"Ein bisschen ausholen" Michael Fitz im Haus des Gastes Bad Rothenfelde

Der Liedermacher und Schauspieler Michael Fitz hat am Sonntag im Haus des Gastes gespielt. Der Saal war zwar nicht voll, dafür hingen die Anwesenden förmlich an den Lippen des Münchner Musikers. Foto: Markus StrothmannDer Liedermacher und Schauspieler Michael Fitz hat am Sonntag im Haus des Gastes gespielt. Der Saal war zwar nicht voll, dafür hingen die Anwesenden förmlich an den Lippen des Münchner Musikers. Foto: Markus Strothmann

Bad Rothenfelde. Der Liedermacher Michael Fitz hat sein Publikum im Haus des Gastes in den Bann gezogen mit einem Programm aus Songs und noch Geschichten.

Der Mann aus München saß auf der spärlich beleuchteten Bühne, die Gitarre auf dem Schoß, und nahm sich Zeit, erzählend seinen anscheinend spontanen Eingebungen zu folgen. Über Selbstoptimierung und Zeitmangel hin zum Stück "Was bin ich" mit kompetent gezupften Moll-Akkorden und expressivem Gesang.  

Beim Reden wählte Fitz das Hochdeutsche, die Lieder sang er im bayrischen Dialekt. Bei Nichtverstehen empfahl er: "Nicht anstrengen, einfach entspannen und fallenlassen." Wieder ein Lied, wieder ein Stück Gedankenstrom: "Wenn ich immer mache, was alle machen, geht mir das irgendwann so auf den Senkel, dass ich das Risiko suche, und dann überhole ich halt mal rechts." 

Um einen Gedanken auszuführen, müsse er "ein bisschen ausholen", so Fitz, ob das okay sei. Zustimmendes Murmeln im Publikum, und im Folgenden ein Schwank aus der Jugend des Künstlers.

Das Abitur habe er zwar nicht gemacht im gegenseitigen Einvernehmen mit der Schulleitung, hängengeblieben sei aber doch Einiges. Darum sei er heute in der Lage, widersprüchliche Aussagen zu erkennen, wo sie ihm begegnen - etwa dort, wo Anlageberater von "kalkulierbaren Risiken" sprechen. Denn: "Wenn es kalkulierbar ist, ist es doch kein Risiko. Oder?" Falls jemand im Publikum das mit letzter Sicherheit wusste, behielt er oder sie es für sich.

Über das Entwickeln von echtem Selbstbewusstsein gelangte Fitz zum Stück "Du siehst mich nicht" mit überzeugendem Folk-Picking, das er seinem Vater widmete, dem 2015 verstorbenen Volksschauspieler Gerd Fitz. 

Und auch die romantische Liebe kam zur Sprache. Tragikomisch wirkte folgende Parabel: Die Liebe sei wie eine Monstranz, so Fitz, anfangs trage man sie begeistert über alle Hindernisse, ohne ihr Gewicht zu spüren. Schließlich werde sie doch immer schwerer bis man sie erstmals abstelle.

Die weiteren Stationen der Liebesmonstranz im ungünstigen Fall: Küche, Flur, Gästeklo, Keller. Ein paar Lacher gab es da schon, aber ganz unbeschwert klangen sie nicht. Aber wer leichte Unterhaltung sucht, der findet wohl sowieso eher nicht den Weg zu einem Konzert von Michael Fitz.

"Jetzt auf gestern 2019" heißt sein aktuelles Programm, ebenso wie die jüngste Veröffentlichung: vier CDs mit Live-Aufnahmen, dazu ein großformatiges Booklet in Buch-Stärke, mit Texten, Poesie, Biografischem aus den letzten 20 Jahre.         


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN