Von grünem Gold und Bio-Piraten Humboldt-Jubiläumsjahr: Ausstellung zu Pflanzenjägern im Botanischen Garten

Auf den großen und kleinen Infotafeln mit blauem Hintergrund kann man die Abenteuer der Entdecker nachlesen.Auf den großen und kleinen Infotafeln mit blauem Hintergrund kann man die Abenteuer der Entdecker nachlesen.

Osnabrück. Am 14. September 2019 ist es genau 250 Jahre her, dass Alexander von Humboldt geboren wurde. Der große Forschungsreisende ist spätestens seit der Verfilmung des Buches „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Das Jubiläumsjahr nimmt der Verband Botanischer Gärten zum Anlass für die Ausstellung „Forscher, Sammler, Pflanzenjäger – unterwegs mit Humboldt und Co.“, die noch bis zum 13. Oktober im Botanischen Garten in Osnabrück zu sehen ist.

Im Botanischen Garten können Besucher jetzt bei Spaziergängen auf zahlreichen im Garten verteilten Infotafeln  in die abenteuerlichen Geschichten der Pflanzensammler eintauchen und sich gleich dazu die echten Pflanzen ansehen - von der Pharaonin Hatschepsut bis ins 21. Jahrhundert. So erschließen sich manche Zusammenhänge ganz neu. 

Die prächtige Bougainvillea zum Beispiel, die in vielen Gärten Mauern und Zäune mit ihren dreieckig geformten Blüten schmückt, hat ihren Namen nach einem der ersten Weltumsegler: Der Franzose Louis Antoine de Bougainville kehrte 1769, in Humboldts Geburtsjahr, von seiner Expedition zurück. Mit an Bord hatte er, allerdings ohne es zu wissen, Jeanne Baret. Die französische Pflanzenforscherin war als Mann verkleidet, um die Reise in den Südpazifik mitmachen zu können.

Viel investiert und riskiert

Nicht nur Jeanne Baret riskierte viel: Humboldt investierte den größten Teil seines Vermögens, anderen setzten Gesundheit und Leben aufs Spiel, auch heute noch. Drei Giftschlangenbisse, gebrochene Arme und Schießereien mit Banditen bilanzierte der 1930 geborene Lüdenscheider Orchideensammler Clarence Klaus Herch.

Der Grund für ihren Einsatz war nicht nur Wissensdurst. Oft standen handfeste wirtschaftliche Interessen als Motor hinter den Expeditionen. So verschweigt die Ausstellung auch die dunklen Seiten der Pflanzenjagd nicht. Ein Beispiel: Die Ostindische Handelskompagnie etablierte 1621 ein Monopol auf Muskatnüsse, indem sie die Inselgruppe der Molukken, einziger Standort der Gewürzpflanze, unterwarf und dabei zwei Drittel der indigenen Bevölkerung auslöschte. Auch sorgte das sogenannte „Orchideenfieber“, die große Mode der Wohlhabenden, Orchideen zu kultivieren, schon im 19. Jahrhundert dafür, dass ganze tropische Wälder gerodet wurden.

Lehrreiche Tafeln

Exotische Namen, heilkräftige Pflanzen, ein Kaiser mit Gärtnerausbildung – es gibt noch viel mehr Spannendes zu entdecken in der Ausstellung. Zusätzlich zu den 15 großformatigen Tafeln gehen über 30 kleinere Tafeln auf einzelne Persönlichkeiten ein. Man erfährt, welchem Zufall es zu verdanken ist, dass die Araucarie nach Europa kam, wieso Pflanzensamen im Ziegenfutter versteckt geschmuggelt wurden, liest vom tragischen Schicksal des Mannes, nach dem die Douglasie benannt wurde.

Wer noch tiefer in die Welt der Pflanzensammler eintauchen möchte, kann für 6 Euro die dazugehörige 80-seitige Infobroschüre kaufen. Außerdem gibt es passend zu Humboldts Geburtstag am Sonntag, 15.September um 11 Uhr eine Führung zum Thema, Treffpunkt am Haupteingang in der Albrechtstraße.


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