Gesprächspartner Ralf Waldschmidt. Als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin weiß sie sich eben in allen drei Sparten zu behaupten. 

Ein lässiger Typ: Adriana Altaras im Habitus ihres Roman-Intendanten Karl aus ihrem Buch "Die jüdische Souffleuse" im Theater Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Das bewies Adriana Altaras einmal mehr am Dienstag, als sie im gut besuchten Oberen Foyer des Theaters am Domhof bei der "Literaturspot"-Veranstaltung (Kooperation Dombuchhandlung und Theater) aus ihrem aktuellen Buch "Die jüdische Souffleuse" las und sich mit Intendant Ralf Waldschmidt unterhielt. 

Nachdem sie am Osnabrücker Theater bereits das Musical "Anatevka" und die Opern "Carmen" und "Rigoletto" erfolgreich inszeniert hat, bereitet Adriana Altaras derzeit mit Giuseppe Verdis Alterswerk "Falstaff" ihre vierte Regiearbeit in der Hasestadt vor. Parallel dazu stellte das Multitalent auch diesmal sein neuestes Buch. Während Altaras in "Titos Brille" (2011), "Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus" (2014) und "Das Meer und ich waren im besten Alter" (2017) aus ihrem familiären Nähkästchen plaudert, wendet sie sich in ihrem Roman "Die jüdische Souffleuse" dem familiären Miteinander am Theater zu, das sie mit eigenen (Berufs-)Erfahrungen und historisch verbürgten Geschehnissen kreativ mischt. Denn auch Altaras´ literarisches Alter Ego inszeniert an einem Theater eine Oper, wo sie die ebenso aufdringliche wie seltsam verhuschte Souffleuse Susanne kennen lernt. Die heißt eigentlich Sissele, ist wie Adriana Altaras Jüdin und bittet die Regisseurin, ihr bei der Suche nach ihrer nach dem Zweiten Weltkrieg verstreuten Familie zu helfen. 

Für die 1960 im kroatischen Zagreb geborene Altaras bilden Holocaust und Judentum "einen ganz großen Teil meiner Geschichte". Und so fungiert ihre Sissele als eine Figur, die für die Frage nach Schuld, Mitschuld und Opfer steht. In Sisseles Fall bedeutet das die Auseinandersetzung mit dem Schicksal ihres Vaters, einem seelisch zerstörten Auschwitz-Überlebenden. 

Angesprochen auf heutige rechtspopulistische Strömungen, hob Altaras die Demokratie als einzig mögliche Staatsform hervor, sprach die Sorgen von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier an und meinte: "Ich habe nur die eine Welt." Sie sei keine Missionarin, hatte sie zuvor erklärt - um mit dem ihr eigenen Witz nachzuschieben: "Obwohl mir die Kutte auch stehen würde."

Ein Podiumsgespräch zum Thema "Nazi-Parodien in Film und Theater" mit Adriana Altaras, Journalist und Regisseur Rüdiger Suchsland und Michael Gander von der Gedächtnisstätte Gestapokeller und Augustaschacht findet am 17. September um 20 Uhr im Oberen Foyer des Theaters am Domhof statt. 

Die Premiere von Adriana Altaras "Falstaff"-Inszenierung findet am 28. September um 19.30 Uhr im Theater am Domhof statt.        

Zum Buch: Adriana Altaras. "Die jüdische Souffleuse". Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018. 203 Seiten. 20 Euro. ISBN 978-3-462-05199-5. 


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