Einladung zum Wortgeben Volkshochschule feiert Jubiläum mit „Langer Nacht“ und Mitmachaktion

Hingucker: Sigrid Sandmanns „Wortfindungsamt“ steht demnächst auch in Osnabrück. Foto: VHS/Sigrid SandmannHingucker: Sigrid Sandmanns „Wortfindungsamt“ steht demnächst auch in Osnabrück. Foto: VHS/Sigrid Sandmann

Osnabrück. Wie viele anderen Volkshochschulen der ersten Stunde auch, feiert die VHS Osnabrück in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag - mit einer "Langen Nacht" mit Schnupperworkshops und Live-Musik am 20. September ab 18 Uhr, aber auch mit dem "Wortfindungsamt", einem partizipatorischem Kunstprojekt von Sigrid Sandmann, das zehn Tage lang in der Stadt bleiben wird. Und dessen Ergebnisse noch darüber hinaus.

Oftmals fehlen einem die Worte. Zum 100-jährigen Jubiläum lädt die Volkshochschule (VHS) deshalb am 20. September neben und nach der Teilnahme an diversen Schnupperworkshops einfach zum Feiern mit Spaß und Live-Musik ein. Dabei sind Sprache und Worte das „Rohmaterial“ der meisten Kurse, die von der VHS Osnabrück angeboten werden, gibt ihr Geschäftsführer Tobias Pischel de Ascensao zu bedenken. Da passt es gut, dass man zum Jubiläum die Hamburger Aktionskünstlerin Sigrid Sandmann dafür gewinnen konnte, zehn Tage lang ihr „Wortfindungsamt“ erstmals auch in der Friedensstadt aufzustellen. 

Dabei handelt es sich um einen unübersehbar leuchtend pinkfarben Bauwagen, der zunächst drei Tage vor der VHS und dann auf dem Theatervorplatz Passanten dazu einladen wird, Lieblingsworte, spontane Wortideen oder Neuschöpfungen bei der selbsternannten „Kunstbeamtin“ förmlich zu beantragen. Diese werden dann auf Pappschilder gedruckt, die von den Urhebern der Worte an einem beliebigen, für sie persönlich passenden Ort im Stadtgebiet öffentlich, aber anonym platziert werden können. 

Zum Nachdenken anregen

Nur selten würden diese Schilder angefeindet oder sofort wieder entfernt, weiß die Künstlerin aus bisherigen Erfahrungen in anderen Städten zu berichten, wo das Projekt bereits sehr erfolgreich angenommen worden ist. Es gehe bei dieser „Mitmach-Aktion“ auch darum, bewusst zu irritieren und zum Stehenbleiben, Innehalten und Nachdenken anzuregen, indem man mit nur einem Wort im konkreten Lebensumfeld ganz „neue Bedeutungszusammenhänge erschafft“, erläutert Barbara Hartz von der VHS. 

An verschiedenen Orten in der Stadt werden Postkarten ausgelegt, auf denen man das Wort seiner Wahl eintragen und am Wortfindungsamt einwerfen kann. Dort kann man es aber überdies auch persönlich abgeben oder mündlich vortragen, was den Vorteil hat, dass man in den Genuss einer individuellen „Wortfindungsberatung“ inklusive Hilfestellungen bei „Wortfindungsstörungen“ durch die dort anwesende Künstlerin kommen könne, wie VHS-Geschäftsführer Tobias Pischel de Ascensao bemerkt. 

Orte anders wahrnehmen

Um das neue, vorübergehende „Pop-Up“-Amt formal genehmigen zu lassen, sah er sich seinerseits selbst mit „Amtsschimmel“ konfrontiert, verrät er überdies. „Wir müssen das ja nicht verstehen“, habe es mitunter aus dem Ordnungsamt geheißen. Dem kann aber nachgeholfen werden. Denn Sigrid Sandmanns Aktion diene auch einer spielerischen „Ironisierung des Amtlichen“, betont VHS-Programmbereichsleiterin Angelika Schlößer. So ließen sich mit „amtlich genehmigten“ Worten Orte in der Stadt anders wahrnehmen oder gar „umdeuten“. Dass dies ausgerechnet vom „Platz der Deutschen Einheit“ aus geschehen soll, wo genau das seit Jahren nicht funktioniert, entbehrt dabei auch nicht einer gewissen Ironie.


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