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Verbindungen zu EWE Sonne scheint nicht mehr für Sunos: Solarfrma aus Osnabrück zahlungsunfähig

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Als Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius Sunos im Jahr 2009 besuchte, schien Frank Hemmes (rechts) Firma noch eine große Zukunft zu haben. Foto: Klaus LindemannAls Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius Sunos im Jahr 2009 besuchte, schien Frank Hemmes (rechts) Firma noch eine große Zukunft zu haben. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Die Zukunft strahlte hell für die Osnabrücker Fotovoltaik-Firma Sunos Solarpower – zumindest nach Angaben des Firmenchefs Frank Hemme. 300 Prozent Wachstum prognostizierte er noch 2010. Jetzt haben Gläubiger einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen ist pleite. Laut Chef vom Sog der Solar-Förderkürzungen in den Abgrund gerissen.

Von Dirk Fisser und Christian Schaudwet

 

Dabei gab sich Hemme im März im Gespräch mit unserer Zeitung zuversichtlich. Während seine Kollegen aus der Solarbranche da schon stöhnten, sagte der Osnabrücker Anlagenbauer noch: Die Einschnitte seien „notwendig“, die Fotovoltaik sei ohnehin schon „überfördert“.

Mit seinen Prognosen lag der Firmenchef ordentlich daneben. „Lediglich kleine Firmen ohne Firmenphilosophie werden es schwer haben“, meinte er und ergänzte: Wer sich dauerhaft auf dem Solarmarkt behaupten wolle, müsse „möglichst schnell wachsen“.

Nach Informationen unserer Zeitung soll Sunos Osnabrück bereits 2011 seinen Zahlungsverpflichtungen nur noch zum Teil nachgekommen sein. Schon damals schien es schlecht um den Anlagenbauer zu stehen, der unter anderem die Solaranlagen auf dem Dach des Stadtwerke-Busdepots und auf dem Stadion des VfL Osnabrück errichtet hat. Beim VfL war Sunos einer der großen Sponsoren, zudem stellte das Unternehmen ein Radrenn-Team auf die Beine.

Wie von Geschäftsführer Hemme vorgegeben, suchte Sunos sein Glück in der Expansion. Tochtergesellschaften schossen aus dem Boden: in Münster, Minden und Kulmbach. Die Töchter existieren noch und bleiben von der Pleite der Sunos Osnabrück laut Hemme unberührt. Die verbliebenen Mitarbeiter aus Osnabrück seien mittlerweile dort tätig.

Erfolglos verliefen die Bemühungen, im Ausland Fuß zu fassen. Die Niederlassungen in Frankreich und Griechenland wurden wieder geschlossen. Zunächst sollte es noch nach England gehen, doch diesen Plan ließen die Verantwortlichen fallen.

„Das Unternehmen war einfach nicht mehr zu halten“, sagt Hemme heute. „Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass die Menschen so verunsichert sind und gar nicht mehr investieren.“ Er spricht von einer Investitionsstarre, von einer „schrecklichen Lage“ und einem „sehr schwierigen Markt“.

Ungefähr auf dem Höhepunkt des Solar-Goldrausches klopfte auch EWE an Hemmes Tür. Der Energieversorger aus Oldenburg stieg im August 2010 mit 26 Prozent bei der Happy Group Holding ein – eine Dachgesellschaft, in der unter anderem Sunos und Hemmes Dachdeckerfirma zusammenkamen. Geschäftsführer der Holding: Frank Hemme.

Ziel der Holding war laut deren Internetseite, Energien zu bündeln. „Deshalb arbeiten wir heute an den Konzepten von morgen“, heißt es dort vollmundig. Im Mittelpunkt standen Solarkraftwerke, die Häuser mit Energie vom eigenen Dach versorgen sollten – inklusive Speicherbatterien, die ein weiteres Osnabrücker Unternehmen entwickelt.

Das EWE-Investment in die Happy Group im Jahr 2010 vergrößerte die ohnehin vielköpfige Firmenfamilie, die EWE-Vorstandschef Werner Brinker um sich geschart hatte. Schon vor rund zehn Jahren war er auf Expansionskurs gegangen. Zum Wachstum im Strom- und Gasgeschäft kamen Telekommunikation – unter anderem die Osnabrücker Gesellschaft Osnatel –, Informationstechnologie, erneuerbare Energien und Elektromobilität.

EWE wurde größer, aber auch komplizierter. Zu kompliziert, meinen Kritiker wie der CDU-Politiker Dieter Baumann, Mitglied der Verbandsversammlung des EWE-Eigentümerverbandes: „Den Überblick über so viele Beteiligungen zu behalten ist für EWE kaum möglich.“

Im Jahr des EWE-Einstiegs bei der Happy Group war Sunos Osnabrück bereits stark unterkapitalisiert. Hemme erhoffte sich von dem expansionsfreudigen Energieversorger Unterstützung für seine großen Pläne, und die Oldenburger hielten Hemmes Solaraktivitäten offenbar für ein vielversprechendes Investment. Nach Informationen unserer Zeitung prüft EWE derzeit aber, aus der Holding auszusteigen.

Hemme bleibt trotz aller Rückschläge optimistisch: „Wir gucken nach vorne. Das Thema Solar ist nicht kleinzukriegen. Die Leute wollen das“, sagt er und hat schon neue Märkte im Visier: „Dänemark ist gerade ganz spannend“, und demnächst wolle Sunos auch in Schweden eine Niederlassung eröffnen.


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