Brandanschlag auf Mädchenschule Afghanischer Frauenverein in Osnabrück hofft auf schnelle Hilfe

Von Ulrike Schmidt

Aufräumen nach dem Anschlag: Schülerinnen übernehmen die Reinigung der russigen Wände und Böden. Foto: Afghanischer FrauenvereinAufräumen nach dem Anschlag: Schülerinnen übernehmen die Reinigung der russigen Wände und Böden. Foto: Afghanischer Frauenverein

Osnabrück. Die vom Afghanischen Frauenverein initiierte und finanzierte Bojasar-Mädchenschule bei Kabul ist Ende August bei einem Brandanschlag schwer beschädigt worden. Die Hilfsorganisation mit Sitz in Osnabrück setzt nach dem Schock auf schnelle Wiederaufbauhilfe.

„Es war ein gezielter Anschlag“, sagte die Vorsitzende Nadia Nashir im Gespräch mit unserer Redaktion. Mitten in der Nacht seien bewaffnete und maskierte Männer in das Gebäude eingedrungen. Das Wachpersonal, das auch in der Nacht in der Schule sei, habe gegen die Übermacht der Unbekannten keine Chance gehabt. „Zum Glück ist niemand verletzt worden“, zeigte sich Nashir erleichtert.  

Die nach einem Brandanschlag beschädigte Bojasar-Mädchenschule. Foto: Afghanischer Frauenverein

Aber am und im Gebäude habe es schwere Schäden gegeben. Das Dach sei fast komplett zerstört, ebenso das Mobiliar und die Bibliothek. Auch wenn das Wachpersonal nach der Flucht der Attentäter sofort die Feuerwehr alarmiert habe, sei noch eine ganze Weile vergangen, ehe die Flammen bekämpft werden konnten.

Die Schule liege auf dem Land zwischen zahlreichen Dörfern und sei nur über unbefestigte Straßen zu erreichen, berichtete Nashir. Aber von allen Seiten sei schnelle Hilfe gekommen. Freiwillige aus den Dörfern und die Schüler der benachbarten Jungenschule hätten schon tags darauf mit den Aufräumarbeiten begonnen. Auch die afghanische Regierung habe Unterstützung signalisiert.

Unterricht wieder aufgenommen

Vier Tage nach dem Brandanschlag sei der Unterricht wiederaufgenommen worden. Solange es nicht regnet, sei das möglich. Die 633 Schülerinnen der Klassen eins bis zwölf und die 22 Lehrerinnen und Lehrer ließen sich nicht entmutigen, wie ein Brief der Schulleiterin Nadia Qayumi beweist: „Wir machen weiter, denn Bildung ist das Wichtigste. Das Gerüst einer Nation“, heißt es darin und weiter: „Durch ihre Liebe, Freunde Afghanistans, durch ihre humanitäre Hilfe aus Deutschland können wir unsere Schule wiederaufbauen, und ich bedanke mich im Namen aller Schülerinnen, dass sie uns all die Jahre stets unterstützen.“

Lassen sich nicht unterkriegen: Seit Ende August findet wieder Unterricht statt. Foto: Afghanischer Frauenverein

Auch Schülerinnen haben sich bei Nadia Nashir in Deutschland gemeldet. „Wir tun alles und kämpfen mit den letzten Tropfen unseres Blutes, damit wir weiter lernen können und lassen uns nicht von Feinden der Bildung, die unsere Schule zerstörten, abschrecken. Wir möchten die Zukunft bilden und unser Land aufbauen“, schrieb ein Mädchen aus der 11. Klasse. Eine Mitschülerin aus der 12. Klasse drückte ihre Gefühle so aus: „Wir sind besonders traurig, dass unsere schöne und moderne Bibliothek verbrannt ist. In Geschichts- und Daristunden gingen wir dorthin und haben uns viel Wissen angeeignet. Auch wenn es kein Gebäude mehr gibt, lernen wir weiter. Auch wenn wir in einem Zelt ohne Tische und Stühle Unterricht hätten und auf dem Boden sitzen müssten, gäben wir nicht auf und lernten trotzdem weiter.“

Hintermänner unbekannt

Die Eltern der Schülerinnen und die Dorfältesten stehen ebenfalls entschlossen hinter der Schule, wie sie in ihrem Brief nach Deutschland beweisen: „Die Bildung von Frauen und Mädchen ist das Licht jedes Hauses und jeder Gesellschaft. Wir werden uns niemals durch die Bedrohung und Warnung der Feinde von Bildung und Kultur abschrecken lassen und werden immer Unterstützer und Begleiter in Wissenschaft, Kultur und Bildung für unsere Mädchen sein.“

(Weiterlesen: Afghanischer Frauenverein baut Schule bei Kabul)

Das Attentat sei der erste Anschlag auf die Bildungseinrichtungen und Projekte, die der Afghanische Frauenverein seit inzwischen 27 Jahren unterstützt, sagte die Vorsitzende. Es könne bisher keiner Gruppierung zugeordnet werden. Es zeige sich, dass die Situation für Mädchen und Frauen in Afghanistan weiterhin schwierig sei. Nach Syrien zähle Afghanistan inzwischen erneut zu den schwierigsten humanitären Einsatzländern der Welt. „Doch gerade jetzt sind die Kinder noch mehr auf Hilfe angewiesen“, betonte Nashir: „Wir dürfen dieses Land und besonders die Mädchen und Frauen nicht im Stich lassen“.

Weitere Informationen zum Afghanischen Frauenverein und Spendenmöglichkeiten gibt es im Internet unter http://www.afghanischer-frauenverein.de


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