Jordi Savall kommt nach Hagen „Das ist der richtige Weg“

Nicht neu, sondern originalgetreu: Gambist und Dirigent Jordi Savall interpretiert alte Musik. Am Samstag eröffnet er mit Kollegen aus seinem Ensemble Hesperion XXI in der Ehemaligen Kirche in Hagen das Festival Musica Viva. Foto: Forum ArtiumNicht neu, sondern originalgetreu: Gambist und Dirigent Jordi Savall interpretiert alte Musik. Am Samstag eröffnet er mit Kollegen aus seinem Ensemble Hesperion XXI in der Ehemaligen Kirche in Hagen das Festival Musica Viva. Foto: Forum Artium

Hagen. Am Samstag eröffnet Jordi Savall mit Kollegen aus seinem Ensemble Hesperion XXI in der Ehemaligen Kirche in Hagen das Festival Musica Viva.

Kaum jemand hat in der Alten Musik einen Ruf wie er: Jordi Savall, Gambist und Dirigent aus Barcelona, eröffnet am Samstag mit drei Kollegen aus seinem Ensemble Hesperion XXI in der ehemaligen Kirche Hagen das Festival Musica Viva. „Folias y Canarios“ ist das Programm überschrieben, und im Gespräch zeichnet Jordi Savall in einem großen Bogen die Entwicklung dieser Satzmodelle nach. Die Folia etwa, der Name bedeute „Verrücktheit“, habe sich von ihren wilden, folkloristischen Ursprüngen hin zu einem ruhigen, höfischen Tanz im Barock entwickelt. Was er ansingt, klingt wie eine Sarabande.

Der Klang vergangener Zeiten

Wesentlich sei in diesem Programm die Improvisation, und die müsse stilistisch möglichst korrekt sein. Natürlich könne, wer Bartok und Strawinskij gehört habe, nicht so tun, als sei er ein Musiker des 16. Jahrhunderts. Aber: „Wenn jemand ein Gebäude der Renaissance restaurieren soll, dann wäre es Unsinn, Elemente der barocken Architektur zu verwenden.“ Interpreten müssten daher eigentlich immer auch Musikwissenschaftler sein, müssten die Stilistik oder, wie Jordi Savall sagt, die Sprache der Zeit gut kennen, in der die Musik entstand, die sie spielen. Denn in der Musik sei die Situation verglichen mit anderen Künsten besonders schwierig: Ein Gemälde verändere sich im Grunde nicht, man könne nach Jahrhunderten noch sehen, was der Künstler ausdrücken wollte. Eine Partitur hingegen liefere wenig Anhaltspunkte, wie die Musik wirklich geklungen habe.

Überinterpretiert

Jordi Savall ist vorrangig als Interpret der Alten Musik bekannt, doch kürzlich hat er eine Aufnahme mit späten Mozart-Symphonien vorgelegt. Ist seinen Kollegen noch keine Einspielung gelungen, mit der er zufrieden wäre? „Ich schaue nicht darauf, was andere machen“, meint er, doch er sei überzeugt, aus seiner Perspektive auch bei Mozart und Beethoven noch neue Aspekte zu finden: Mit dem Wissen um die ältere Musik. „Das ist der richtige Weg,“ zeigt sich Jordi Savall in diesem Punkt kämpferisch und hält offenbar wenig von anderen Ansätzen. Er formuliert überspitzt: „Manche spielen Beethoven wie Brahms, mit hunderten Streichern.“ In seiner eher kleinen Besetzung jedoch sei die Balance zwischen Bläsern und Streichern perfekt.

In seinem Alter wolle er sich außerdem auf Musik konzentrieren, an der ihm wirklich etwas liege, sagt Jordi Savall und berichtet von einem prägenden Erlebnis seiner Jugend: „Ich habe als Junge irgendwann eine Probe von Mozarts Requiem gehört. Das hat mich so ergriffen, dass ich dachte: Du musst doch Musiker werden.“

Seitdem sind etwa 65 Jahre vergangen, nach Anfängen im Chor und der Ausbildung am Cello überblickt Jordi Savall heute Jahrzehnte der Interpretation der Alten Musik, der er sich natürlich auch weiterhin widmen werde. Noch immer seien deren Interpreten materiell benachteiligt, glaubt er. Viele normale Symphonieorchester seien zu 100 Prozent subventioniert, doch Ensembles der Alten Musik erhielten höchsten kurzfristige Förderungen, wenn überhaupt. Dennoch hätten sie das Bild der Musik bis hin zum Barock für immer verändert: „Welches normale Orchester spielt heute noch Bach?“

Das Konzert beginnt am Samstag, 14.9. um 18.00 Uhr in der ehemaligen Kirche Hagen. Karten unter 05401/ 35 108.


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